Di, 12. Dezember 2017

1977 ersteigert

24.08.2010 09:13

Land Salzburg gibt "Nazi-Raubkunst" zurück

In Wien ist nach langem Rechtsstreit wieder Egon Schieles "Wally" zu bewundern. Und nun hat auch Salzburg einen Fall von "Raubkunst": Ein Gemälde der französischen Malerin Berthe Morisot (kleines Bild) wurde 1977 fürs Rupertinum ersteigert. Doch 1940 hatten die Nazis das Bild in Paris geraubt. Jetzt steht die Rückgabe bevor.

"Jeanne Pontillon à la capeline" heißt dieses Gemälde, das seit Monaten für einiges Aufsehen sorgt – bis jetzt vermied die Politik aber jede öffentliche Diskussion. Nur im Museum der Moderne gab es vertrauliche Debatten im Aufsichtsrat.

Grund für diese Geheimhaltung: die Angst vor internationalem Ärger. Denn das Bild wurde von der französischen Impressionistin Berthe Morisot gemalt (sie war mit dem Bruder des berühmten Edouard Manet verheiratet). 1977 kam das Gemälde in Salzburger Besitz. Friedrich Welz ersteigerte es am Wiener Dorotheum fürs Museum Rupertinum. Das Gemälde wurde damals um 9.000 Schilling (gut 650 Euro) ausgerufen, um 46.144 Schilling (3.350 Euro) erhielt Salzburg den Zuschlag.

Hintergründe längst bekannt
Peinlich dabei: Zu diesem Zeitpunkt war schon längst bekannt, dass "Jeanne Pontillon" von den Nazis geraubt war – seit 1961 stand es auf einer Liste entführter Gegenstände!

Das Gemälde gehörte zur großen Sammlung der Familie David-Weill, die in Paris das Bankhaus Lazard führte. Die Nazis beschlagnahmten beim Einmarsch in die französische Hauptstadt Hunderte Gemälde aus dieser Sammlung. Nach Kriegsende bekam die Bankiersfamilie den Großteil der Bilder wieder zurück – einige blieben verschollen, darunter "Jeanne Pontillon à la capeline".

Regierung berät weiteres Vorgehen
Das Museum der Moderne entdeckte bei Nachforschungen über die Herkunft seiner Kunstwerke, dass dieses Gemälde von Berthe Morisot "Raubkunst" ist – und schaltete das Land ein. Anfang September berät die Regierung, was mit diesem Bild geschehen soll. Zu rechnen ist mit der Rückgabe an die Familie David-Weill, deren Nachkommen als Investmentbanker bei "Lazard Ltd." in Paris und New York arbeiten.

"Für eine Rückgabe ist ein Beschluss der Regierung nötig", heißt es bei Landes-Vize Wilfried Haslauer, während die SP unnötige Verzögerungen beklagt: "Als Museumsreferent hätte Haslauer das vor Monaten allein beschließen können."

Gemeinsamkeit mit "Wally"
Bindeglied zwischen beiden Bildern ist Friedrich Welz: Er ersteigerte "Jeanne Morisot" für Salzburg. Und war 1938 dabei, als "Wally" bei der "Arisierung" einer Galerie in Wien den Ex-Besitzern abgepresst wurde…

von Robert Redtenbacher, Kronen Zeitung

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