Sa, 25. November 2017

Sunnyi Melles im Talk

21.08.2010 17:18

„Salzburg ist ein Platz, den es sonst nirgendwo gibt!“

"Phädra" Sunnyi Melles im Gespräch mit der "Krone" über Liebe, Familie und die Salzburger Festspiele...

"Krone": Frau Melles, in Jean Racines Phädra geht es um eine verbotene, unerwiderte Liebe ihres Stiefsohnes, die bis in den Tod führt. Wie gehen Sie mit dieser Rolle um?
Sunnyi Melles: Phädra ist keine Frau, die man für ihre Liebe dafür lieben sollte! Hier geht’s nicht um "All you need is love", sondern um Liebe als Krankheit. Phädra macht etwas ganz Schlimmes, sie begehrt ihr Stiefkind. Racine heroisiert diese Frau in keinster Weise.

"Krone": Obwohl das Stück 1766 geschrieben wurde, ist es aber doch sehr zeitgemäß.
Melles: Phädra hält uns den Spiegel vor, wie man nicht sein sollte, wie bei Shakespeare. Matthias Hartmann hat durch diese Arbeit dieses Stück so modern erscheinen lassen, wie ich’s noch nie gesehen habe. Man denkt an politische Macht, die sexuellen Begierden, über die man dann als Politiker stolpern kann. Und Phädra ist ja auch eine Regierende. Und dazu denke ich immerfort an diesen Mann, der jetzt mit seiner Adoptivtochter in Amerika verheiratet ist.

"Krone": Sie spielen ja weiter "Immanuel Kant" am Burgtheater. Wie ist es, mit Hartmann zu arbeiten?
Melles: Jede seiner Anweisungen, die dadurch den richtigen Ton trifft, ist wie "A Kiss of God!"

"Krone": Und wie ist die Arbeit mit Paulus Manker?
Melles: Er hat meine Mutter sehr gut gekannt, und ich hab’ schon als Schülerin davon geträumt, mit ihm zu spielen. Er ist wunderbar! Ich vertraue ihm, wenn wir zusammen das Ehepaar Phädra und Theseus spielen.

"Krone": Apropos Ehe, sie sind seit 1993 mit Peter Prinz Sayn-Wittgenstein-Sayn verheiratet.
Melles: Ich habe ihn hier in Salzburg kennengelernt, und Placido Domingo spielte den Postillion d’Amour. Er unterstützt mich in allem. Leider kann ich mit ihm schlecht streiten. Ich liebe ihn! Zuerst kommt meine Family und dann lange nichts. Sie ist meine Kraftquelle, mein Urvertrauen, ein Geschenk.

"Krone": Ihre Tochter Leonille möchte ja auch Schauspielerin werden, wie stehen sie dazu?
Melles: Ich muss eine sehr gute Mami sein. Sie sieht die extreme Belastung, aber sie bewundert mich. Meine Kinder sind ein wichtiger Barometer für meine Arbeit. Endlich haben sie diese Lektüre Phädra, die sie in der Schule lesen mussten, verstanden.

"Krone": Ihre Großmutter spielte in Stummfilmen, und auch ihre Mutter war Schauspielerin, und ihr Vater Dirigent. Liegt ihnen der Beruf im Blut?
Melles: Ich bin zwischen Orchestergraben und Bühne aufgewachsen. Es gibt nichts Schöneres als diesen Beruf! Meine Mutter hat immer gesagt: "Bleib positiv, bleib offen und gib viel, dann bekommst Du auch viel. Man muss nicht immer gefallen, aber den Respekt darfst Du nie verlieren."

"Krone": Sie feierten als Buhlschaft an der Seite von Helmuth Lohner große Erfolge und jetzt als Phädra sind Sie ebenfalls umjubelt. Wie stehen Sie zu Salzburg?
Melles: Salzburg ist unique, ein Platz, den es nirgendwo auf der Welt gibt. Eine Insel einer Spezies, wo man Kultur produziert und macht. Es ist ein großer Ritterschlag hier zu arbeiten. Jeder sollte sich von der Oper, von den Schauspielen, den Konzerten, deren Inhalt nicht immer die schönste Seite des Lebens zeigt, was in sein Herz aufnehmen. Deswegen liebe ich die Salzburger Festspiele.

Interview: Tina Laske, Kronen Zeitung

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