Fr, 17. November 2017

Realität hält Einzug

07.10.2010 09:59

Lagerfeld: „Genug von 15-jährigen Models gesehen“

Berühmte Modemacher kehren minderjährigen Mannequins den Rücken und setzen wieder auf ältere Models auf dem Laufsteg. "Von 15 Jahre alten russischen Models haben wir genug gesehen", bringt Modezar Karl Lagerfeld den Trend auf den Punkt. "Wir machen schließlich nicht nur Mode für Jugendliche", mahnt der aus Hamburg stammende Designer des renommierten Pariser Modehauses Chanel.

Für die Herbstschauen in Paris engagierte Lagerfeld dann auch ältere Models, die in den 80er- und 90er-Jahren auf dem Höhepunkt ihrer Karrieren waren: Ines de la Fressange (oben im Bild rechts) und Stella Tenant.

Lagerfeld ist keine Ausnahme: Giles Deacon vom Modehaus Ungaro etwa heuerte für seine Modeschau einige Bekannte an, darunter eine Frau in den Fünfzigern, die für ihn einen Tag lang Model spielte. Nicolas Ghesquiere, Designer bei Balenciaga, holte sich seine Models bei einem "Street-Casting" einfach von der Straße - Frauen unterschiedlichen Alters. "Ich suche nach Individualität, nicht nach Klonen, deren Persönlichkeit verwischt wurde", sagt er.

Für Aufsehen sorgte wieder einmal das "enfant terrible" der Pariser Modeszene, Jean Paul Gaultier. Er ließ am Wochenende die füllige US-Sängerin Beth Ditto seine Schau eröffnen, bei der er eine "rockig-romantische" Kollektion für Kleidergrößen von XXS bis XXL vorstellte.

Es gebe eine "wirkliche Wende", bestätigt Patrick Lemire von der Mannequin-Agentur Marylin Agency in Paris. Die Modeschöpfer kämen auf "reife, selbstbewusste Frauen" zurück. Die sehr jungen Models seien viel weniger gefragt. Die Designer suchten heute "weniger Glamour und mehr Realität", erklärt sich der Mode-Experte Jean-Jacques Picart den Trend. Nicht zuletzt wegen der Krise setzten sie auf "vernünftige Kleidung", die 20 Jahre alte Frauen ebenso tragen könnten wie 50-Jährige.

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