Fr, 24. November 2017

Nebenbahnen

03.11.2010 14:21

Mariazellerbahn eignet sich laut Studie als S-Bahn

Die Mariazellerbahn eigne sich nicht nur für Nostalgiefahrten, sie habe sogar das Potenzial zur S-Bahn: Das ist das Ergebnis einer von der FH St. Pölten vorgenommenen Betriebssimulation. Im Rahmen einer Bachelorarbeit am Studiengang Eisenbahn-Infrastrukturtechnik wurden Infrastruktur und Betrieb der einzigartigen Bahnstrecke unter die Lupe genommen, teilte die Fachhochschule am Mittwoch mit.

"Die Mariazellerbahn rollt bald in eine betriebsame Zukunft - mit schnellerem Tempo, nostalgischen Dampfloks und einem Taktfahrplan." Diese erfolgversprechenden Zukunftsaussichten sehen Wissenschafter der FH St. Pölten. Die Auswirkungen von betrieblichen und baulichen Maßnahmen wurden simuliert - ganz ohne in den tatsächlichen Schienenverkehr einzugreifen. Die Umsetzung von Maßnahmenvorschlägen würden der Verbindung "als Nahverkehrsmittel und auch als Touristenattraktion mehr Bedeutung geben". So könnte die Mariazellerbahn in Zukunft für Pendler eine echte Alternative zum Straßenverkehr darstellen und gleichzeitig Touristen und Wallfahrern ein historisches Erlebnis aus dem Dampflokzeitalter in malerischer Landschaft bieten.

Taktfahrplan könnte Attraktivität steigern
"Unsere Analyse zeigt, dass eine Modernisierung in zwei getrennten Stufen erfolgen kann", erläuterte Philipp Mackinger, Autor der Bachelorarbeit. Das ermögliche eine budgetgerechte Planung und Umsetzung. In einer ersten Stufe sollten gewisse Mindestanforderungen des Fahrgastes erfüllt werden - wie z.B. moderne Fahrzeuge und komfortable Haltestellen. Ein Taktfahrplan würde dann die Attraktivität der Bahn enorm steigern. "Dazu sind bauliche Maßnahmen notwendig, die wir mit unserer Simulation klar definieren konnten. Durch eine optimierte Streckenführung wäre als zweite Stufe sogar ein S-Bahn-ähnlicher Betrieb möglich", so Mackinger.

Geschwindigkeiten von 70 bis 100 km/h möglich
Zu den baulichen Maßnahmen, die für einen Taktfahrplan nötig wären, gehörten zum einen die Renovierung der Langsamfahrstellen und der Um- und Ausbau der Kreuzungsbahnhöfe. Zum anderen müsste auf einen "Signalisierten Zugleitbetrieb" umgestellt werden. Das bedeute die Ausstattung der Bahnhöfe mit Rückfallweichen, Lichtsignalen und Gleisfreimeldeanlagen. So könnten Fahrdienstleiter zentral mit einer Fernsteueranlage die gesamte Strecke bedienen. "Auf Basis dieser Neuerungen könnte dann sogar ein weiterführender Ausbau bis hin zum S-Bahn-Verkehr passieren", dem nicht einmal die - schmale - Spurweite im Wege stünde. Auf Streckenteilen wie etwa zwischen St. Pölten und Loich seien nämlich sogar Geschwindigkeiten von 70 bis 100 km/h möglich, heißt es seitens der FH.

Die Mariazellerbahn wird am 12. Dezember vom Land übernommen. Sie ist eine von zwei Bahnstrecken, die von den 28 Nebenbahnen, die das Land den ÖBB abnimmt, auch künftig im Regelbetrieb bleiben soll. Bisher wurde seitens des Landes angekündigt, die Strecke zu sanieren und neues Wagenmaterial beschaffen zu wollen. Details sind nicht bekannt.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden