Mi, 13. Dezember 2017

"Nocebo-Effekt"

03.11.2010 14:06

Schmerzen sind laut Studie manchmal Kopfsache

Schmerzen können Kopfsache sein - so lautet das Ergebnis einer Studie von Hamburger und Mainzer Forschern. Zwar sei bekannt, dass positive Gedanken den Genesungsprozess vorantreiben können, "umgekehrt beeinflusst aber auch negatives Denken das Schmerzempfinden", weiß der Leiter der Forschungsgruppe, Arne May.

"Wer sich Schmerzen einbildet, wird früher oder später auch welche haben", erläuterte der Neurowissenschaftler vom Hamburger Universitätsklinikum. Die seien eine Art Gegenstück zum Placebo-Effekt, bei dem sich Patienten, die ein wirkstoffloses Scheinpräparat (Placebo) bekommen, "gesund denken".

Bei Tests der deutschen Forscher wurden Probanden täglich einem leichten Hitzeschmerz ausgesetzt, der aber durch Gewöhnung normalerweise abnehme, berichtete May. "Einigen haben wir allerdings gesagt, dass der Schmerz zunehmen würde. Ergebnis: Das Schmerzgefühl stieg zwar nicht, blieb aber konsequent gleich. Wir nennen das den 'Nocebo-Effekt'." Für dieses Verhalten sei ein bestimmtes Hirnareal verantwortlich - das sogenannte Operculum der Inselrinde, so der Forscher.

Information kann sich auf Schmerzerleben auswirken
"Damit haben wir den Beweis, dass sich schon eine einmalig gegebene Information auf das Schmerzerleben auswirken kann", so May. Im Alltag bedeute dies, dass Ärzte vorsichtig sein müssten, was sie vor ihren Patienten sagten. Bewusst oder unbewusst gegebene Informationen würden den Verlauf und damit die Erfolgsaussichten einer Therapie beeinflussen.

In dem Zusammenhang forderte der Neurowissenschaftler auch eine bessere Mediziner-Ausbildung: "Grundlegende Fragen für einen Arzt sind doch die: Wie überbringe ich schlechte Nachrichten, was darf und was muss ich meinem Patienten sagen?" Diese Sensibilität werde heute während des Studiums aber nicht vermittelt. "Dabei gehört die aber eigentlich zu unserem Grundrüstzeug - besonders im Klinikalltag", so May.

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