Di, 12. Dezember 2017

Anrainer haben Angst

17.08.2010 08:30

Nach Hochwasser in Tumpen: Debatte über Kraftwerksbau

Das Hochwasser in Tumpen (Ötztal) Sonntag früh hat nicht gerade zur Beruhigung all jener Anrainer beigetragen, die Angst vor dem Kraftwerksprojekt der Gemeinde im Ort haben: "Mit einer Staumauer wäre das nicht so glimpflich ausgegangen", sagen sie. Bürgermeister LA Jakob Wolf sieht die Sache nicht so dramatisch.

100 Bewohner des Ortsteiles Tumpen-Ried mussten Sonntag früh evakuiert werden – bzw. haben sich selbst evakuiert. "Es bestand keine behördliche Anordnung zur Zwangsräumung der Gebäude", hält Bürgermeister und VP-Landtagsabgeordneter Jakob Wolf fest.

"Die Feuerwehr hat lediglich die Bewohner über die Situation informiert, nachdem mitten in der Nacht Sirenenalarm gegeben worden war." Die Ötztaler Ache war über die Ufer getreten und hatte die Straße auf 300 Meter unter Wasser gesetzt. Der betroffene Ortsteil war in der Vergangenheit schon mehrmals von Hochwasser schwer in Mitleidenschaft gezogen worden.

Anrainer: "Wir wären wieder geschwommen"
Es ist überdies fast genau jener Bereich, in dem Gemeinde bzw. Tiwag und auch die ÖBB ein Wasserkraftwerk errichten wollen, was bei den Anrainern schwere Bedenken auslöst. "Der Wasserstand der Ötztaler Ache war beängstigend. Wenn da noch eine Staumauer gewesen wäre, dann wären wir wieder geschwommen", bringt Alfred Kuen die Bedenken der Anrainer auf den Punkt.

"Stimmt so nicht", widerspricht Bürgermeister Wolf. "Wir errichten ja keinen Stausee im Ort. Es gibt lediglich eine klappbare Mauer, die bei Niedrigwasser im Winter zum Einsatz kommt und einen minimalen Rückstau verursacht. Bei Hochwasser werden die Klappen umgelegt. Es fließt genauso viel Wasser hinaus wie ohne Kraftwerk." Zumindest gelte das beim Gemeindeprojekt. Die ÖBB wollen sehr wohl eine fixe Staumauer errichten, was mit ein Grund dafür sei, dass er dieses Projekt im Gesamten ablehne.

Wolf für Hochwasserschutz im hinteren Ötztal
LA Wolf spricht sich dafür aus, dass die Tiwag im hinteren Ötztal entweder einen Stausee errichtet oder Bäche ableitet: "Dann wäre die Hochwassergefahr im vorderen Ötztal gebannt!"

von Philipp Neuner, Tiroler Krone
Bild: Die Anrainer mit Alfred Kuen (li.) haben Angst "davonzuschwimmen".

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