Sa, 16. Dezember 2017

Brenzlige Aktion

21.08.2010 21:34

Iran nimmt erstes Atomkraftwerk in Betrieb

Der Iran hat am Samstag damit begonnen, sein erstes Atomkraftwerk in Betrieb zu nehmen. Die Arbeiten in Bushehr (Bild) seien wie geplant aufgenommen worden, meldete die russische Nachrichtenagentur RIA unter Berufung auf den Chef der russischen Nuklearbehörde, Sergej Kirijenko. Ingenieure aus dem Iran und Russland begannen damit, das AKW in Bushehr mit Kernbrennstoff zu bestücken. Die Arbeit unter Aufsicht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) soll in ein bis zwei Wochen abgeschlossen sein.

Nach Angaben der iranischen Atomenergiebehörde wurden die ersten Brennstäbe unter den Augen des Chefs der iranischen Atomenergiebehörde, Ali Akbar Salehi, und Kirijenko in den Leichtwasserreaktor gebracht. Die USA hatten Russland aufgefordert, die Inbetriebnahme der Anlage aufzuschieben, bis der Iran bewiesen habe, dass er keine Atomwaffen entwickle.

Binnen zwei Monaten soll das AKW Bushehr 50 Prozent seiner Leistungskraft erreichen, Ende Oktober könnte das Kraftwerk an das Stromnetz angeschlossen werden. Der Reaktor soll voraussichtlich im März 2011 eine Maximalleistung von 1.000 Megawatt erreichen.

Der Bau der Anlage war noch vor der Iranischen Revolution im Jahr 1979 vom Siemens-Konzern begonnen worden. 1974 hatte Schah Reza Pahlewi mit dem deutschen Unternehmen einen Vertrag über die Errichtung eines Reaktors abgeschlossen. Siemens trat von dem Abkommen zurück, als der Schah durch die Islamische Revolution gestürzt wurde. Die teilweise fertiggestellte Anlage wurde durch irakische Bombardements während des ersten Golf-Krieges zwischen dem Iran und dem Irak (1980 - 1988) beschädigt. Bevor der Iran sich mit Russland auf die Wiedererrichtung des Kraftwerks einigte, waren bereits Verträge mit Argentinien, Spanien und anderen Ländern unterzeichnet worden, die auf Druck der USA aber wieder annulliert wurden.

Anlage mit russischer Hilfe gebaut
Russische Ingenieure nahmen das Projekt Mitte der 90er-Jahre wieder auf. Der Vertrag mit Russland über Bushehr hat ein Volumen von einer Milliarde Dollar. Die Fertigstellung des Projekts verzögerte sich seit Jahren, Moskau machte dafür technische Gründe geltend. Beobachter glauben aber, dass Russland das Projekt nutzte, um vom Iran Zugeständnisse im Streit mit der internationalen Gemeinschaft um das Atomprogramm Teherans zu erreichen.

Trotz der Lieferungen aus Russland betreibt der Iran ein eigenes Programm zur Anreicherung des Kernbrennstoffs Uran. Der UNO-Sicherheitsrat hat Teheran wiederholt aufgefordert, dieses Programm zu stoppen. Hintergrund sind Befürchtungen, der Iran strebe den Bau von Atomwaffen an. Die iranische Regierung hat stets erklärt, das Atomprogramm diene ausschließlich friedlichen Zwecken - trotz UNO-Sanktionen hält sie bisher an dem Programm fest.

Angst vor militärischer Reaktion Israels
Teheran erhöht mit der Inbetriebnahme von Bushehr seinen Druck im Atomstreit und droht eine militärische Reaktion Israels zu provozieren. Der Iran und Israel betrachten sich als Erzfeinde. Im Irak hat Israel 1981 eine Baustelle für einen Atomreaktor bombardiert, ein ähnliches Vorgehen gegen den Iran hat das Land nicht ausgeschlossen. Es gilt als sicher, dass Israel selbst über Atomwaffen verfügt.

Salehi sprach bei der feierlichen Eröffnung von einem "historischen" Tag: "Trotz des Drucks, der Sanktionen und dem Mühsal, die der Westen uns bereitet hat, sind wir heute Zeuge der Inbetriebnahme des größten Symbols für Irans friedliche Nutzung der Atomenergie." Der Iran danke Russland für die Mithilfe am Bau der Anlage und auch dafür, dass der Iran diese moderne Technologie nun nutzen könne." Damit hat sich Russland unauslöschbar in die Geschichtsbücher des Iran eingetragen."

"Eine große symbolische Bedeutung"
"Heute ist ein besonderer Tag für Russland und den Iran. Auf den Fundamenten, die deutsche Ingenieure vor mehr als 30 Jahren zu legen begannen, haben Experten aus beiden Ländern ein einzigartiges Projekt geschaffen", sagte Kirijenko. Er schloss einen möglichen Missbrauch der Brennstäbe zur Waffenproduktion aus. "Alle Experten wissen, dass dies nicht möglich ist." Noch heuer soll die Anlage ans Netz gehen, sagte Kirijenko. "Das iranische Volk habe lange auf diesen Tag gewartet. Er hat eine große symbolische Bedeutung."

In Moskau hielt der Chef des Auswärtigen Ausschusses des Föderationsrates (zweite Parlamentskammer, Anm.), Michail Margelow, am Samstag fest: "Der Bau erfolgte unter Aufsicht der IAEO. Auch die fünf ständigen Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates plus Deutschland bestätigen, dass diese Anlage in keiner Beziehung zu den Militärprogrammen des Iran steht." Russland hat zugesagt, die Anlage zu sichern und zu verhindern, dass nukleares Material für ein mögliches Waffenprogramm abgezweigt wird.

Die 163 Brennstäbe waren bereits an Ort und Stelle, aber versiegelt. Sie wurden bei der Eröffnung von IAEO-Inspektoren freigegeben. Die Brennstäbe werden in einem "Brennstoffbecken" in einer Halle gelagert, die unter IAEO-Aufsicht steht. Nach dem Gebrauch muss der Iran sie an Russland zurückgeben.

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