Mi, 13. Dezember 2017

Generationsproblem

28.08.2010 16:34

Tirols Kinderdörfer verlieren bald die Hälfte ihrer Mütter

Tirols SOS-Kinderdörfer stehen vor einem „Nachwuchs“-Problem. Allerdings mangelt es im Geburtsland der weltweiten Initiative nicht an Kindern, sondern an Müttern und Vätern, die sich um die Kleinen kümmern. In den nächsten fünf Jahren wird die Hälfte der derzeit 15 Tiroler Kinderdorfmütter in Pension gehen. "Wir haben einen akuten Bedarf von acht Müttern", sagt Reinhard Wibmer, Geschäftsführer der SOS-Kinderdörfer .

Bewerber für diesen ehrenwerten Beruf gibt es viele. Rund 500 versuchen es österreichweit pro Jahr. Allerdings hat nicht jede oder jeder das Zeug zum Kinderdorf-Elternteil. Nur etwa 15 schaffen den Eignungstest. Davon schließen nur rund fünf die Ausbildung ab.

Die Voraussetzungen für den Beruf sind vor allem eine gefestigte Persönlichkeit, Einfühlungsvermögen und starke Beziehungsfähigkeit. Schließlich muss man Kinder aus Familien mit psychischen Krankheiten, Suchtproblemen, Gewaltopfer oder Waisen betreuen. "Die Anforderung ist sehr hoch", stellt Wibmer fest. Er spricht auch mehr von einer "Lebensform" als von einem Beruf. Doch geregelt ist die Anstellung mittels Kollektivvertrag: "Wir bieten einen guten Verdienst, Urlaub und auch Freizeit."

Ein Job mit "Sinn"
Waltraud Nagiller ist seit zwölf Jahren Kinderdorfmutter in Imst. Die 44-Jährige spricht von "vielen Höhen und Tiefen". Etwa, wenn ein Kind die Schule abschließt. Aber auch, wenn sie eines verliert und es auf die schiefe Bahn gerät. Doch sie strahlt: "Früher arbeitete ich einfach im Büro. Dieser Job dagegen ist erfüllend - eine Tätigkeit mit 'Sinn'."

Sobald ihre Jüngste (5) erwachsen ist, will sie aber wieder etwas Anderes machen: "Es ist ein harter Job. Sehr kräftezehrend." Sie gibt zu: Sie schafft es nur selten, einen freien Tag zu haben. Mit Gedanken ist sie stets bei "ihren" Kindern.

Einen Partner hat Nagiller nicht. Möglich ist es, aber im Dorf ist das ein "sensibles Thema". Es sollte eine feste Beziehung sein. Die Kinder brauchen Stabilität. Sie selbst sorgte daher stets für genug Privatsphäre mit einer eigenen Wohnung abseits des Dorfes.

Auch, wenn Nagiller sich in einigen Jahren neu orientiert, missen will sie keine Sekunde. Sie spricht von einer "glücksbringenden Tätigkeit" und hofft, dass sich noch rechtzeitig genügend neue Mütter, Väter oder Paare für die SOS-Kinderdörfer in Tirol finden…

von Manuel Diwosch, Tiroler Krone

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