Mi, 22. November 2017

Cannabis im Zoo

19.09.2010 12:34

Grün-Stadtrat will „zweite Chance“ für Tierpfleger

Dieser Fall ist am Samstag Tagesgespräch in ganz Salzburg gewesen: Direkt im Nashorngehege des Hellbrunner Zoos legte ein 59-jähriger Tierpfleger eine kleine Cannabis-Plantage an. "Alles nur für den Eigenbedarf", beteuert er – trotzdem wurde er gefeuert. Jetzt setzt sich Stadtrat Padutsch für ihn ein: "Gebt ihm eine zweite Chance."

Die "Krone" hat es exklusiv berichtet: Ein erfahrener Tierpfleger nützte den Umstand aus, dass die Nashörner von Hellbrunn nur ihn in ihrer Nähe duldeten. Drum setzte er einige Cannabis-Pflanzen direkt ins Dickhäuter-Gehege. Verborgen vor den Blicken der neugierigen Besucher und "bewacht" von den riesigen Nashörnern. Erst vor gut zwei Wochen flog die kleine Marihuana-Plantage auf – dann erntete die Polizei die Pflanzen.

Und für den 59-Jährigen setzte es scharfe Konsequenzen: "Wir sind nur für Familien da und wollen nichts mit Drogen und solchen Leuten zu tun haben", erklärte Zoo-Chefin Sabine Grebner entschieden und feuerte den Tierpfleger fristlos. Außerdem setzte es Anzeigen, da der Mann auch in seiner Wohnung in Lehen einige Cannabis-Pflanzen züchtete und zwei verbotene Waffen im Schrank hatte.

"Es war ein riesiger Blödsinn"
Jetzt bekommt der kuriose Drogen-Fall auch eine politische Dimension. Der grüne Stadtrat Johann Padutsch verschickte ein E-Mail an alle Mitglieder im Zoo-Aufsichtsrat und bittet "dringend", dem Tierpfleger eine zweite Chance zu geben.

"Es war ein riesiger Blödsinn, den er mit der Cannabis-Plantage gemacht hat", sagte Padutsch der "Krone" – "aber der Mann hat alles verloren: Seine Arbeit war auch sein Lebensinhalt. Und für die Waffen kann er sicher nichts: Die Flinte war ein Erbstück von seinem Vater, und die Pistole wurde im Zoo früher verwendet, um Ratten zu schießen, wenn diese Nager wieder einmal eine Plage wurden."

Andere Lösung finden
Padutsch meint dazu: "Klar ist die Fristlose zu rechtfertigen – aber man sollte ihm für seine Verdienste im Zoo, wo er den Afrika-Bereich aufgebaut hat, wenigstens eine Abfertigung nach 30 Jahren zahlen oder eine Lösung für die Altersteilzeit finden."

Der Pfleger selbst erklärte am Samstag zerknirscht: "Stimmt ja, dass das alles blöd war. Aber ich habe nie was weitergegeben, es war alles zum eigenen Gebrauch. Und von den Pflanzen im Gehege und auf den Dächern waren nicht alle von mir – da sind einige von selbst gewachsen, vermutlich vom Vogelfutter." Von Gnade für den Tierpfleger wollen die anderen Parteien im Aufsichtsrat bis jetzt aber nichts hören.

von Robert Redtenbacher, "Salzburger Krone"

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