Mo, 23. Oktober 2017

Japan-Blog

14.10.2010 08:29

Im Land der alternden Wirtschaftsmacht

Oberösterreichs Delegation in Tokio erforscht die alternde Gesellschaft, stößt auf weggesperrte Raucher und testet pünktliche Superschnellzüge. Seit Anfang der Woche befinden sich Vertreter der Wirtschaftskammer auf Entdeckungsreise in Japan. Werner Pöchinger begleitet die Delegation und berichtet exklusiv für die "Krone".

"In 600 Jahren wird es nur noch genau 438 Japaner geben", spöttelt Jesper Koll, deutscher Wirtschaftsexperte in Tokio, über Bevölkerungsprognosen. Doch mit todernstem Hintergrund: Japan ist eine schrumpfende, alternde Wirtschaftsmacht und wird in den nächsten 15 Jahren eine Million seiner 127 Millionen Einwohner verlieren, von denen dann ein Drittel älter als 65 sein wird. Eine niedrige Geburtenrate von 1,29 Kindern pro Frau (Österreich: 1,4) und eine fehlende, weil nicht gewollte Zuwanderung führen im Verein mit der hohen Lebenserwartung zu "Überalterung".

Wie geht man mit dieser Entwicklung um, die auch Österreich ereilen wird? Auch davon möchte sich die oberösterreichische Wirtschaftskammer- und Journalistendelegation, die mit Präsident Rudolf Trauner an der Spitze eine Woche lang Japan studiert, ein Bild machen.

Bevölkerungsentwicklung schafft neue Marktchancen
Also auf nach Sendai mit dem Superschnellzug "Shinkansen Komachi", der die 400 Kilometer ab Tokio in 90 Minuten durchrast. Dort wird an der Tohuku Fukushi-Universität intensiv an allerlei Aspekten der Überalterung geforscht – zunehmende Demenz-Rate, erhöhter Pflegebedarf usw. –, zugleich werden die Ergebnisse in die Ausbildungspraxis umgesetzt. Außerdem gibt es in Sendai ein Kooperationsprojekt der Stadt mit Finnland für ein die alten Menschen besonders mobilisierendes Pflegeheim.

All dies hat natürlich auch einen "Spin-Off", nämlich Marktchancen für Firmen mit Medizinprodukten, Dienstleistungen und was man für eine alternde Gesellschaft so braucht. Hier könnten sich Möglichkeiten für oberösterreichische Unternehmen in Japan auftun. Es müssen ja nicht gleich Pflege-Roboter sein.

Raucher werden weggesperrt
Nicht nur Junge sind eine "aussterbende Spezies" in Japan – man versucht auch, die Raucher dazu zu machen. Nicht über den Preis – die Schachtel Marlboro ist mit umgerechnet 3,20 Euro billiger als in Linz –, sondern man macht ihnen das Leben schwer. Sogar im Freien rund um öffentliche Gebäude darf man nur an ausgesuchten Punkten rauchen, und am Bahnhof von Tokio werden die Qualmer auf den halb offenen Bahnsteigen in "Glaskobel" verbannt.

Dafür darf man in manchen Restaurants ungeniert rauchen. Wie im "Rikyu Kakyo-in Ten" in Tokio, das der oberösterreichische Delegation "Gyutan" serviert. Dieser Spezialitätenreigen aus gegrillter, geschmorter, gekochter und verwursteter Rinderzunge ist in einer alternden Gesellschaft wohl auch bedroht. Denn man braucht gute Zähne.

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