Mi, 22. November 2017

Burschen angeklagt

24.09.2010 15:42

Ebensee-Prozess: „Wollten Leute erschrecken“

Der Prozess gegen vier Jugendliche, die sich nach einer Störaktion während einer Gedenkfeier im ehemaligen KZ Ebensee vor rund einem Jahr verantworten müssen, wird am 1. Dezember fortgesetzt. Zum Prozessauftakt am Freitag bekannten sich zwei schuldig, zwei nicht. Ein Teil der Angeklagten berichtete von "Softgun-Schlachten", zu denen man sich häufiger in den KZ-Stollen getroffen habe.

Zum Auftakt des Prozesses betonte Staatsanwalt Franz Haas in seinem Anklagevortrag, dass es sich bei den Vorwürfen "nicht um Lausbubenstreiche" gehandelt habe. Die Angeklagten hätten sich mit der NS-Zeit beschäftigt, auf ihren Handys bzw. Laptops seien einschlägige Musik- und Bilddateien gefunden worden.

Drei der vier Jugendlichen waren zum Tatzeitpunkt 16, einer 14 Jahre alt. Sie hätten sich vorher verabredet, zu der Gedenkfeier zu gehen und "eine Gaudi" zu haben, so Haas. Allen sei klar gewesen, dass damit eine Störaktion gemeint gewesen sei. Den Burschen wird vorgeworfen, im Stollen Naziparolen skandiert und Besucher mit Softguns bzw. einer CO2-Waffe beschossen zu haben. Der Hauptbeschuldigte soll - bekleidet mit einem Tarnanzug und einer Sturmhaube - im Stechschnitt vor den Gästen auf- und abmarschiert sein. "Er wollte mit dem Verhalten Aufsehen erregen und die SS nachahmen", so Staatsanwalt Franz Haas.

"Wir wollten die Leute erschrecken"
Der Hauptangeklagte - er ist heute 18 Jahre alt - schilderte, er und die anderen hätten sich zunächst gegenseitig beschossen. Dann habe er "Blood & Honour", "Die Stollen gehören uns", "Heil Hitler" und "Sieg Heil, ihr Schweine" geschrien und sei im Stechschritt herummarschiert. Er habe "nicht nachgedacht". "Wir wollten die Leute erschrecken", sagte ein anderer, damals 14-jähriger Jugendlicher. Man müsse die Lebensumstände in Ebensee kennen, so ein Verteidiger. Die Gedenkstätte sei von Wohnhäusern umgeben, die Stollen seien eine Art "Abenteuerspielplatz" für die Jugendlichen.

Die Angeklagten wollten keinen nationalsozialistischen Hintergrund bei ihren Taten sehen. Alle sagten, sie hätten keine politische Meinung, bezeichneten sich aber als latent ausländerfeindlich. Er habe Bilder von NS-Runen, Hakenkreuzen etc. "aus Geschichtsbüchern ausgeschnitten", erzählte einer der Burschen. Mit der einschlägigen Musik sei er schon früher "von den Großen" konfrontiert worden. Ein anderer will einschlägige Lieder und Bilder zwar aus dem Internet heruntergeladen, dann aber kaum angehört haben. Es sei einfach "cool" gewesen, meinte ein Dritter.

Zeugenbefragung im Dezember
Am ersten Verhandlungstag standen lediglich die Vereidigung der Geschworenen und die Einvernahme der Angeklagten auf dem Programm. Zwei Verteidiger haben abgekündigt, Diversion beantragen zu wollen. Darüber will das Gericht aber erst nach Abschluss des Beweisverfahrens entscheiden. Ein Verteidiger will eine Freispruch für seinen Mandanten. Bei der Fortsetzung im Dezember sollen sieben Zeugen gehört werden, die alle von der Staatsanwaltschaft beantragt wurden.

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