Di, 21. November 2017

Neue Erkenntnisse

04.09.2010 18:04

Residenzbrunnen in Salzburg stand in einem Teich

Zur Zeit der Errichtung (1656-1661) galt er als achtes Weltwunder. Noch heute ist der Residenzbrunnen die bedeutendste Anlage nördlich der Alpen. Die Künstler, die seine Figuren schufen, kennt man immer noch nicht. Das Denkmalamt versucht nun, die letzten Rätsel zu entschlüsseln. Dabei kam heraus: Der Brunnen stand in einem Teich!

So wie Salzburgs Poller nicht funktionieren, ging auch beim Residenzbrunnen anfangs nichts: 18 Jahre lang hatte er kein Wasser! Der Grund dafür: Von den 8.230 Lärchenholz-Rohren, in denen das Wasser aus Fürstenbrunn herbei geleitet wurde, explodierten immer wieder welche unter dem enormen Druck. Denkmalschutz-Chef Hofrat Ronald Gobiet: "Besonders war das am Nonnberg der Fall, wo das Wasser immer wieder auch die Stiege unterspülte."

Erst als man in Nonntal ein Brunnhaus erbaute, Bleirohre verwendete und das Wasser aus dem Leopoldskroner Sternweiher holte, begannen die Brunnen-Fontänen zu sprudeln. Ein Jahr nach der der erfolgreichen Komplett–Renovierung gibt das Bauwerk jedoch immer noch Rätsel auf.

Dario nicht der Bauherr?
So gilt mittlerweile Giovanni Antonio Dario (er baute auch die Wallfahrtskirche Maria Plain) nicht mehr als der Bauherr. Hofrat Gobiet: "Er hat in einem Gutachten aus der Barockzeit die Proportionen der Figuren kritisiert. Daher hat er beim Brunnen wohl kaum die Hände im Spiel gehabt."

Nur drei Jahre nach der Fertigstellung erschien 1664 in Nürnberg ein vierbändiges Werk über alle europäischen Brunnenanlagen von Georg Andreas Böckler. Eines seiner Pracht-Exemplare schickte er an Salzburgs Erzbischof Guidobald Graf Thun. Und in diesem gut erhaltenen Stück machte Denkmalschützer Stephan Bstieler eine interessante Entdeckung: "Darin steht, von einer Zeichnung untermauert: Dieser Brunn steht in einem Teich."

"... dann würden wir uns die ewige Debatte ersparen"
Was Denkmalschutz-Chef Ronald Gobiet nicht überrascht: "Auch von der Piazza Novona in Rom, wo ein ähnlicher, aber kleinerer Brunnen steht, wissen wir, dass rundherum einmal eine größere Wasserfläche war." Der Teich am Residenzplatz würde auch erklären, warum der Brunnen deutlich tiefer als die Straßen der Umgebung liegt. "Würden wir rund um die Brunnenanlage wieder eine Wasseroberfläche schaffen", so Hofrat Gobiet, "würden wir uns wenigstens die ewige Debatte um die Gestaltung der Platzoberfläche ersparen." Doch das steht ohnehin nicht zur Debatte, genau so wenig wie ein neuer Architektenwettbewerb. Es gibt kein Geld.

von Wolfgang Weber, "Salzburger Krone"

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