Di, 12. Dezember 2017

Neuer Ärger

17.08.2010 18:33

Ex-Hypo-Boss Kulterer hat Millionenschulden

140.000 Euro fanden Ermittler in der Wohnung von Ex-Hypo-Boss Wolfgang Kulterer, der derzeit in U-Haft sitzt. Das Geld, so sagt er, sei für eine Mietvorauszahlung gedacht gewesen, wenngleich die Behörden eher davon ausgehen, dass er damit seine Flucht finanzieren wollte. Doch das Bargeld ist nichts im Vergleich mit den Schulden, die Kulterer offenbar drücken. Laut seinem Anwalt haben Banken Kredite in Millionenhöhe fällig gestellt.

Dass Wolfgang Kulterer seinen Reiterhof und seine Wohnung in Kärnten verkauft hat, war für die Ermittler ein Anzeichen, dass sich der Ex-Hypo-Boss ins Ausland absetzen könnte, schreibt die "Krone". "Die Banken haben die Darlehen fällig gestellt", meint dagegen sein Anwalt. "Er muss schlicht Schulden zurückzahlen."

Diese Schulden belaufen sich laut Anwalt Ferdinand Lanker auf etwa zwei Millionen Euro. "Der reiche Mann ist er nicht", meint der Verteidiger über Kulterer, der als Hypo-Chef einst noch gut 800.000 Euro jährlich und später als Unternehmensberater zumindest 15.000 Euro monatlich kassiert hat.

Teuer gekommen ist den Banker der Bilanzfälschungsprozess: Strafe und Gerichtskosten beliefen sich laut "Krone" auf gut 300.000 Euro. Auch eine Scheidung sowie eine weitere Trennung dürften das Vermögen geschmälert haben. Und jetzt drohen Millionenforderungen. Wie berichtet, will die neue Hypoführung ja von Kulterer Schadenersatz.

140.000 Euro Bargeld sollten für "Mietvorauszahlung" dienen
Im Verhör hat Wolfgang Kulterer sich jetzt auch erstmals zu den 140.000 Euro geäußert, die Sonderermittler bei der Durchsuchung seiner Wohnung gefunden hatten. Das Bargeld lag in einer Geldkassette - mitsamt Dokumenten, die eine Verbindung zum ehemaligen Klagenfurter Vizebürgermeister Siegbert Metelko (SPÖ) nahelegen. Laut Kulterer sei die Summe für eine nötige Mietvorauszahlung für sein neues Wiener Innenstadtbüro bestimmt gewesen.

Vermieter ist der Sohn Metelkos, dem der Ex-Politiker die Immobilie in der Bundeshauptstadt vor einigen Jahren überschrieben hat. Metelko bestätigte, dass ein Mietvertrag mit Kulterer abgeschlossen worden sei. Eine Mietvorauszahlung für zwei Jahre sei aber nicht im Vertrag festgelegt worden.

Vermieter: "Hätte Bargeld sicher nicht akzeptiert"
Metelko: "Die Hausverwaltung hat Dr. Kulterer für August eine ganz normale Mietvorschreibung geschickt, dieser hat dann darum gebeten, dass ausgerechnet wird, wie viel eine Vorauszahlung für zwei Jahre ausmachen würde." Die Hausverwaltung sei diesem Wunsch nachgekommen und habe Kulterer die entsprechenden Unterlagen zugeschickt. "Bis Dienstagvormittag ist aber weder die Vorschreibung für August noch die Vorauszahlung überwiesen worden", sagte Metelko, der betonte, dass er Bargeldzahlungen sicher nicht akzeptiert hätte und daher auch keine Ahnung habe, ob das Geld tatsächlich für die Miete gedacht gewesen sei.

Gegen Dienstagmittag, so Metelko weiter, habe er ein E-Mail des Kulterer-Anwaltes Ferdinand Lanker erhalten. Darin habe Lanker im Namen Kulterers mitgeteilt, dass dessen Zukunft "so ungewiss" sei, dass die Nutzung des neu gemieteten Büros sehr unsicher ist. "Er ersucht daher um Auflösung des Mietvertrages, wir haben in der Familie beschlossen, dass wir dem zustimmen, ohne Ansprüche zu stellen." Kulterer hatte das Büro übrigens deshalb mieten wollen, weil es sich in unmittelbarer Nähe des Wiener Sitzes der Flick-Stiftung befindet, für die er bisher tätig war.

28 Hausdurchsuchungen und 130 Einvernahmen
Wie groß der Hypo-Sumpf tatsächlich ist, belegt unterdessen die Zwischenbilanz des SOKO-Leiters Bernhard Gaber: So gab es bisher 28 Hausdurchsuchungen, 130 Einvernahmen und 200 Kontoöffnungen. Der Chef der vom Finanzministerium eingesetzten "CSI Hypo", Wolfgang Peschorn, spricht schon von einer "kriminellen Vereinigung zu Lasten der Bank und der Steuerzahler".

Insgesamt wird derzeit gegen rund 40 Verdächtige ermittelt, denen unter Umständen auch das U-Haft-Schicksal Kulterers droht. So ist etwa Günter Striedinger einer jener Beschuldigten, die mit einer ganzen Reihe von Vorwürfen konfrontiert werden: Betrug, Untreue, Geldwäsche. "Ich werde für jedes misslungene Geschäft der Hypo auf dem Balkan verantwortlich gemacht", ist der 50-Jährige, für den die Unschuldsvermutung gilt, erbittert.

Er sei sich keiner Schuld bewusst, beteuert er im Gespräch mit der "Krone" abermals. "Wir hatten eine tolle Bank, die binnen Kurzem den Bach runtergegangen ist. Fragen Sie doch unsere Nachfolger in der Hypoführung, wie das passieren konnte", fordert er. Seit Wochen erhalte er keine Akteneinsicht mehr, könne sich nicht wehren. Und dass er "Mitglied einer kriminellen Vereinigung" sein soll, sei eine "lächerliche Behauptung". Mit einer Verhaftung seines ehemaligen Weggefährten Kulterer, zu dem es keinen Kontakt mehr gebe, habe er übrigens nicht gerechnet. "Mich wundert aber schon gar nichts mehr", nimmt er es allerdings recht gelassen – offenbar gemäß der Botschaft auf seinem Leiberl: "Passt schon".

SOKO-Leiter: "Wir arbeiten auf Hochtouren!"
Wie es mit den Hypo-Ermittlungen nun weitergeht, darüber hält man sich in Kärnten bedeckt. SOKO-Leiter Gaber kann jedenfalls weitere Verhaftungen nicht ausschließen: "Wir arbeiten auf Hochtouren. Wie schon seit Beginn!" Zurückhaltend gibt sich auch noch Andreas Lohr, Vorstandsvorsitzender der milliardenschweren Flick-Stiftung, wo Wolfgang Kulterer seine Brötchen verdient. "Wir denken noch nicht an Konsequenzen. Erst müssen wir mit Herrn Dr. Kulterer einmal reden. Noch kennen wir ja alle Vorwürfe nur aus den Medien."

Wichtig sei auch, dass die in Kulterers Büro in Wien beschlagnahmten Stiftungsunterlagen – ein Rechner und Dateien – von der Staatsanwaltschaft wieder rasch retourniert würden. "Die haben ja mit der Hypo-Sache überhaupt nichts zu tun", garantiert Lohr.

von Kerstin Wassermann und Christoph Budin (Kronen Zeitung) und krone.at

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