Mi, 22. November 2017

Spesen kamen doppelt

20.10.2010 12:13

Gerichtsgutachter entlarvt Olympia-Abkassierer

Noch einmal Spannung im Untersuchungsausschuss, der das Salzburger Debakel bei der Olympia-Kandidatur 2014 unter die Lupe nimmt. Am Freitag legt Richter Anton Meinhart seinen Bericht über die Affäre vor. Interne Dokumente entlarven die größten Abkassierer bei der Bewerbung – vor allem den "Strategen" Erwin Roth.

Wenn es ums Abkassieren bei der Olympia-Kandidatur ging, war Erwin Roth immer ganze vorne dabei. Schon bei der Vorbereitung der Salzburger Bewerbung von 2004 bis August 2005 bekam die Agentur Roth (im Besitz von Gattin Eva-Maria Roth) sagenhafte 133.919,39 Euro überwiesen. Darin enthalten waren 58.200 Euro als pauschales "Beratungshonorar" – von Feber bis August 2005 machte diese Pauschale im Monat 6.000 Euro aus.

Doch das war erst der Anfang, wie Gutachter Herbert Steiner fürs Gericht errechnete. Als die Kandidatur fix war, schloss Roth einen Vertrag mit dem Wiener Olympia-Förderverein. Da vereinbarte er monatlich 90.000 Euro, die an seine GmbH im kroatische Split gingen – von Oktober 2006 bis Juli 2007.

Gutachter staunte beim Überprüfen der Konten
Gutacher Steiner staunte, als er die Konten dieser Firma überprüfte. Der Förderverein hatte Roth 904.000 Euro überwiesen, weitere 25.000 Euro kamen vom ÖOC. Doch Ausgaben hatte der "Stratege" wenige: 290.000 Euro an Ex-Langlauftrainer Walter Mayer, 108.838,50 Euro überwies Roth an seine eigene Firma "Serial" und weitere 267.339,49 Euro aufs Privatkonto seiner Frau.

Insgesamt rechnet Steiner vor, dass Roth den unfassbaren Betrag von 744.753,31 Euro "nicht für die Olympia-Bewerbung" ausgab. Also blieben "monatlich 57.000 Euro als persönliches Honorar".

Geld für "nicht nachgewiesene Leistungen"
Doch damit nicht genug: Roths Firma "Serial" bekam zusätzlich vom Förderverein 150.000 Euro, vom ÖOC 145.000 Euro. Und von der Bewerbungs-GmbH 18.000 Euro für Reisespesen, obwohl im Vertrag mit dem Förderverein diese Kosten pauschal gedeckt waren! Der Gutachter rechnet, dass gar 45.600 Euro "für nicht nachgewiesene bzw. im Pauschalhonorar enthaltene Leistungen zusätzlich ausgezahlt wurden."

Die Einschätzung Steiners: "Zahlungen an die Gruppe Erwin Roth () fallen unter den Begriff 'wirtschaftlich nicht vertretbare Vermögensabflüsse und überzogene Aufwendungen'", heißt es knallhart.

von Robert Redtenbacher, Kronen Zeitung

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