Fr, 15. Dezember 2017

"Zeitlupen-Tsunami"

20.08.2010 15:42

Not in Pakistan wächst - Österreich spendet 5 Mio. Euro

Angesichts der wachsenden Not in Pakistan drängen die Vereinten Nationen die Geberländer zu einer schnellen Auszahlung der zugesagten Hilfsgelder. "Zusagen sind Zusagen, bis das Geld überwiesen wird", sagte der Sprecher des UN-Büros zur Koordinierung humanitärer Angelegenheiten in Islamabad, Maurizio Giuliano, am Freitag. Indes verdeutlichen dramatische Bilder, wie jenes einer Familie, deren Land gänzlich von Wasser eingeschlossen wurde (siehe oben), die Not im Katastrophengebiet. Österreich wird die Flutopfer mit fünf Millionen Euro unterstützen.

Bisher seien 196 Millionen Euro der von den UN angeforderten knapp 358 Millionen Euro Nothilfe eingegangen, sagte Sprecher Giuliano. Weitere 33 Millionen Euro seien zugesagt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte die Welt am Donnerstag bei einer internationalen Geberkonferenz bei den Vereinten Nationen in New York eindringlich zur Hilfe für die Flutopfer aufgerufen. 15 bis 20 Millionen Menschen seien in Not, sagte er. "Pakistan ist mit einem Zeitlupen-Tsunami konfrontiert."

Österreich spendet fünf Millionen Euro
Indes gab die österreichische Bundesregierung am Freitag bekannt, dass die Alpenrepublik die Flutopfer mit fünf Millionen Euro unterstützen wird. 1,5 Millionen kommen aus dem Auslandskatastrophenfonds, 3,5 Millionen werden aus Budget-Rücklagen lukriert. Der entsprechende Beschluss werde am Dienstag im Ministerrat fallen. Die Hilfsgelder werden über die UNO und über österreichische NGO, wie etwa das Rote Kreuz und Caritas, abgewickelt. "Die Österreicherinnen und Österreicher haben in Notzeiten immer wieder unter Beweis gestellt, dass sie hilfsbereit sind und dies auch in Spenden ausgedrückt", so Bundeskanzler Faymann. "Dieser Welle der Hilfsbereitschaft schließt sich die Republik Österreich an. Ich bin sehr froh, den Betroffenen in Pakistan rasch helfen zu können."

Drittel des Landes uner Wasser
Ein Drittel des Landes steht inzwischen unter Wasser. In der Bevölkerung wächst die Wut auf die Regierung, der viele Opfer vorwerfen, bei der Bewältigung der schlimmsten Flut in der Geschichte des Landes zu langsam zu handeln. Dieses Vakuum nutzen radikal-islamische Gruppen aus. Diesen hat das Land deshalb mittlerweile den Kampf angesagt. Innenminister Rehman Malik sagte am Freitag, verbotene Stiftungen würden von den überschwemmten Gebieten ferngehalten.

Aber nicht nur Menschen leiden unter der Flutkatastrophe, auch Hunderttausende Kühe, Schafe, Büffel und Gänse sind ihr zum Opfer gefallen. Millionen Tiere brauchen dringend Futter und Medizin. Ganze Viehgenerationen in dicht besiedelten Gebieten seien gefährdet, hielt die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) fest. Die FAO prüft derzeit, welche Futterreserven es in den Flutgebieten überhaupt noch gibt, um ihre Hilfe für die schwer geschädigte Landwirtschaft dann daran auszurichten.

Zahllose Tiere seien gestorben, weil die Menschen sie bei Evakuierungsaktionen zurücklassen mussten, erklärt Simon Mack von der FAO-Abteilung für Viehzucht: "Hühner, Gänse und Schafe kann man noch mit in ein Boot nehmen, einen Büffel oder eine Kuh aber nicht." In manchen schwer betroffenen Regionen habe es für den gesamten Hühnerbestand keinerlei Rettung mehr gegeben, Millionen Tiere seien umgekommen. Auf Fotos aus den Überschwemmungsgebieten sehe man, wie gerettete Menschen noch ihr Federvieh an sich pressten. "Die Tiere sind für arme Leute zum finanziellen Überleben wichtig", so die FAO.

NATO plant Luftbrücke
Um die Hilfe für die Hochwassergebiete in Pakistan zu beschleunigen, plant die NATO jetzt eine Luftbrücke. Über sie könnten innerhalb einer Woche bis zu 500 Tonnen Hilfsgüter von Europa nach Pakistan gebracht werden, sagte der deutsche NATO-General Egon Ramms am Freitag.

Ramms zufolge soll auf einem pakistanischen Flugplatz eine Art "Empfangspunkt" für die Güter eingerichtet werden. "Wir wollen die Hilfsgüter in das Land hineinbringen, wollen dann aber die weitere Verteilung der pakistanischen Regierung und dem pakistanischem Militär überlassen". Seit Sonntag sei ein Erkundungsteam in den Katastrophengebieten unterwegs, um zu klären, wo und inwieweit die NATO Hilfe leisten könne.

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