Mo, 18. Dezember 2017

Selbst ist die Frau

20.08.2010 14:25

Sind Frauen die besseren Heimwerker?

Wissenschaftlich bestätigt: Frauen können vieles besser als Männer. Zum Beispiel flott im Job sein, rechnen und Geld verwalten, Schmerzen und Stress aushalten. Das wird auch von den Männern (größtenteils) akzeptiert, denn schließlich kommen ihnen diese Fähigkeiten ja auch zugute. Aber wie sieht es beim Erobern typischer traditioneller Männerbereiche aus? Wie zum Beispiel Heimwerken...

Bis vor gar nicht so langer Zeit waren die Rollen klar verteilt: gemeinsamer Besuch des Paares im Baumarkt, SIE hat eindeutig das Sagen in allen Fragen von Form, Farben und Mustern, dann ab nach Hause, wo ER sich an die eigentliche Arbeit macht. Frau hat eindeutig Assistenzfunktion, reicht Zubehör („Doch nicht diese Nägel!!!“) und Bier, erträgt geduldig etwaiges Schimpfen über falsch zugeschnittene Materialien oder Ähnliches, spart keinesfalls mit Lob und Bewunderung und räumt nach getanener Arbeit wieder auf. Notfalls führt sie das begonnene Projekt zu Ende, aber im Interesse des partnerschaftlichen Gerüstes nicht ohne zu betonen, dass die eigentliche und wirkliche Arbeit ja ohnedies schon erledigt ist.

Diese häuslichen Szenarien beginnen sich allerdings kräftig zu ändern. Denn immer mehr Frauen erobern den Heimwerker-Markt und das nicht nur im räumlichen Sinn. Optimistische Einschätzungen gehen mittlerweile von rund 85 Prozent heimwerkender Frauen aus.

Single-Frauen geben den Anstoß
Laut diversen Meinungsumfragen sind es in erster Linie Single-Frauen, die den traditionellen Männerbereich „aufgebrochen“ haben. So gibt bei den mittlerweile zahlreichen Heimwerkerinnen-Seminaren der Baumärkte die Mehrzahl an, dass sie es einfach leid waren, ihren Ex-Partner vor allem oder ausschließlich bei handwerklichen Erledigungen in Haus und Wohnung zu vermissen.

Die Entwicklung zur Heimwerkerin beginnt derart bei vielen mit der Reparatur kleinerer Dinge und kann sich dann bis hin zu gestandenen Arbeiten wie Verfliesen, Bodenverlegen und Ähnliches entwickeln. Angespornt durch diese „Vorreiterinnen“ entdecken aber auch viele andere Frauen ihren Spaß an handwerklicher Arbeit und geben sich nicht mehr länger mit der „Lehrlings-Funktion“ im häuslichen Partnerschaftsbereich zufrieden. Nicht immer ganz ohne nachfolgende Probleme mit dem Partner. Denn Heimwerken ist weit mehr als nur im Haus zu arbeiten. Heimwerken, so Motivforscher und Partnerschaftstherapeuten, ist wichtiger Teil der männlichen Selbstbestätigung. Und das schon seit Jahrtausenden.

Lieber bessere Heimwerker als bessere Liebhaber
Dass mit dem Thema „Heimwerken“ nicht zu spaßen ist, zeigt daher auch deutlich eine im Jahr 2007 durchgeführte „Be a better“-Studie von Yahoo: Befragt, in welchem Bereich sie gerne besser sein würden, gab etwa die große Mehrheit deutscher Männer an, viel lieber ein besserer Heimwerker als ein besser Liebhaber sein zu wollen. Und das, obwohl sich neun von zehn Männern laut Eigendefinition ohnehin schon für einen guten bis sehr guten Heimwerker halten.

Warum das alles für die Männer so wichtig ist? Heimwerken ist im Grunde die Weiterentwicklung des Aufbaus eines Schutzbereiches für die Familie. Entwicklungsgeschichtlich eindeutig Männerarbeit, ebenso wie die Verschönerung des Heimes, das „Gemütlichmachen“, stets den Frauen zugeordnet war. Der weibliche Griff nach der Bohrmaschine kann also de facto dem ohnedies in unser heutigen Zeit schon leicht angekratzten Männer-Ego weit mehr weh tun als der Griff nach den Schlüsseln für sein Auto. Richtig weh tut es dann, wenn die Partnerin auch noch besser ist. Denn klar ist: Zu unterschätzen ist Frauen-Power auch im Heimwerksbereich nicht.

Ruhiger, geduldiger und weniger verletzungsgefährdet
Frauen gehen naturgemäß auch das Heimwerken anders an als Männer. Der größte Unterschied liegt darin, dass sie sich – so von vielen Seminarleitern bestätigt – nicht schwer damit tun zuzugeben, dass sie sich bei einer Sache anfangs nicht so gut auskennen. Daher gehen sie viel ruhiger und überlegter an das Projekt heran. Motto: erst einmal ausführlich informieren, dann die Arbeit starten. Zu dieser Vorabinformation zählt vor allem auch das Lesen von Anleitungen und Gebrauchsanweisungen für Geräte, was für viele Männer einfach überflüssig, weil „eh klar“ ist. Besonders deutlich wird diese unterschiedliche Zugangsmethodik beim Zusammenbau von Möbeln: Regale zusammenbauen können Frauen oft viel, viel besser. Denn während Männer sich gleich ans Werk machen, dann über schlechte Teile, fehlende Nägel, Schrauben und Arbeitsmaterial schimpfen, nehmen sich Frauen ausführlich Zeit, vor Beginn die entsprechenden Anleitungen durchzulesen und das Arbeitsmaterial zu sortieren.

Lohn dieser umsichtigen Vorgangsweise ist auch, dass Frauen kaum mit ernsten Verletzungen durch Heimwerken behandelt werden müssen. Das ist eindeutig Männerdomäne. Frauen, so diverse Statistiken, legen generell viel Wert auf Schutzmaßnahmen und scheuen sich auch nicht, zu Schutzhandschuhen, Atemschutzmasken und Co zu greifen. Auch das oben erwähnte Lesen von Gebrauchsanleitungen trägt viel zur Sicherheit bei.

Sind Frauen also die besseren HeimwerkerInnen?
Beantworten lässt sich diese Frage nicht so einfach. Wenn es nach Umsicht, körperlicher Sicherheit, Ausdauer und Geduld geht, sicher ja! Doch 1:1 vergleichen ist kaum möglich. Denn Frauen bevorzugen eindeutig Projektbereiche mit viel Gestaltungsspielraum. Schwerere Arbeiten, wie z.B. Stemmarbeiten oder Holz zuschneiden, werden im Regelfall noch immer lieber den Männern überlassen. Schon aus körperlichen Gründen (Kraft).

Trotzdem haben viele Unternehmen das stark wachsende Potential engagierter Heimwerkerinnen erkannt und eigene Produktlinien danach ausgerichtet. Kennzeichen sind meist leichte Geräte (denen auch viele Männer etwas abgewinnen können!) und verbesserte Sicherheitsbedingungen (wie etwa bei Leitern). Übrigens: Vorsicht vor den eindeutig als „Frauen-Produkte“ klassifizierten Heimwerker-Utensilien, wie etwa dem „rosa Bohrer“ aus dem Internet. Hierbei handelt es sich meist um billige (und teilweise gefährliche) Importware!

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