Di, 12. Dezember 2017

Forscher verblüfft

19.08.2010 12:29

Magnetstern stellt Schwarzes-Loch-Theorie auf Kopf

Ein kosmischer Supermagnet verblüfft Astronomen: Die magnetische Sternleiche muss von einer Riesensonne stammen, die eigentlich zu einem Schwarzen Loch hätte zusammenstürzen sollen. Die Beobachtung kollidiert mit der gängigen Vorstellung, wie Schwarze Löcher entstehen, schreiben die Forscher um Ben Ritchie von der britischen Open University in Milton Keynes im Fachjournal "Astronomy Astrophysics".

Mit Hilfe des "Very Large Telescope" (VLT) der Europäischen Südsternwarte ESO in den chilenischen Anden hatten Astronomen den 16.000 Lichtjahre entfernten Supersternhaufen Westerlund 1 im Sternbild Altar (Ara) am Südhimmel untersucht. Der enthält neben Hunderten Riesensonnen auch ein sehr seltenes Objekt: einen sogenannten Magnetar. Magnetare sind extrem magnetische Sternleichen und bilden eine neue Klasse astronomischer Objekte, die erst vor wenigen Jahren entdeckt wurde. Ihr Magnetfeld ist rund eine Billiarde Mal stärker als das unserer Erde.

Überreste ausgebrannter Riesensonnen
Magnetare gehören zu den sogenannten Neutronensternen, den kollabierten Überresten ausgebrannter Riesensonnen. Zu ihrer genauen Entstehung gibt es aber noch keine allgemein akzeptierte Theorie. In unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße, sind erst eine Handvoll diese Sterne bekannt. Die Forscher um Ritchie wollten wissen, wie massereich der Vorläuferstern des Westerlund-1-Magnetars war. Sterne brennen umso schneller aus, je mehr Masse sie besitzen. Da die Riesensonnen des Supersternhaufens alle zur selben Zeit entstanden sind, muss der Magnetar-Vorläufer mehr Masse besessen haben als die derzeit dort noch leuchtenden Sterne.

Etablierte Theorien wanken
Die Astronomen schätzen den Vorläufer auf mindestens 35 bis 40 Mal so massereich wie unsere Sonne. Sterne mit mehr als 25 Sonnenmassen sollten jedoch nach der gängigen Vorstellung am Ende ihrer Existenz zu einem Schwarzen Loch zusammenstürzen. Der Magnetar-Vorläufer muss daher auf irgendeine Weise rund 90 Prozent seiner Masse verloren haben, noch bevor er als Supernova explodiert ist.

Das ist nur schwer mit den etablierten Modellen der Sternentwicklung zu erklären. "Es stellt sich daher die schwierige Frage, wie viel Masse ein Stern denn überhaupt haben muss, um schließlich zu einem Schwarzen Loch zusammenzustürzen, wenn dies nicht einmal Sternen mit mehr als 40 Sonnenmassen gelingt", betont Koautor Norbert Langer von der Universität Bonn.

Österreich seit 2008 ESO-Mitglied

Die ESO wurde im Jahr 1962 gegründet, um auch europäischen Astronomen Beobachtungsmöglichkeiten am Südsternhimmel zu verschaffen. Sie zählt 14 Mitgliedsstaaten, zu denen seit dem Juli 2008 auch Österreich zählt.

Bild: ESO/L. Calçada

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