Fr, 20. Oktober 2017

Ungewöhlicher Kurs

17.09.2010 13:12

Studenten üben Hilfseinsatz in Allentsteig

Es werden hart verdiente sechs ECTS-Punkte, die rund 60 Studenten der Universitäten Salzburg und Innsbruck kommende Woche bei einem ungewöhnlichen Proseminar im Bezirk Zwettl verdienen können: Sie nehmen im Rahmen einer Lehrveranstaltung an der Bundesheerübung "European Advance 2010" (EURAD 10) am Truppenübungsplatz Allentsteig teil. Unter den mehr als 6.000 Soldaten, die an der Simulation eines ethnischen Konflikts beteiligt sind, werden sie einen humanitären Einsatz nachstellen.

Direkt unter einem Hubschrauber in Lärm, Schmutz und umdrängt von hilfesuchenden Menschen Nahrungsmittel verteilen; als Leiter eines humanitären Hilfstransports mit Soldaten an einem Checkpoint über die Weiterfahrt verhandeln und abschätzen, ob und wieviel Schmiergeld dafür zu zahlen ist; eine Trinkwasser-Aufbereitungsanlage dorthin transportieren, wo sie tatsächlich notwendig ist und überlegen, wie die Trinkwasserverteilung organisiert werden soll; entscheiden, ob Hilfspakete nur an die schützenswerte Bevölkerung oder auch an Aufständische gehen sollen - für Mitglieder von Hilfsorganisationen ist das wohl Alltag, für die Studenten wird es eine völlig neue Herausforderung darstellen, mit solchen Situationen umzugehen und dabei auch noch Entscheidungen zu treffen.

Einzigartige Chance, Realität kennenzulernen
Die Aufgaben für die Studenten umfassen dabei Erkunden, Factfinding, Planung, Organisation und Durchführung eines Hilfseinsatzes in einem potenziellen Kampfgebiet mit Straßensperren, Minenfeldern und Überfällen. Zudem wird ein Teil der Studierenden als Journalist in dem Konfliktgebiet unterwegs sein. "Die Übung bietet den Studenten die Möglichkeit zu sehen, ob sie solche Einsätze überhaupt einmal machen wollen, ob sie das können", zeigte sich der Leiter der Politikwissenschaften an der Uni Salzburg, Reinhard Heinisch, begeistert über die einzigartige Chance, Komplexität und Realität internationaler Einsätze kennenzulernen.

"Das können wir im Hörsaal nicht bieten", so Thomas Spielbüchler vom Institut für Zeitgeschichte der Uni Innsbruck. Im Hinblick auf mögliche Berufsentscheidungen von angehenden Geistes- und Sozialwissenschaftern etwa für einen Job bei einer humanitären Organisation seien solche Erfahrungen wichtig.

Die Studenten kommen von der Politikwissenschaft in Salzburg und der Zeitgeschichte in Innsbruck. Nach theoretischen Einführungen im vergangenen Sommersemester werden sie während der Übung von Absolventen des Universitätslehrgangs für Friedensstudien der Uni Innsbruck betreut. Sollten die Studenten während der Übung in einer heiklen Situation überfordert sein, können sie sich - im Gegensatz zu echten Einsätzen - für kurze Zeit aus dem Geschehen nehmen. Höhepunkt für die Studenten wird ihre "Befreiung" aus einem eingekesselten Dorf mit dem Hubschrauber sein.

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