Do, 23. November 2017

Studie Uni Salzburg

11.10.2010 11:55

Moderner Bahnhof vermittelt mehr Sicherheit

Wenn die ÖBB Geld für die Neugestaltung ihrer Bahnhöfe in die Hand nehmen, dann werden die Gebäude nicht nur attraktiver und gepflegter, sondern dann fühlen sich auch die Fahrgäste wesentlich sicherer. Das zeigt eine Diplomarbeit an der Universität Salzburg auf, in der die nur wenige Kilometer voneinander entfernten oberösterreichischen Bahnhöfe Attnang-Puchheim (ohne Umbau) und Vöcklabruck (neu) miteinander verglichen und die Bahn-Kunden befragt wurden.

80 Reisende hat der Vöcklabrucker Michael Mair für seine Psychologie-Diplomarbeit (Betreuer Alexander Keul) an den beiden Bahnhöfen befragt und dabei ein aussagekräftiges Ergebnis erhalten: Mehr als zwei Drittel empfanden die neu gestaltete Station Vöcklabruck sicher, in Attnang-Puchheim waren es nur 30 (bei Nacht) bzw. 40 (Tag) Prozent. Die düstere Fußgänger-Unterführung in Attnang war jedem Dritten unangenehm (bei Nacht jedem Zweiten), die neue in Vöcklabruck aber nur jedem Zehnten.

Mehr "verdächtige Personen" auf älterem Bahnhof geortet
In Attnang bekam der Jung-Wissenschafter der Uni Salzburg sogar schaurige Geschichten zu hören, obwohl keinem Befragten wirklich etwas zugestoßen war und sich auch im Bekanntenkreis keine Vorfälle ereignet hatten. Das ging sogar so weit, dass im "stigmatisierten" Bahnhof einige Fahrgäste nachts "verdächtige Personen" gesehen haben wollen.

Häufiges Bahnfahren senkt nicht das Angstempfinden
Die Arbeit zeigte außerdem, dass die Bahnhofsbeleuchtung das Sicherheitsgefühl kaum beeinflusste, das Wetter hingegen schon - bei Regen sank das subjektive Sicherheitsempfinden. Keine Unterschiede gab es beim Geschlecht der Reisenden, und auch das Alter spielte keine große Rolle. Gleichfalls ohne Effekt blieb die Häufigkeit der Bahnbenützung, das heißt, dass auch häufiges Bahnfahren das Sicherheitsgefühl nicht verändert. Dagegen kann die Anwesenheit anderer Fahrgäste subjektiv Sicherheit vermittelten, während ein leerer Bahnsteig Unbehagen erzeugt.

Sicherer fühlen würde sich jeder zweite Reisende mit Notrufsäulen und Videoüberwachung - hier gab es keine Unterschiede an beiden Bahnhöfen. Und ein eingestecktes Handy ist bei 40 Prozent der Jugendlichen sehr wichtig für das eigene Sicherheitsgefühl, während Ältere dies eher bezweifelten.

Interesse der ÖBB "nicht so groß"
Enttäuscht zeigte sich Mair über die Reaktionen der ÖBB, als er dort die Ergebnisse seiner Arbeit präsentieren wollte. Es hieß lediglich, man werde das intern weiterleiten. "Ich habe das Gefühl, dass das Interesse nicht so groß ist", sagte der Oberösterreicher.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden