Sa, 18. November 2017

„Krone“-Interview

30.08.2010 11:29

Junge Mama entdeckt große Pillen-Sensation

Sie sorgt für weltweites Aufsehen: Mag. mult. DDr. Belinda Pletzer (im Bild mit ihrem Doktorvater Prof. Hubert Kerschbaum) aus Salzburg, 26, und Mutter. Ihre Studie besagt: Die Antibabypille macht klug!

Krone: Frau Pletzer, die Pille macht Frauen also intelligenter. Wie sind Sie auf dieses Ergebnis gestoßen?
Belinda Pletzer: Wir sind im Rahmen meiner Dissertation an der Universität Salzburg auf diese Spur gekommen. Wir haben festgestellt, dass die relative Größe von frontalen Gehirnarealen bei Männern und Frauen je nach Zyklustag unterschiedlich ist. Die Pille beeinflusst das. Das Ergebnis ist eindeutig messbar. Dieser Erfolg kam für uns wie aus heiterem Himmel.

Krone: Ist das weltweit eine Neuigkeit in der Fachwelt?
Pletzer: Es gibt über die Anti-Baby-Pille an sich sehr wenige Forschungen. Ich kenne neben unsere Studie nur zwei weitere Untersuchungen. Belegt wurde zum Beispiel auch schon, dass sich die Hormone auf das Sprachverhalten auswirken.

Krone: Wie sind Sie in Ihrer Arbeit genau vorgegangen?
Pletzer: Wir haben 14 Frauen, die die Pille nehmen, 14 mit natürlichem Zyklus und 14 Männer in die Studie aufgenommen. Die Analysen passieren über Scans der funktionalen Magnetresonanz-Tomografie. Ursprünglich wollten wir uns eigentlich nur die Zahlenverarbeitung im Gehirn anschauen – ob es ein Gerücht ist, dass Männer die besseren mathematischen Voraussetzungen haben.

Krone: Wie schaffen Sie das alles neben drei Kindern? Sie haben ja auch in Rekordzeit vier Studienrichtungen abgeschlossen und jetzt zum zweiten Mal promoviert.
Pletzer: Mit einem guten Zeitmanagement geht das alles. Es macht mir einfach großen Spaß. Ich arbeite oft in der Nacht. Mein Partner und ich haben uns die Kinderbetreuung immer geteilt, aber natürlich geht es mit den Kleinen langsamer.

Krone: Ist Ihre Studie ein Empfehlung für die Pille?
Nein, ganz im Gegenteil. Ich will nicht, dass die Auswirkungen jetzt nur positiv rüberkommen und jeder glaubt, dass er klüger wird. Wir haben ja keine IQ-Tests gemacht, sondern nur die Gehirnstrukturen untersucht. Mich erschreckt es eher, dass die Pille einen so massiven Einfluss auf den Körper hat.

Krone: Sie haben nie die Pille eingenommen?
Pletzer: Kurz mit 16 Jahren, aber das war’s. Ich habe mich bald bewusst für meine Familie entschieden. Es war bei unserer Studie nicht einfach, junge Frauen zu finden, die die Pille nicht nehmen. Das hat uns auf die zusätzliche Fragestellung gebracht.

Krone: Das internationale Echo in der Fachwelt auf Ihre Studie ist natürlich gewaltig. Freut Sie das?
Pletzer: Es ist für mich ungewohnt. Es kamen vor allem aus England und den USA sehr viele Anfragen per E-mail. Auf BBC war ich sogar via Live-Schaltung im Radio. Mein Freund wollte mich zwar überreden: Ich habe es mir aber nicht angehört.

Krone: Fühlen Sie sich an der Naturwissenschaftlichen Fakultät an der Universität in Salzburg wohl?
Pletzer: Ja sehr. Es war für mich die nächstgelegene Uni, wo meine Studienrichtungen angeboten werden. Ich bin im Salzkammergut aufgewachsen.

Krone: Braucht eine Forscherin und Mutter wie Sie auch Auszeiten?
Pletzer: Wir fahren jetzt für eine Woche mit den Kindern auf Urlaub.

Krone: Sie sind schon auf dem Sprung ins Ausland?
Pletzer: Ja, ich möchte ein Erwin-Schrödinger-Stipendium für die USA beantragen, genau gesagt für Irvine in Kalifornien. Das Forschungsgebiet für mich wird weiterhin die Auswirkung von Hormonen auf das Gehirn sein. Meine Familie kann nach Kalifornien mitkommen. Mein Freund ist Philosoph und Germanist und hat dort auch gute Möglichkeiten. Der Campus in Irvine ist sehr familienfreundlich, da haben wir uns schon genau informiert.

Interview: Sabine Salzmann, Kronen Zeitung

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