Mi, 13. Dezember 2017

"Krone"-Interview

14.08.2010 17:18

Hypo-Chef: "Wir fordern auf jeden Fall Schadenersatz"

Während sich im Hypo-Krimi das Netz um die Verdächtigen immer enger zusammenzieht (siehe auch Infobox), wird in der Bank fieberhaft an der schwierigen Sanierung gearbeitet. "Krone"-Redakteur Manfred Schumi sprach darüber mit Gottwald Kranebitter, seit April Vorstandschef der Hypo-Alpe-Adria-Bank.

Krone: Man hat den Eindruck, es tauchen fast jeden Tag neue furchtbare Dinge aus der Hypo-Vergangenheit auf.
Gottwald Kranebitter: Wir sind mit Hochdruck dabei, das alles aufzuarbeiten, jeder Verdachtsfall wird untersucht. Die Anzeigen macht dann die CSI Hypo, mit der wir eng zusammenarbeiten.

Krone: Worum geht es da, Untreue oder Bilanzfälschung?
Kranebitter: Das ist alles sehr komplex, aber ein einfaches Beispiel: Wenn ich als Bank etwas um 30 Millionen verkaufe, obwohl es ein anderes Angebot um 50 Millionen gab, dann müssen schon sehr triftige Gründe für diese Entscheidung vorliegen.

Krone: Was ist für Sie die Konsequenz aus solchen Fällen?
Kranebitter: Dass wir auf jeden Fall Schadenersatz fordern werden, weil die Bank geschädigt wurde. Dazu sind wir als Vorstand verpflichtet.

Krone: Von Kulterer und anderen ehemaligen Mitarbeitern?
Kranebitter: Der Kreis umfasst bis zu 50 Personen, die angezeigt wurden. Es ist jetzt Sache der Gerichte, das aufzuklären.

Krone: Wie hoch ist der Schaden?
Kranebitter: Das lässt sich noch nicht sagen, weil wir noch mitten in der Arbeit sind.

Krone: Ist es unter diesen Umständen überhaupt möglich, "normale" Geschäfte zu führen?
Kranebitter: Es ist sicher nicht leicht. Wir haben uns vorgenommen, die Vergangenheit bis 2011 abzuschließen, damit wir dann nach vorne blicken können. Doch vor Mitte nächsten Jahres werden wir nicht aus der Verlustzone kommen.

Krone: Lässt sich schon abschätzen, wie viel Geld die Hypo heuer noch verlieren wird?
Kranebitter: Wir gehen systematisch alle Geschäfte durch, die größeren haben wir schon gescannt. Für die dabei entdeckten Risken werden wir 2010 eine Milliarde Euro an Rückstellungen bilden. Das ist deutlich mehr als am Jahresanfang geplant.

Krone: Im Vorjahr betrug der Jahresverlust 1,5 Milliarden Euro. Wäre eine Halbierung schon ein Erfolg?
Kranebitter: Er wird deutlich niedriger als 2010 sein, mehr kann ich derzeit dazu nicht sagen.

Krone: Wo verdient die Hypo momentan überhaupt Geld?
Kranebitter: In unseren Kernmärkten Kroatien, Slowenien und Serbien läuft es trotz Wirtschaftskrise gut. In Bosnien und in Österreich ist es schwieriger. Italien müssen wir verkaufen, das hat uns die EU wegen der Staatshilfe vorgeschrieben. In den anderen Ländern, aus denen wir uns zurückziehen, machen wir bereits kein Neugeschäft mehr.

Krone: Die Hypo sitzt auf 385 Beteiligungen, riesigen Immobilienbeständen, ein Drittel davon in Kroatien. Ist da noch Geld zu holen?
Kranebitter: Das zählt alles nicht zu unserem Kerngeschäft. Doch oft ist es so, dass ein sofortiger Verkauf Vermögen vernichten würde. Da müssen wir manchmal sechs oder 12 Monate oder länger warten, um Projekte herzurichten oder so weiterzuentwickeln, dass wir eine optimale Lösung finden.

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