So, 17. Dezember 2017

Sommergespräch

14.08.2010 10:38

Zangerl: "Die AK ist zur Überlebens-Kammer geworden"

"Strand, die Sandburg, Pool!" Das ist für AK-Präsident Erwin Zangerl auch heuer wieder das Motto bei seinem zehntägigen Familienurlaub im italienischen Bibione gewesen. Doch jetzt ist er wieder im Lande und nimmt sich wieder voller Elan "seinen" Arbeitnehmern an. "Die Arbeiterkammer wurde in den letzten Jahren eine Lebens-Kammer. Leider werden wir für immer mehr eine Überlebens-Kammer", sagt Zangerl beim "Krone"-Sommergespräch.

Wie ist das zu verstehen? „Es gibt immer mehr Menschen im Land, die sich das Leben nicht mehr leisten können. Und diese Menschen kommen zu uns“, erklärt AK-Chef Zangerl. Er warnt daher vor den angedachten Massensteuern: "Wenn man den Arbeitnehmern den Gürtel noch enger schnallt, dann bleibt ihnen die Luft weg. Und dann bricht der ganze Staat zusammen!" Dass Tirol die Krise mit einem blauen Auge überstanden habe, sei nicht nur der Wirtschaft, sondern vor allem den Arbeitnehmern zu verdanken: "Sie haben trotz Krise weiter investiert und konsumiert und so die Wirtschaft angetrieben! Die Politik muss nun aufhören, ständig die Hand zu prügeln, die den Staat füttert!"

Zangerl erwähnt im Zusammenhang mit der Krise auch die vielen Klein- und Kleinstbetriebe, die natürlich ebenfalls ihren Beitrag dazu geleistet hätten, dass Tirol trotz der Krise noch immer so gut dastehe: "In den kleinen Betrieben müssen auch die Chefinnen und Chefs voll mitbuggeln. Und die sehen ihre Mitarbeiter im Gegensatz zu den Vorständen namenloser Großgesellschaften nicht nur als Kostenfaktor!"

Problem Leiharbeiter
Als großes Problem sieht er in diesem Zusammenhang auch die steigende Zahl der Leiharbeiter: "Das ist der Tod der Gesellschaft und verbaut den Menschen jegliche Zukunftschancen. Wie soll eine Gesellschaft funktionieren, wenn ich heute nicht weiß, wie und wann ich in den nächsten Woche arbeiten muss?", zeigt der AK-Präsident auf. Mit Leiharbeitern könne man die Spitzen abdecken, aber auf keinen Fall das Stammpersonal ersetzen.

"Wir bewegen uns wieder auf das Mittelalter zu, wo es Sklaven, Knechte, Mägde und Leiharbeiter gab. Das muss die Bundespolitik schnellstens unterbinden", fordert AK-Präsident Erwin Zangerl.

Gegen Zuwanderung
Wie sieht er Spindeleggers Ruf nach einer qualifizierten Zuwanderung? "So lange wir so viele Arbeitslose haben, müssen wir uns um die kümmern. Erst wenn diese versorgt sind, dann können wir über Zuwanderung reden!" Und noch ein Wort zu den Arbeitslosen: "Arbeitslosigkeit ist kein Vergnügen - doch das versuchen einige immer so darzustellen!"

Stichwort: Tiroler Landespolitik
Ist Zangerl zufrieden? "Sagen wir einmal so: Die Landesregierung ist sehr bemüht. Das neue Kinderbetreuungsgesetz zum Beispiel ist gut gelungen." Zufrieden ist er damit, dass es nun auch beim Land angekommen ist, dass es Armut im Land gibt - eine Debatte, die von der AK angezettelt wurde. "Und nicht jede Armut ist selbst verschuldet - auch das wird immer wieder von einigen behauptet!"

Er verweist in diesem Zusammenhang auch auf die mittlerweile acht Tiroler Sozialmärkte: "Die Anzahl der Berechtigten, die in diesen Geschäften günstiger einkaufen dürfen, ist von 200 auf mittlerweile 3.000 gestiegen."

Auch Alimente zahlen
Als Erfolg wertet er auch die Abschaffung des Kinderregresses: „Das war auch einer unserer Forderungen. Der Erfolg hatte am Ende aber wie so oft viele Mütter und Väter. Damit hab ich kein Problem, doch ich hoffe nun nur, dass diese Mütter und Väter auch da sind, wenn es um die Alimente geht“, spielt Zangerl auf immer lauter werdende Stimmen an, die nach einer Wiedereinführung des Kinderregress schreien.

Geld richtig verteilen
Als große Nagelprobe sieht er das Landesbudget für 2011. „Wie können wir das vorhandene Geld – und Geld ist ja genügend vorhanden, die Kassen sind ja nicht leer – für einen Ausgleich in der Gesellschaft verteilen?“ – das ist für Zangerl die alles entscheidende Frage.

Auch das teure Wohnen brennt Zangerl unter den Nägeln: „In manchen Gegenden reicht eine Generation schon gar nicht mehr aus, um sich Eigentum zu erwerben.“ Sprich, die Kinder müssen noch das Elternhaus abbezahlen. „Und in manchen Dörfern werden Arbeitnehmer an die Randgebiete gedrängt, weil sie sich ein Haus im Ort nicht mehr leisten können“, weiß Zangerl.

Tipp für den Landtag
Einen abschließenden Tipp hat AK-Präsident Zangerl auch noch für die Damen und Herren Abgeordneten zum Tiroler Landtag: "Die sollten dringend darauf schauen, dass sie ein wenig berühmter werden. Sprich, sie müssen wieder mehr zu den Leuten hinaus. Dann würden sie die Sorgen der Menschen kennen lernen - und dann würde mancher Antrag, manche Debatte und manche Abstimmung im Landtag vielleicht ganz anders aussehen."

von Markus Gassler, Tiroler Krone

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