Di, 21. November 2017

Im 92. Lebensjahr

26.10.2010 15:25

Niederösterreichs Alt-LH Andreas Maurer verstorben

Niederösterreichs Alt-Landeshauptmann Andreas Maurer (Bild links) ist am Montagabend – im 92. Lebensjahr stehend – verstorben. Der aus einer Bauernfamilie stammende Politiker war mehr als 14 Jahre lang, von 1966 bis 1981, als Landeschef im Amt und erreichte bei allen drei Landtagswahlen während dieser Zeit die absolute Mandatsmehrheit.

Landeshauptmann Erwin Pröll zeigte sich in einer ersten Stellungnahme tief betroffen. "Der Baumeister Niederösterreichs ist von uns gegangen. Er war für mich ein väterlicher Freund. Maurer war mit unserem Heimatland bis in die tiefste Seele verbunden, seine Herkunft und Verwurzelung im Bauernstand prägten sein Denken, seine Arbeit und sein Leben", so Pröll.

"Andreas, ruhe sanft"
Niederösterreich verliere einen Menschen, "der für sein Land eingetreten ist und gekämpft hat, im tiefen Empfinden eines Krieges und in der Kraft seines Denkens und Handelns zum Wiederaufbau seiner Heimat." Er selbst verdanke seine Berufung in die Politik Andreas Maurer. "Er war mein wertvollster Berater bis zuletzt und Orientierungshilfe in schweren Zeiten. Andreas, ruhe sanft", meinte Pröll.

Bundespräsident kondoliert
Bundespräsident Heinz Fischer hat in einem Schreiben der Witwe Maurers kondoliert. Darin würdigt das Staatsoberhaupt, dass Maurer als Gemeindemandatar, Landesrat und vor allem während seines 15-jährigen Wirkens als Landeshauptmann maßgeblich zum wirtschaftlichen Aufschwung und zur Modernisierung Niederösterreichs beigetragen habe.

Vom Tod Maurers habe er mit großer Betroffenheit gehört. Dieser habe Niederösterreich und seinen Menschen mit großer Hingabe gedient. Weit über die Grenzen des Bundeslandes würden sich daher viele Menschen mit Dankbarkeit und großem Respekt seiner erinnern - "und auch ich werde ihm stets ein ehrendes Angedenken bewahren", schrieb der Bundespräsident.

Verlieren großen Niederösterreicher und Patrioten
Auch die Regierungsspitze würdigte den Verstorbenen. Österreich verliere einen großen Patrioten, hielt Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) fest. Die Volkspartei verliere einen großen Niederösterreicher, sagte ÖVP-Bundesparteiobmann Josef Pröll.

Andreas Maurer habe sich um Österreich und sein Bundesland "im höchsten Maße verdient gemacht", betonte der Kanzler. Die österreichische Bauernschaft verliere eine ihrer prägenden Persönlichkeiten des vergangenen Jahrhunderts. Maurer sei in allen seinen Funktionen "in der ihm eigenen, sympathischen Art der Volksverbundenheit immer bei den Sorgen und Nöten der Menschen" gewesen.

"Stets mit ganzer Seele für die Menschen"
Tief betroffen über das Ableben des Alt-Landeshauptmannes zeigte sich Josef Pröll. Maurer sei "wesentlich am Aufbau des Bundeslandes nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligt" gewesen und habe sich "stets mit ganzer Seele für die Menschen in Niederösterreich, speziell für den Bauernstand, eingesetzt". Er sei "ein großer Europäer und Niederösterreicher" gewesen. "Er war auch ein großer Reformator, der stets die Zeichen der Zeit erkannt hat und der mit seinem unermüdlichen Einsatz für die Weiterentwicklung seines Bundeslandes die Grundlagen für die beispiellose Erfolgsgeschichte Niederösterreich gelegt hat", sagte der ÖVP-Chef.

Landes-SP, -Grüne und -FP würdigen Maurers Verdienste
"Alt-Landeshauptmann Andreas Maurer war eine große Persönlichkeit. Er hat unserem Bundesland über viele Jahre seine ganze Tatkraft und sein Engagement gewidmet und sich in den verschiedenen politischen Funktionen dem Land Niederösterreich und seiner Gestaltung verschrieben", würdigte Landeshauptmann-Stellvertreter Sepp Leitner (SP) den Verstorbenen. Maurer habe das Land "mit seinen Worten und Taten geprägt", stellte Madeleine Petrovic, Klubobfrau der Grünen im Landtag, fest. Ihm gebühre ein Denkmal, "am besten geeignet wäre dafür das Areal des Schlosses Trautmannsdorf in seiner Heimatgemeinde".

Maurer sei "untrennbar mit der Geschichte Niederösterreichs verbunden", stellte zudem Gottfried Waldhäusl, Klubobmann der FP im Landtag, fest. Das Bundesland verliere einen großen Politiker. Es seien Menschen wie Maurer gewesen, "die Niederösterreich nach den Kriegswirren wieder aufgebaut haben. Dieser Generation sind wir unseren aufrichtigen Dank schuldig". Niederösterreich verliere "einen verdienten Politiker", Maxime seines Tuns seien immer die Menschen im Land gewesen seien, erinnerte Landesrätin Barbara Rosenkranz, Landesobfrau der Freiheitlichen. In Maurers Amtszeit sei "der Grundstein für das heutige Niederösterreich gelegt" worden.

Kirchenvertreter drücken Bedauern aus
Andreas Maurer habe die Grundlage für das heutige Niederösterreich gelegt. Die Ecksteine seien dabei die christlichen Werte gewesen, reagierte St. Pöltens Diözesanbischof Klaus Küng auf den Tod des Alt-Landeshauptmannes. Er habe Maurer als jemanden kennengelernt, der "allseits in hohem Ansehen stand." Niederösterreich verliere "eine profilierte Persönlichkeit", sagte Superintendent Paul Weiland für die Evangelische Kirche. Maurer habe das Land "wesentlich geprägt".

Der Verstorbene sei "ein bodenständiger und prinzipientreuer Politiker" gewesen, "der von seiner bäuerlichen Herkunft tief geprägt war", stellte Bundesratspräsident Martin Preineder (VP) fest. Maurer habe "viele Weichen für ein fortschrittliches Niederösterreich gestellt". Die Bauernschaft verliere mit ihm "eines ihrer großen Vorbilder". Tiefe Betroffenheit löste Maurers Ableben auch beim NÖ-Bauernbund aus. "Ein großer Niederösterreicher ist von uns gegangen, wir sind dankbar, dass er einer von uns war und werden sein Andenken wach halten", betonte Obmann Hermann Schultes. Maurers Bedeutung als Agrarpolitiker sei "weit über unsere Landesgrenzen hinausgegangen".

Modernisierer und Patriarch
Der Verstorbene war mehr als 14 Jahre (vom 24. November 1966 bis zum 22. Jänner 1981) im Amt. Er galt als bürgernahe und geradlinig. Der aus einer Bauernfamilie stammende Maurer erreichte bei drei Landtagswahlen (1969, 1974 und 1979) die absolute Mandatsmehrheit. Seine Regierungszeit war durch den von seinen Vorgängern und Vorbildern Leopold Figl und Eduard Hartmann bereits eingeschlagenen Weg eines modernen Niederösterreichs gekennzeichnet. Einschneidende Strukturreformen im Schul- und Gemeindebereich kennzeichneten die Ära Maurer.

Als Höhepunkte seiner Politik nannte er einmal unter anderem den Bau von drei neuen Donaubrücken (Krems, Melk, Hainburg), seine Rolle als "Königsmacher" der ÖVP 1971 (auf Maurers Vorschlag ging Karl Schleinzer als neuer Bundesobmann der Volkspartei und Nachfolger von Hermann Withalm hervor), das Verschieben der Landeshauptstadt-Pläne 1974 sowie den Beschluss über eine neue Landesverfassung 1978.

Politische Laufbahn nach Krieg und Gefangenschaft
Andreas Maurer wurde am 7. September 1919 in Trautmannsdorf an der Leitha als zweites Kind eines Landwirte-Ehepaares geboren. In seinem Heimatort besuchte er die Volksschule, anschließend die Landwirtschaftliche Schule in Bruck an der Leitha. Im Zweiten Weltkrieg war Maurer bis zu einer Verwundung im Jahr 1942 an der Ostfront im Einsatz. Wieder genesen, geriet er in Italien in englische Gefangenschaft.

In der Nachkriegszeit übernahm Maurer den väterlichen Betrieb. Seine politische Karriere begann er 1946 als Ortsbauernrat. 1949 wurde er Kammerrat in der Bezirksbauernkammer Bruck an der Leitha, von 1950 bis 1955 gehörte er dem Gemeinderat von Trautmannsdorf an. Maurer wurde dann Obmann der Bezirksbauernkammer und 1959 als Abgeordneter in den Landtag gewählt. Als Mitglied der Landesregierung (Landesrat vom 19. November 1964 bis zur einstimmigen Landeshauptmann-Wahl am 24. November 1966) unterstanden ihm landwirtschaftliche Agenden. Maurer war weiters von 1970 bis 1989 Obmann des NÖ Bauernbundes.

Mauerer hinterlässt neben seiner Ehefrau sechs Kinder sowie zahlreiche Enkel und Urenkel.

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