So, 19. November 2017

„Wirkungsstark“

05.09.2010 11:49

Sidney Symphony Orchestra liefert perfektes Gastspiel

Die kühle Witterung hat am Samstagabend beim Musikfestival Grafenegg die Verlegung des letzten Wolkenturm-Konzerts ins Auditorium bewirkt. Dem eindeutigen Erfolg des Sidney Symphony Orchestra unter der Leitung von Vladimir Ashkenazy sowie der Pianistin Helene Grimaud konnte dies jedoch keinen Abbruch tun.

Zwar kein ausgesprochen populäres, aber ein nicht minder wirkungsvolles Programm präsentierten die Australier. Dvoraks "Karneval"-Ouvertüre zu Beginn erklang kraftvoll, vital und mit sattem Klang. Bei Ravels G-Dur-Klavierkonzert glückte Grimaud eine eindrucksvolle und überzeugende Interpretation. Gleichsam mit leichter Hand, aber stets präsent und präzise, perlten die virtuosen Passagen, die langen melodischen Linien spannten sich an glitzernden und leuchtenden Punkten entlang. Der zweite Satz (Ravel vermerkte: "Fast hätte es mich umgebracht") - ohne falsche Romantizismen - geriet neutral wie Satie und umso wirkungsstärker.

Tschaikowskys Manfred-Symphonie als dramatischer Schlusspunkt bestätigte den erstklassigen Eindruck: In dieser Spitzenform muss das Orchester keinen internationalen Vergleich scheuen. Chefdirigent Ashkenazy, wiewohl offenbar nicht ganz fit und von Husten geplagt, behielt mit freundlicher Bestimmtheit die Oberhand und erwies sich als souveräner Meister der Gestaltung zwischen Spannungsaufbau und Eruption. Als Zugabe ließen die Gäste noch den Rosenkavalier-Walzer so richtig knallen: ein effektvolles Adieu.

Bereits am Nachmittag hatte sich bei einem Round Table der 80-jährige spanische Komponist Cristobal Halffter, diesjähriger Composer in Residence in Grafenegg, vorgestellt. Halffter auf die Frage, welche Musik er am liebsten schreibe: "Musik, die einen spirituellen Inhalt hat". Das ist durchaus im Sinne praktizierter Humanität zu verstehen. "Heute verlieren die Menschen oft ihre Würde", konstatierte der Spanier mit ostpreußischen Wurzeln. Es sei Aufgabe von Erziehung und Kunst, diesen Missstand zu ändern: "Ohne Friede, Gerechtigkeit, Freiheit keine Kultur."

von Ewald Baringer/APA

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden