Do, 14. Dezember 2017

Wieder in Wien

23.08.2010 08:23

Schieles "Bildnis Wally" im Leopold Museum zu sehen

Egon Schieles lange umkämpftes "Bildnis Wally" ist seit Montag im Leopold Museum im Wiener Museumsquartier zu sehen. Das Gemälde war am Freitag nach seiner Beschlagnahme im Jahr 1998 in New York, einem zwölf Jahre langen Rechtsstreit mit den Erben der ursprünglichen Besitzer und einer Vergleichszahlung in der Höhe von 15 Millionen Euro durch die Stiftung Leopold wieder nach Österreich zurückgekehrt. Um 10 Uhr fand eine feierliche Präsentation des Gemäldes im Beisein von Elisabeth Leopold (Bild) statt.

Seinen Platz wird das Bild vorerst neben Egon Schieles "Selbstbildnis mit Lampionfrüchten", laut Museum das Gegenstück zum "Bildnis Wally", finden. Besucher haben die Möglichkeit, letzteres Gemälde bis 20 Uhr zum halben Eintrittspreis zu besichtigen.

13 Jahre lang war die "Wally" nicht in Wien, im erst nach der Beschlagnahme 1998 eröffneten Leopold Museum hängt sie nun zum ersten Mal. Umso größer wird "Welcome Wally" gefeiert: Schon den Stiegenaufgang pflastern Wally-Plakate, der Eingangsbereich vor den Schiele-Räumen hält ausführliche Bild- und Infotafeln zur Biografie Wally Neuzils, zum kunsthistorischen Kontext des Gemäldes sowie zu "Wally und die Folgen" bereit. Immerhin habe "dieses Bild ein neues politisches Umdenken begründet" und zum heutigen Restitutionsgesetz geführt, wie Elisabeth Leopold unterstrich.

"Gegenstück zu Schieles Selbstbildnis"

Rudolf Leopold hatte in seinen Schriften über Schiele stets betont, dass das Porträt Wallys als "Gegenstück zu seinem Selbstbildnis" gemalt worden sei. Das Bildformat ist identisch, aber auch formale und stilistische Ähnlichkeiten stechen ins Auge: Die Pflanzenmotive im Hintergrund, die schmächtigen Körper, die abgeschnittenen Haare durch den Bildrand und die Neigung der Köpfe, die sich einander zuzuwenden scheinen. Neben dem "Bildnis Wally" hängt eine weitere Darstellung der Schiele-Geliebten, mit der er zwischen 1912 und 1915 lebte: Die "Knieende mit grauem Umhang".

"Mit großer Rührung" wohnte Sammler-Sohn Diethard Leopold der Enthüllung bei, betonte allerdings: "Wenn wir uns freuen, dass sie hier hängt, sollen wir nicht vergessen, was geschehen ist, was einmal war und was unwiederbringlich verloren gegangen ist." Bei den Erben von Lea Bondi-Jaray, der das Bild während der NS-Zeit entzogen wurde, bedankte sich Leopold, "dass sie diesen historischen Vergleich möglich gemacht haben". Mit den Erben akkordiert wurde auch der Text, der neben dem Bild zu lesen ist und die Geschichte um Entziehung und jahrelangen Rechtsstreit erzählt.

"Dieser Text weist aus, dass das Bild entzogen wurde", erläuterte Andreas Nödl, Anwalt und Vorstandsmitglied der Leopold Stiftung. "Er weist auch aus, dass das Bild dann der falschen Familie rückgestellt wurde. Das macht klar für uns, dass es sich um einen Rechtsstreit zwischen zwei Familien handelt, der auf dem Rücken des Leopold Museums ausgetragen wurde." Nach der Beschlagnahme 1998 im Anschluss an eine Schiele-Ausstellung in New York und dem jahrelangen Rechtsstreit einigte sich die Stiftung Leopold mit den Erben Bondi-Jarays im Juli auf eine Vergleichszahlung von 15 Millionen Euro.

"Die Öffentlichkeit" als großer Gewinner

Der große Gewinner des Vergleichs sei "letztlich die Öffentlichkeit", sagte der kaufmännische Direktor des Museums, Peter Weinhäupl. Die "Wally" sei "für Österreich gerettet - sie ist eine Ikone". Für die Finanzierung des Vergleichs wurde bereits ein Konvolut von anderen Werken beim Bundesdenkmalamt für eine Ausfuhrgenehmigung eingereicht. Medienberichte, wonach diese Genehmigung bereits erteilt sei, wollte Weinhäupl so nicht bestätigen. "Wir haben sie noch nicht in der Hand."

Um welche Werke es sich handelt und welche aus dem Konvolut schließlich zum Verkauf ausgewählt werden, wolle man noch nicht öffentlich machen. Auch ob es eine zusätzliche Unterstützung der öffentlichen Hand geben werde, sei noch nicht klar. Für den laufenden Betrieb forderte Elisabeth Leopold allerdings eine höhere Zuwendung seitens des Bundes. Das Kulturministerium solle dem Haus "endlich den Rang einräumen, den es verdient."

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