Mo, 11. Dezember 2017

Auf Wa(h)l-Jagd

25.08.2010 22:17

"Forschung": Putin schießt auf Meeressäuger

Dass Russlands Regierungschef Wladimir Putin sich gerne bei spektakulären Aktionen mit gefährdeten Tierarten zeigt, ist nichts Neues (siehe Infobox). So legte er bereits Eisbären und Tigern Funkhalsbänder an. Jetzt jagt er Wale, allerdings nur für wissenschaftliche Zwecke. Mit einer Harpune entnahm der Premier einem Grauwal eine Hautprobe.

Ob das dem Wal gefallen wird? Zumindest überlebte der Koloss diesmal, denn Russlands Ministerpräsident wollte lediglich eine Hautprobe von dem Tier. Mit einer speziellen Armbrust-Harpune feuerte Putin von einem Schlauchboot aus auf den Wal.

Die selten gewordenen Grauwale verbringen den Sommer vor der Küste Russlands. Durch den Walfang ist die Population stark zurück gegangen, aber auch die zunehmende Verschmutzung und Überfischung der Meere dezimieren den Bestand der Tiere. Die Meeressäuger ernähren sich nämlich hauptsächlich von kleinen Krebsen.

Putin entdeckt Tierliebe stets vor Wahlen
Putin scheint die Interaktion mit gefährdeten Spezies als Sympathie-Bonus bei der russischen Bevölkerung nutzen zu wollen. Kurz vor den Präsidentschaftswahlen 2008, bei denen Putin seinen Zögling Dmitri Medwedew in sein altes Amt dirigierte, ließ er sich dabei filmen, wie er einem Sibirischen Tiger ein Halsband mit einem Peilsender anlegte. Natürlich war das Tier vorher betäubt worden.

Im April 2010 ließ sich Putin dann dabei fotografieren, als er einem Eisbären einen Peilsender verpasste. Jetzt musste der Grauwal herhalten. Auch diesmal steht ein Urnengang unmittelbar bevor: Die Parlamentswahlen am 1. Oktober 2010. Putins "Wal-Jagd" vor der Halbinsel Kamtschatka wurde jedenfalls im Fernsehen übertragen.

Putin-kritische Bücher von Polizei beschlagnahmt
Aber auch von anderer Seite versucht Putin offenbar, den Wahlkampf zu flankieren. Die russischen Behörden haben erneut tausende Exemplare eines kritischen Buches über den Regierungschef beschlagnahmt. Die Polizei habe eine Lieferung der Bücher des liberalen Oppositionspolitiker Boris Nemzow in der nordrussischen Stadt Murmansk beim Umladen in ein Auto konfisziert, sagte die Sprecherin der Partei Solidarität, Olga Schorina, am Mittwoch der Nachrichtenagentur Interfax. Die beiden Männer, die die Bücher aus einem Zug in das Auto verladen wollten, seien von Vertretern des Innenministeriums befragt worden. Die Polizei bezeichnete das Buch mit dem Titel: "Putin. Bilanz. Zehn Jahre" als "extremistische Literatur".

Bereits Mitte Juni hatten die russischen Behörden rund 100.000 Exemplare des Nemzow-Buches beschlagnahmt, die Oppositionsanhänger unter andere, auf einem internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg verteilen wollten. Über sein Buch mit einer Auflage von insgesamt einer Million schrieb Nemzow in seinem Blog im Internet, er erzähle darin "die Wahrheit über die wirklichen Folgen von Putins Führung".

Nemzow hatte sich in den 90er Jahren als Reformpolitiker einen Namen gemacht und war 1997 bis 1998 stellvertretender Ministerpräsident unter Ex-Präsident Boris Jelzin. Als Oppositionspolitiker ist er inzwischen einer der lautesten Kritiker Putins. Putin war von 2000 bis 2008 russischer Präsident, seither führt er als Ministerpräsident gemeinsam mit Staatschef Dmitri Medwedew das Land.

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