Sa, 21. Oktober 2017

Nebenbahnen

09.09.2010 12:28

Donauuferbahn soll als nächstes eingestellt werden

Ein weiteres Kapitel im Kampf um die niederösterreichischen Nebenbahnen hat begonnen, Schauplatz ist diesmal die Donauuferbahn: Deren Erhalt forderte der rote Landeshauptmann-Stellvertreter Sepp Leitner am Donnerstag gemeinsam mit zwei seiner Parteikollegen - dem Nationalratsabgeordneten Ewald Sacher von der Plattform zur Erhaltung des Regelverkehrs auf der Wachaubahnstrecke und dem oberösterreichischen Verkehrslandesrat Hermann Kepplinger.

Die seit über 100 Jahren bestehende Donauuferbahn führt von Krems bis nach Linz. Der niederösterreichische Abschnitt zwischen Emmersdorf und Krems wurde 1998 als Kulturdenkmal unter UNESCO-Schutz gestellt. Während das Land nach der Übernahme der Nebenbahnen von den ÖBB nun plant, den Planverkehr auf gesamten Strecke einzustellen und lediglich auf einem Teilstück Tourismusverkehr und auf einem anderen Güterzüge fahren zu lassen, investiert der westliche Nachbar kräftig in seinen Streckenabschnitt.

Verkehrsunterbrechung ab NÖ "wäre bedauerlich"
"Tatsache ist, dass die Donauuferbahn in Oberösterreich von zentraler Bedeutung für den Nahverkehr ist", stellte Kepplinger klar. Durch Investitionen und Ausbauten in den vergangenen Jahren hätten sich die Fahrgastzahlen seit dem Jahr 2000 von rund 1.500 auf 3.000 Personen täglich verdoppelt. Auch in Zukunft will das Land noch 11,4 Millionen Euro in Modernisierung, Eisenbahnkreuzungen und Park and Ride-Anlagen investieren. Die Verbindung sei das "Rückgrat" des öffentlichen Verkehrs vom unteren Mühlviertel in die Landeshauptstadt, betonte der oberösterreichische Politiker. Auch das touristische Potenzial werde künftig noch weiter wachsen, meinte Kepplinger, eine Verkehrsunterbrechung ab der niederösterreichischen Landesgrenze wäre daher "bedauerlich".

"Hochwassersichere Strecke" für Pendler
Sacher verwies darauf, dass auch für den Tourismus- und Güterverkehr, wie ihn das Land plant, Investitionen in die Strecke nötig wären. Dies sei "aber nur wirtschaftlich, wenn auch Verkehr stattfindet", sagte er und forderte, den Planverkehr auf der im Gegensatz zur Straße "hochwassersicheren Strecke" für die Pendler zwischen Krems nach Emmersdorf zu erhalten. Die Kosten dafür würden nach Schätzungen der NÖ Verkehrsorganisations GmbH (NÖVOG) knapp fünf Millionen Euro ausmachen. Experten der Bahninitiative gehen von etwa der Hälfte der Kosten aus, da die Bahn im Nahverkehr ja nur für eine begrenzte Geschwindigkeit ausgebaut werden müsse.

Bahn "Lebens- und Entwicklungsast" in der Donauregion
Leitner unterstrich, dass man es verstehe, wenn Strecken aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen werden müssten. Man bestehe nicht nostalgisch auf jede Bahn, sondern sei der Meinung, dass es sich bei der Donauuferbahn um einen "Lebens- und Entwicklungsast" in der Donauregion handle.

Die Volkspartei reagierte auf das Ansinnen der Sozialdemokraten gleich im Vorfeld - und zwar mit einem von der NÖVOG an Leitner, Kepplinger und Sacher überbrachten Angebot zum Kauf der Donauuferbahn. Für 1,6 Millionen Euro wäre die Strecke demnach zu haben. wobei Güter- und Tourismusverkehr laut aktuellen Verträgen für zehn Jahre einzurichten wären. Öffentliche Mittel seitens des Landes stünden dafür nicht zur Verfügung. "Das ist blanker Hohn", kommentierte Leitner nur. Die VP beharrte auf dem Angebot: Man stehe für sofortige Verhandlungsgespräche zur Verfügung, so Landesrat Johann Heuras.

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