Sa, 16. Dezember 2017

Völkermord-Prozess

18.08.2010 18:33

Staatsanwalt soll Zeugen reihenweise bedroht haben

Im Prozess gegen den serbischen Ultranationalisten Vojislav Seselj vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien soll die Anklage Zeugen eingeschüchtert haben. Das Tribunal in Den Haag ordnete am Mittwoch eine unabhängige Untersuchung der Vorwürfe an. Zeugen berichteten dem Tribunal zufolge von Schlafentzug während der Befragungen, von "psychologischem Druck", von Erpressung, Drohungen und illegalen Geldflüssen.

Der Sprecher des Tribunals, Christian Chartier, sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Vorwürfe gegen die Anklage stammten nicht von Seselj, sondern von einigen der Zeugen selbst. Das Gericht sei "alarmiert" über die Häufigkeit der Vorwürfe. Innerhalb von sechs Monaten soll ein unabhängiger Rechtsexperte nun festellen, ob es ausreichend Gründe für ein Verfahren gegen die Ermittler der Anklage wegen Missachtung des Gerichts gibt.

Einer der Zeugen gab dem Tribunal zufolge an, er und seine Familien seien "erheblichem Druck" der Anklage ausgesetzt gewesen. So sei er von Dezember 2007 an täglich 30 bis 50 Mal angerufen worden, in erster Linie von Ermittlern der Anklage. Ein anderer Zeuge sagte demnach, die Ermittler hätten ihm versprochen, nach seiner Aussage könne er in die USA auswandern, er würde dort Geld bekommen und ein gutes Gehalt beziehen.

Seselj muss sich wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Bosnien und Kroatien zwischen 1991 und 1993 in Den Haag vor Gericht verantworten. Mitte Juni bestätigte das Tribunal eine in einem Nebenverfahren ausgesprochene 15-monatige Haftstrafe gegen Seselj wegen Missachtung des Gerichts. Er hatte in einem Buch die Identität von drei geschützten Zeugen preisgegeben.

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