Mo, 11. Dezember 2017

krone.at-Interview

04.11.2010 15:15

Jobmarkt - Weniger Arbeitslose sind nur die halbe Wahrheit

Die Zahl der Arbeitslosen ist gesunken. Klingt gut, ist aber nur die halbe Wahrheit. krone.at hat mit dem Präsidenten der Arbeitkammer in Oberösterreich, Johann Kalliauer, gesprochen.

krone.at: Die Zahl der Arbeitslosen sinkt, laut AMS nähern wir uns in Oberösterreich bereits zaghaft dem Bereich der Vollbeschäftigung an. Klingt doch gut, oder?
Johann Kalliauer: Diese Zahlen sind erfreulich. Allerdings gelten sie im Vergleich zum Vorjahr. Gegenüber der Zeit vor der Krise, also 2008, haben wir immer noch 7.000 Arbeitslose mehr und 3.000 Menschen mehr in Schulungen.

krone.at: Aber zumindest haben wieder mehr Menschen einen Job. Sind das gleichwertige Arbeitsstellen, die wieder vermehrt angeboten werden?
Kalliauer: Es sind oft keine gleichwertigen Jobs. Sehr viel läuft da über Leiharbeiter. Österreichweit haben wir durch die Krise 20.000 Industriearbeitsplätze verloren, wovon Oberösterreich besonders massiv betroffen ist. Die werden nun wieder mit Leiharbeitern aufgefüllt. Nur stehen diese Arbeitnehmer auch schnell wieder ohne Job da. Und die Unternehmer haben bei Leiharbeitern auch viel weniger schlechtes Gewissen, weil sie ja nicht gefeuert, sondern nur nicht mehr "gebucht" werden.

krone.at: Wie sieht's also wirklich am Arbeitsmarkt aus?
Kalliauer: Naja, wir haben zwei Probleme. Erstens die Konjunktur. Auch wenn die jetzt anzieht, haben wir immer noch viele Langzeitarbeitslose und auch Jugendliche ohne Job. Aber zweitens auch ein Strukturproblem. Eine Arbeitsstelle fürs Leben gibt's kaum noch. Es wär ja auch nicht schlimm, wenn man ein den Job ab und an wechselt, aber heute brauchen viele Leute schon zwei oder drei Jobs, um überhaupt Überleben zu können.

krone.at: Aber die Staatskassen sind leer. Was kann man tun?
Kalliauer:
Das wird nicht nur über Sparen gehen. Da wird der Staat auch Einnahmequellen finden müssen, um Aufgaben und Stellen in Bereichen wie Pflege oder Gesundheit bezahlen zu können. Da kommen wir um eine Vermögenssteuer nicht herum. Außerdem kann man die Arbeit aufteilen. Selbst am Höhepunkt der Krise wurden im Monat in Österreich sechs Millionen Überstunden geleistet.

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