Di, 12. Dezember 2017

Zuhörer begeistert

21.08.2010 11:27

Tragisches sowie Heroisches: Welser-Möst in Grafenegg

Mit Schuberts vierter Symphonie und der symphonischen Dichtung "Ein Heldenleben" von Richard Strauss hat das Cleveland Orchestra unter der Leitung von Franz Welser-Möst, designierter Musikdirektor der Wiener Staatsoper, am Freitagabend beim Musik-Festival Grafenegg gastiert. Die Zuhörer im Rund der Wolkenturm-Arena - auch die Rasenplätze waren dicht frequentiert - zeigten sich beeindruckt und erklatschten eine Zugabe.

Leger gab sich Welser-Möst im Einführungsgespräch mit Peter Schneeberger vom ORF. Auf die Bemerkung "Sie sind ja noch so salopp angezogen" reagierte er nicht ohne Ironie: "Wir sind ja auch am Land." Gefragt nach seiner Beziehung zu Schubert berichtete Welser-Möst von einem schweren Autounfall, den er am 150. Todestag und zur Todesstunde Schuberts überlebt hatte. Zum Beinamen "Tragische" zu Schuberts Vierter: "Die größte Tragik spielt sich in den leisen Tönen und in der Intimität ab." Ob man zum Verständnis des Strauss'schen Heldenlebens das Programm kennen müsse? Nicht unbedingt, so die Antwort, der Inhalt bei Tondichtungen biete lediglich "interessante Anhaltspunkte", das Wesen großer Musik sei eben ihre Vielschichtigkeit.

"Unsentimentale Schönheit"
Der Begriff des Erhabenen ersetzte die Gottesfunktion, befand Welser-Möst, und werde bei Strauss durch "unsentimentale Schönheit gemalt". Was für Strauss zu den wirklich wichtigen Dingen gezählt habe? "Etwas für die Ewigkeit hinterlassen, auch wenn er nicht an die Ewigkeit glaubt." Die Abkehr des Komponisten von der Modernität sei "in gewissem Sinn eine Immigration ins Innere". Den Vorwurf an Strauss, in seinen Werken oberflächlich-eitle Selbstporträts geschaffen zu haben, relativierte Welser-Möst: "Vielleicht in der Symphonia domestica. Außerdem: Ein bisschen steht es ihm ja auch zu."

In äußerster Klarheit und Transparenz bis ins Detail erklang dann Schuberts "Tragische", das von durchaus eklektizistischen Zügen geprägte Werk eines 19-Jährigen mit eigenständigen und vorausweisenden Ansätzen. In trockenem, aber nicht hohlem Pathos erstand das "Heldenleben": Hier fanden sich die stärksten Momente in den entrückten Passagen am Ende des Stücks. Der vor Kurzem 50 Jahre alt gewordene Welser-Möst, dessen Vertrag mit dem Orchester bis 2018 läuft, dirigierte - ganz luzider Analytiker - mit leicht und jugendlich anmutender Eleganz und erzielte ohne ersichtliche Angestrengtheit eben jene Momente unsentimentaler Schönheit, von denen im Gespräch zuvor die Rede gewesen war.

von Ewald Baringer/APA

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