Sa, 18. November 2017

Beinahe-Blamage

08.09.2010 12:29

Gellende Pfiffe: Die ÖFB-Kicker hadern mit Fans in Salzburg

Das Nationalteam, das am Dienstag in der EM-Qualifikation trotz schwacher Leistung in Salzburg 2:0 gegen Fußball-Zwerg Kasachstan gewinnen konnte, hadert mit den 22.500 Stadionbesuchern, die die teilweise fast bewegungslosen Kicker vor allem in der zweiten Hälfte mit gellenden Pfeifkonzerten bedachten. Nach dem Match entbrannte sogar ein teaminterner Streit, ob sich die Mannschaft überhaupt von den Fans verabschieden soll...

Tatsächlich gingen nur wenige Spieler nochmal auf das Spielfeld, um sich den kritischen Besuchern zu stellen, die bereits Ende der ersten Hälfte nervös wurden. "Für mich waren die Fans ein wenig zu ungeduldig", meinte Flügelspieler Jakob Jantscher, der als Neo-Salzburger sogar Heimvorteil in der Arena genossen hatte. "Aber in Österreich ist es halt so: Wenn es nach einer halben Stunde nicht läuft, wird gleich gepfiffen." Gepfiffen wurde übrigens auch, als der schwach spielende Kapitän und Ex-Salzburger Marc Janko in der Schlussphase ausgewechselt wurde... 

Pogatetz versteht die Fans
Ähnliches Unverständnis äußerte auch Stefan Maierhofer. "Da spielst du zu Hause und hast das Publikum gegen dich", betonte der wieder ins Team zurückgeholte Duisburg-Angreifer. "Das ist nicht schön, aber typisch für Österreich." Das Spiel sei dadurch nur noch nervöser geworden. Grundsätzlich verstand Emanuel Pogatetz die Unmutsäußerungen. "Aber ich bin enttäuscht, weil diese junge Mannschaft mehr Unterstützung gebraucht hätte", sagte der Abwehrchef.

Tatsächlich hatte der Druck der Österreicher mit Fortdauer des Spiels abgenommen. "Wir sind von Sekunde zu Sekunde nervöser geworden", gestand Defensiv-Abräumer Franz Schiemer. "Es war zu viel Hektik drinnen. Da müssen wir lernen, noch geduldiger zu sein." Dass es ein Kampf werde, sei klar gewesen. "Wir wollten auch keinen Schönheitspreis gewinnen", erinnerte Schiemer. Das wäre mit so einer Leistung auch nie und nimmer möglich gewesen.

Kritik am Rasen
Zudem präsentierte sich der neue Naturrasen im EM-Stadion am Dienstag alles andere denn in Top-Qualität. "Von oben schaut der Platz schön aus, in Wahrheit ist es aber eine Sandkiste", kritisierte der eingewechselte Maierhofer. "Ein schnelles, kontrolliertes Spiel ist dort nicht möglich." Erst im Sommer war der Kunstrasen in Salzburg auf mehrfachen Wunsch durch ein natürliches Geläuf ersetzt worden. Dieses ist allerdings noch nicht ausreichend mit dem Untergrund verwachsen, sehr sandig und dadurch auch holprig.

Die Treffer für Österreich fielen sehr spät: Linz (91.) und Hoffer (92.) sorgten für kollektives Aufatmen, als sie nach einem Gewühl im Strafraum bzw. nach einem Konter einnetzten. Dass es gegen die Nummer 125 der Welt nicht zu einem komfortableren Sieg reichte, lag auch an dem fahrlässigen Umgang mit den Chancen. In der dritten Minute luchste Harnik dem kasachischen Verteidiger Abdulin den Ball ab, schoss aber völlig frei stehend weit neben das Tor. Acht Minuten später setzte der Stuttgart-Legionär - lange Zeit der auffälligste Spieler auf dem Platz - zu einem Solo an, scheiterte aber an Goalie Sidelnikow.

Zahnlose Taktik
Bei einem Fehlschuss von Janko aus sieben Metern (16.) leistete Harnik ebenso die Vorarbeit wie bei einem gefährlichen Weitschuss von Schiemer (17.), dann aber war es mit dem Anfangs-Elan der Österreicher vorbei. Teamchef Dietmar Constantini hatte ein offensiv ausgerichtetes Mittelfeld mit Harnik und Jantscher an den Flügeln sowie Kavlak vor dem einzigen "Sechser" Schiemer aufs Feld geschickt. Als einziger echter Stürmer wurde Janko aufgestellt, dahinter agierte überraschend Linz in der für ihn ungewohnten Rolle als hängende Spitze. Mit dieser Taktik gelang es in den letzten 25 Minuten vor der Pause nicht mehr, die biederen Kasachen ernsthaft unter Druck zu setzen.

Die Gastgeber agierten in der zweiten Hälfte völlig einfallslos und kamen einem Treffer bezeichnenderweise vorerst nur durch einen kasachischen Lapsus am nächsten. Eine Flanke des eingewechselten Hoffer ließ Sidelnikow auf Abdulin prallen, von dessen Rücken der Ball Richtung Tor hüpfte, ehe der Verteidiger doch noch klärte (69.). Eine Minute zuvor gab es die große Schrecksekunde für Österreich. Nach einem Konter zog Schumaskalijew allein aufs ÖFB-Tor, seinen Schuss von der Strafraumgrenze parierte Macho, der drei Minuten später bei einer Möglichkeit von Chischnitschenko wieder eingreifen musste.

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