Sa, 16. Dezember 2017

Polit-Legende

26.08.2010 20:04

Josef Krainer junior feierte seinen 80. Geburtstag

Sein Privatleben hat er stets in einer Schatulle verwahrt, die er manchmal höchstens für engste Freunde geöffnet hat - Josef Krainer, der "Joschi", wie ihn viele Steirer heute noch liebevoll nennen, hat seit seinem mutigen Abschied aus der Politik vor 14 Jahren kaum Interviews gegeben. Am Donnerstag feierte er seinen 80. Geburtstag - und mit der "Steirerkrone" kramte er in seinen Erinnerungen.

Krainer hatte sich seit seinem Ausstieg aus der Politik zurückgezogen. Zum einen, "weil ich mich als Zwischenrufer nicht wichtig machen will, zum anderen, weil Privates eben privat ist". Den Platz in unserer Geschichte hat er dennoch. Seine Leistungen als Landeshauptmann sind unbestritten - und eine Legende ist er auch.

Selbst heute noch wird er ständig von Landsleuten angesprochen, die seinen Rat und seine Hilfe suchen. "Das ist schön", sagt der Mann mit dem phänomenalen Namensgedächtnis. Während unseres dreistündigen Gesprächs hat er Dutzende Menschen mit Vor- und Nachnamen aus der Geschichte gekramt, die irgendwann in seinem Leben aufgetaucht sind.

Christlich-bodenständige Wurzeln
Und er hat uns in die Schatulle blicken lassen. Momentaufnahmen, die sein Leben geprägt haben. Eine ganz frühe: "Mein Vater war während meiner Kindheit Obmann der Christlichen Gewerkschaft der Land- und Forstarbeiter, und wir haben im Grazer Gewerkschaftshaus gewohnt. Da war ständig von Politik die Rede. Ich erinnere mich sogar noch daran, dass der Vater 1934 mit einer Delegation nach Wien gereist ist, um den sozialisitischen Arbeiterführer Koloman Wallisch vor der Hinrichtung zu retten. Wenn's um die Menschlichkeit ging, hat für ihn die Politik Pause gemacht!"

Eine andere Jugenderinnerung: "Im März 1945 sollte mein Vater - damals besaß er die Hälfte eines Ziegelwerks im südsteirischen Gasselsdorf - von den Nazis als politisch Gefährlicher verhaftet werden. Zum Glück hat er früh genug davon erfahren, und der Almbauer Glirsch hat ihn auf seinem Hof am Radlpass versteckt. Ich bin später klammheimlich dorthin geführt worden und habe ihn getroffen. Neun andere, die an seinem Flucht-Tag festgenommen wurden, wurden später erschossen."

"Amerika hat für mich eine neue Welt geöffnet"
Der Vater, später 23 Jahre lang Landeshauptmann, ein lediges Kind aus einfachen Verhältnissen, gab alles, um seinen fünf Kindern die bestmögliche Erziehung zu bieten. "Joschi" genoss einen Teil davon in den USA (Georgia) als Student der Politwissenschaften. Dort lernte er die steirische Mit-Studentin Rosemarie kennen, die 1957 seine Frau wurde. 2001 starb sie. "Amerika hat für mich eine neue Welt geöffnet. Ich hab auf die verschiedensten Arten den Kontinent bereist - als Autostopper und im Greyhound-Bus. Unter anderem habe ich damals auch in einem Sägewerk in Oregon für Dollars geschuftet."

Eigentlich hat den "Joschi", wie auch heute noch, die Wissenschaft interessiert. "1962 bis 1966 war ich Assistent für National-Ökonomie auf der Grazer Uni, dann hat man mir eine wesentlich besser dotierte Spitzenfunktion im Bauernbund angeboten. Ich hatte damals schon Familie, deshalb hab ich's getan." Von nun an ging's bergauf. "Die Politik ist für mich zum Lebenselement geworden. Ich konnte die Gesellschaft mitgestalten, das, was ich unter sozialer Gerechtigkeit verstand, anstreben. Das hat mich gereizt." Ohne den "Joschi" ging in der Steiermark bald gar nichts mehr. Das bekam auch Wien zu spüren. Der Landesvater erwarb sich den Ruf des "Dickschädls hinter dem Semmering".

Rücktritt 1995 "die richtige Entscheidung"
Das Ende kam, als er 1995 bei - von ihm initiierten Neuwahlen - zwar gewann, aber nur mit hauchdünner Mehrheit. "Ich war betroffen und traurig und habe mich an diesem Abend spontan zum Rücktritt aus der Politik entschlossen." Heute weiß er, dass es die richtige Entscheidung war. "Ich war kurz betroffen, dann habe ich ein neues Leben begonnen und das tun können, wofür mir früher die Zeit gefehlt hat. Ich habe viel gelesen und mit meiner Frau viele Musikfestivals und viele alte Freunde in aller Welt besucht. Ich bin heute ein glücklicher Pensionist."

Schlussfrage: Drei Lebenswünsche? "1.) Meine Enkelkinder mögen gesund und erfolgreich sein. 2.) Unsere jetzigen Politiker sollen das Land in eine gute Zukunft führen. 3.) Die Welt soll den Klimawandel ernst nehmen und richtig darauf reagieren."

von Werner Kopacka, "Steirerkrone"

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