Mo, 18. Dezember 2017

Verzweifelte Mutter

26.08.2010 19:57

"Soll ich zusehen, wie mein Bub auf der Straße stirbt?"

Noch vor ein paar Monaten war die Welt einer Lavanttaler Familie in Ordnung. Die Mutter ist selbstständig, der Vater hat einen Job, die Kinder (damals 16 und 10) gingen zur Schule und in die Lehre. Plötzlich brach Lukas (Name von der Redaktion geändert) die Lehre ab, wurde daheim aggressiv, es gab ständig Streit. Heute ist Lukas schwer drogensüchtig. Die verzweifelte Mutter schildert in der "Krone" die dramatische Situation der Familie.

"Beim Jugendamt sagten sie, das wäre nur die Pubertät und nicht so schlimm", erinnert sich die Mutter. "Doch ganz plötzlich brach bei uns die Hölle los!"

Familie flüchtete in Unterwäsche
Sauforgien an jedem Wochenende, Schreiduelle mit dem Vater, der Bursche verprügelte ihn und bedrohte Mutter und Schwester. "Einmal hat er sie brutal auf den Boden gedrückt und sie angeherrscht, dass sie aus dem Topf essen solle wie ein Hund. Das Kind war völlig verstört! Ein andermal mussten wir in Unterwäsche davonlaufen. Bei einem Freund fanden wir zum Glück Aufnahme."

Die Polizei schritt erst ein, nachdem der Bursche wieder einmal eine Drohung ausgestoßen hatte. "Dann erfuhren wir, dass er drogensüchtig ist." Von Joints bis zu Heroin hatte Lukas schon alles Mögliche versucht - und landete schließlich bei der Modedroge "Mephedron".

Die Mutter ist verzweifelt: "Im Vorjahr beobachtete ich am Klagenfurter Hauptbahnhof einige drogensüchtige Jugendliche. Ich fragte meinen Mann: Wo sind denn da die Eltern? Heute sind wir solche Eltern. Eine Droge hat unser Leben zerstört!"

"Er hat vor Schmerzen geschrien"
Der Jugendliche wurde vom Elternhaus weggewiesen. Die Mutter: "Damit er nicht ganz versandelt, haben Oma und Opa nach ihm gesucht." Ihretwegen hat der Bursche einen Entzug versucht: "Er hat vor Schmerzen geschrien, ich fuhr stundenlang mit ihm im Kreis."

Dann wurde Lukas straffällig. "Diebstahl, Drohung, Körperverletzung", zählt die Mutter auf. "Und eine Einbruchserie mit der Clique." Die hat in Lukas' Elternhaus Fernseher, Laptop und Bohrmaschine gestohlen.

"Wollen nur manchmal in Ruhe schlafen"
Aus Sicherheitsgründen wohnt die Frau mit dem Mädchen schon längere Zeit in der Wohnung eines Bekannten: "Seither wird uns unterstellt, die Familie wäre zerrüttet. Dabei wollen wir nur manchmal in Frieden und Ruhe schlafen." Die Elfjährige wird im Kinderschutzzentrum betreut. "Dort lernt sie auch, wie sie reagieren soll, wenn ihre Mitschüler und Freunde sie auf den Bruder ansprechen. Sie hat es besonders schwer. Sie liebt ihn doch."

Die Mutter hat die ganze Sache so mitgenommen, dass ihre Multiple Sklerose sich rapide verschlechtert hat und sie ins Spital musste: "Seither gibt es wilde Gerüchte in der Stadt. Ich hab ein Geschäft und die Geschichte mit unserem Sohn schadet mir natürlich." Alle Versuche, ihrem Buben zu helfen, sind gescheitert: "Man könnte meinen, es gäbe so viele Anlaufstellen - aber weit gefehlt."

Weder bei Justiz, Jugendamt oder Psychologen gibt es Hilfe. Man könne ihn zu keiner Therapie zwingen, heißt es. Das wäre teuer und würde nichts bringen. "Wenn er nicht will, muss er keinen Drogentest machen. Obwohl ich bei Gericht die Situation verzweifelt geschildert habe, bekam er in einem Prozess nur die Empfehlung zu einer Therapie. Er ging lachend aus dem Gericht", erzählt die Mutter.

"Soll ich zusehen, wie mein Bub auf der Straße stirbt?"
Sie will dennoch nicht aufgeben. "Ich versuche weiter, einen Betreuungsplatz zu bekommen. Drogensüchtige nimmt aber keiner." Vor allem die Ratschläge der Psychologen belasten die Frau schwer: "Schließen Sie mit ihm ab, sagen sie mir. Soll ich zusehen, wie mein Bub auf der Straße stirbt?"

Lukas darf heimkommen - dort schlafen, essen, bekommt saubere Kleidung. "Wir haben nach den Gerichtsverfahren immer alles bezahlt, wir zahlen auch die Strafen wenn er schwarz im Zug nach Wien fährt, um Drogen zu kaufen, oder die Taxirechnung, wenn er in die Apotheke fährt, weil er Spritzen braucht. Aber er bekommt kein Bargeld mehr."

Bursche war Fußballtalent
Die Mutter hofft, dass der 17-Jährige zur Einsicht kommt: "Er war ein toller Fußballer, Red Bull Salzburg wollte ihn. Jetzt ist er körperlich ein Wrack und seelisch wie Dr. Jekyll und Mister Hyde. Ist er nämlich voller Drogen, geht's ihm gut, er ist charmant so wie früher. Ohne Meph aber ist er wie ein Tier."

Die neueste dramatische Entwicklung: Am Donnerstagmorgen wurden Lukas und eine 15-Jährige nach einer Drogenparty mit einer Überdosis ins Spital gebracht.

von Serina Babka, "Kärntner Krone"

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