Mi, 13. Dezember 2017

Juve zu abgebrüht

20.08.2010 11:18

Sturm Graz trotz Niederlage gegen "Minimalisten" stolz

Ambitioniert gespielt, aber bitter bestraft: Das Fazit von Sturm-Trainer Franco Foda nach der 1:2-Heimniederlage von Sturm Graz gegen Juventus Turin fiel zwiespältig aus. Denn die Steirer zeigten im Hinspiel der vierten und letzten Qualifikationsrunde zur Europa League eine vor allem in der zweiten Hälfte bessere Leistung als der Favorit aus Italien, der durch zwei Treffer aus Standardsituationen mit dem "minimalen Aufwand zum maximalen Erfolg kam", wie die "Gazzetta dello Sport" befand.

"Das ist sehr schade, wenn man gegen Juve ein 1:1 hat, gut spielt, gute Chancen hat und dann noch verliert", sagte Sturm-Tormann Christian Gratzei, der einsehen musste: "Das ist halt auch die Klasse, die Juventus besitzt." Ähnlich sah es Foda: "Wenn man am Schluss nicht aufpasst, wird das von so einem Gegner bestraft."

Sturm nützte die schon nach 20 Minuten einsetzende Passivität der Italiener, die sich nach dem frühen Führungstor durch Leonardo Bonucci (16.) auf das Notwendigste beschränkten und des Öfteren auch die mangelnde Matchpraxis erkennen ließen. "Juve ist leider noch nicht so weit wie erhofft, es gibt noch Höhen und Tiefen, aber wir arbeiten daran, dass es besser wird", meinte der Coach der Turiner, Luigi del Neri, nach dem glücklichen Erfolg.

"Junge Wilde" machen Foda froh
Fodas Zufriedenheit entsprang nicht zuletzt der Tatsache, dass mit Florian Kainz, Dominic Pürcher und ab der 72. Minute Christian Klem auch junge, unerfahrene Spieler ihren Mann standen. "Die hätten vor zwei Monaten noch davon geträumt, gegen Juve zu spielen, und sie haben ihre Sache gut gemacht", sagte Foda. Insbesondere Kainz erhielt Lob, der kurzfristig für den verletzten ÖFB-Teamkicker Andreas Hölzl einsprang und eine gute Vorstellung zeigte. "Er hat im Training gezeigt, dass er bereit ist. Er ist ein Spieler, der sich etwas zutraut, ein Spieler mit Zukunft", so Foda.

"Ich bin stolz auf unsere Leistung, aber aus zwei Standards darf man nicht zwei Tore kriegen", sagte der 17-jährige Kainz, der bisher nur als Wechselspieler Einsätze erhalten hatte, nach dem Match.

Clevere Italiener schlagen in der Nachspielzeit zu
Sturm spielte nach dem Seitenwechsel trotz optischer Überlegenheit lange Zeit nur wenige große Chancen heraus. Die Schlussoffensive zeigte aber Wirkung. Gordon Schildenfeld, der schon zu Beginn der zweiten Hälfte bei zwei Möglichkeiten Kopf und Fuß im Spiel hatte, köpfte nach Bukvas Freistoß den Ausgleich (82.). Und die Grazer blieben am Drücker, Imre Szabics hatte kurz darauf sogar den Siegtreffer vor Augen. Anstatt den Triumph perfekt zu machen, kassierte man in der Nachspielzeit nach einer Del-Piero-Ecke durch Amauri aber noch das Tor zum 1:2.

"Wir waren sehr gut eingestellt, haben ihnen alles abverlangt und hatten auch genug Torchancen", befand Szabics. "Der Unterschied, wie er im Budget da ist, den habe ich am Feld nicht gesehen. Juve war das schwächere Team, weil sie aus dem Spiel heraus nicht so viele Chancen hatten. Mit dieser Leistung haben wir uns Respekt erkämpft und können stolz sein. Wenn wir im Rückspiel in Führung gehen, ist alles drin. Die Chancen stehen 30:70." Auch Foda hat noch Hoffnung: "Das ist ein Ergebnis, wo noch alles möglich ist."

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