Sa, 18. November 2017

Dutzende Plätze leer

17.08.2010 10:42

Leasing-Personal rettet die Pflege in Seniorenheimen

Der Schwestern-Mangel in den städtischen Seniorenheimen hat dramatische Folgen: Obwohl mehr als 100 Menschen auf einen Platz warten, stehen allein im Heim Taxham zehn Zimmer leer, weil das nötige Pflegepersonal fehlt. Die Stadt Salzburg sucht jetzt Leasing-Schwestern, um die ärgste Not zu lindern.

"Wir haben keine andere Wahl", berichtet Martin Panosch (Bild), der als Stadt-Vize für die Salzburger Seniorenheime zuständig ist. Der Magistrat prüft derzeit Angebote, um über Leasing-Firmen zusätzliche Diplomschwestern zu bekommen. "Sicher eine Lösung, die aus der Not geboren wurde", sagt Panosch. "Aber wenn's funktioniert, ist damit allen geholfen."

Leere Zimmer und lange Wartelisten
Anlass für die Suche nach Leasing-Schwestern ist der akute Pflege-Notstand in einigen Heimen der Stadt. Allein in Taxham sind gut zehn Zimmer in der Wohnpflege als leer stehend gemeldet. "Das Zimmer meines verstorbenen Vaters ist seit mehr als zwei Monaten unbesetzt", erzählt Frau G. "Das liegt daran, dass diplomiertes Pflegepersonal nicht zu finden ist – darum stehen auch noch zehn weitere Räume leer, obwohl die Wartelisten auf einem Platz in den Heimen endlos lang sind."

Panosch bestätigt das: "Wir wissen, dass das für alle eine völlig unbefriedigende Situation ist. Deshalb hoffen wir ja, dass es mit dem Leasing-Personal klappt. Damit wäre auf einen Schlag Dutzenden Senioren geholfen." Auch zur Kurzzeit-Pflege in Heimen ist noch Personal nötig – so könnten persönliche Dramen verhindert werden, bei denen alte Menschen Leidtragende sind.

Hilfsbedürftige Pensionistin alleine gelassen
Frau T. wohnt in der Nähe der Finanzdirektion. Die 87-jährige Frau wurde Anfang voriger Woche aus dem Spital nach Hause geschickt, wo sie wegen eines Lendenwirbelbruchs behandelt wurde. "Zu früh", wusste die Pensionistin – doch keiner hörte die Warnungen. Sanitäter brachten sie heim und trugen sie in ihre Wohnung im ersten Stock. "Da hockte ich tagelang beim Küchentisch, weil ich mich allein nicht ins Bett legen konnte. Nur zur Toilette habe ich es mit dem Stock geschafft." Am Wochenende schlugen Bekannte der Frau aus Kärnten bei der "Krone" Alarm. Wir informierten Stadtchef Heinz Schaden, der ihr noch am Samstagabend Hilfe vom Roten Kreuz organisierte.

Am Montag erfuhr auch Panosch von dem tragischen Fall und versprach sofort: "Für die Frau finden wir eine Lösung, damit sie für einige Tage eine Kurzzeitpflege bekommt. Da hat sie Zeit, sich zu erholen, bis sie wieder fit genug ist, um in ihre Wohnung zurückzukehren."

von Robert Redtenbacher, Kronen Zeitung

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