Mo, 11. Dezember 2017

Unwetter-Chaos

14.08.2010 12:26

Schwere Gewitter mit starkem Regen und Airport-Sperre

Schwere Gewitter mit enormen Regenmengen sind in der Nacht auf Samstag über den Osten Österreichs gezogen. Zahlreiche Blitze gingen nieder, Starkregen und Sturmböen mit Spitzenwerten von 60 km/h behinderten den Straßenverkehr. Der Flughafen Schwechat musste ebenfalls vorübergehend gesperrt werden. Die enorme Anzahl an Blitzen sorgte zudem für einige Brände, wie beispielsweise im Bezirk Wiener Neustadt (Bild links).

 Einer von den zahlreichen Blitzen, die in der Nacht auf Samstag in Niederösterreich einschlugen, ließ in Lichtenegg (Bezirk Wiener Neustadt) einen Stall in Flammen aufgehen. Acht Feuerwehren bekämpften unter widrigen Bedingungen das Feuer – das Gebäude war jedoch nicht mehr zu retten und brannte bis auf die Grundmauern nieder.

Kühe wurden aus brennendem Gebäude gerettet
26 Kühe aus dem Stall konnten im letzten Moment noch ins Freie getrieben werden. Trotz der enormen Regenmassen von oben herrschte auf dem landwirtschaftlichen Gelände ein Mangel an Löschwasser. Die Florianis mussten daher mit Tanklöschfahrzeugen einen Pendelverkehr einrichten. Das Wohnhaus neben dem brennenden Stall konnte dank des raschen Einsatzes der Helfer schließlich vor den Flammen geschützt werden.

Weitere Brände gab es auch in der Burg Hardegg (Bezirk Hollabrunn), in einem Heurigenlokal in Höflein (Bezirk Bruck an der Leitha) einem Bauernhof in Großweikersdorf (Bezirk Tulln) und in Eggenburg (Bezirk Horn), wo ein Strommast betroffen war. Das Feuer im Westturm der Burg Hardegg war am Samstag gegen 2 Uhr entdeckt worden. Laut Resperger stand der Dachstuhl zum Teil in Flammen. Das Feuer wurde rasch gelöscht. Bereits gegen 2.30 Uhr hieß es "Brand aus". Die Höhe des entstandenen Schadens war vorerst nicht bekannt. Verletzt wurde niemand.

Durch einen Blitz, der neben dem Rauchfang eingeschlagen hatte, brach am Freitag kurz nach 22.10 Uhr auf dem Dach eines derzeit nicht in Betrieb befindlichen Heurigenlokals in Höflein ein Brand aus. Die Löscharbeiten dauerten etwa eine Stunde. Der entstandene Sachschaden wurde von der Polizei als erheblich bezeichnet. Zu Bränden durch Blitzschläge kam es Resperger zufolge außerdem auf einem Bauernhof in Großweikersdorf (Bezirk Tulln) und in Eggenburg (Bezirk Horn), wo ein Strommast betroffen war.

Extrem viele Blitze laut ZAMG
Rund 10.000 Blitze gab es im Osten Österreichs, berichtete die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), auffallend war vor allem der hohe Anteil der Erdblitze. "Es war ein mächtiger Gewitterkomplex, der aus Südosten kam und vor allem das Burgenland, das südliche Niederösterreich und Wien traf", teilte eine ZAMG-Mitarbeiterin mit. Es habe sich zwar einige Stunden zuvor bereits abgezeichnet, dass sich etwas Großes zusammenbraut. "Dass es so heftig wird, konnte man sich nicht erwarten." Ein Gewitter, das Freitagmittag über Wien niederging, führte dem Unwetterkomplex in diesem Fall weitere feuchte Energie zu und machte ihn noch kräftiger.

Weniger spektakulär sah die ZAMG die Regenmengen: 60 Liter pro Quadratmeter waren es in Gumpoldskirchen, 47 in Wien-Unterlaa und 43 in Eisenstadt. Auch die Sturmböen hielten sich laut ZAMG eher in Grenzen - die Florianijünger wurden dennoch in der Nacht ordentlich auf Trab gehalten.

Feuerwehren im Dauereinsatz
Starkregen hatte zahlreiche Überflutungen zur Folge. Die Feuerwehren verzeichneten 280 Einsätze, etwa die Hälfte davon im Bezirk Baden, teilte Franz Resperger, Sprecher des Landeskommandos, mit. Auch die Bezirke Wiener Neustadt, Mödling, Wien-Umgebung, Bruck an der Leitha und Gänserndorf waren stark betroffen, die Feuerwehren mussten vor allem Auspumparbeiten durchführen.

Neuerliche Unwettereinsätze gab es in Zellerndorf (Bezirk Hollabrunn), das erst am vergangenen Wochenende von Überflutungen heimgesucht worden war. Keller wurden unter Wasser gesetzt, so Resperger. Fünf Feuerwehren rückten aus. Die Pulkau trat nicht über die Ufer. In Obermarkersdorf (Bezirk Hollabrunn) stürzte ein Telefonmast auf die L1065. Während des Unwetter hatte sich die Halterung gelöst, berichtete die Sicherheitsdirektion. Die Feuerwehr beseitigte die Behinderung.

Festzelt wurde beinahe vom Sturm weggeweht
Dramatisch ging es in Weinsteig in der Gemeinde Großrußbach (Bezirk Korneuburg) zu. Dort hob ein Gewittersturm am späten Freitagabend ein 25 mal 60 Meter großes Festzelt der Landjugend um bis zu einen dreiviertel Meter an und riss die Bodenanker aus, so die Sicherheitsdirektion. Die Organisatoren reagierten sofort und brachen die Veranstaltung ab. Verletzt wurde niemand. An dem Zelt entstand erheblicher Sachschaden.

Mehrere Straßen wegen Überflutungen und Muren gesperrt
Wegen Überflutung war die Unterführung auf der S1 zwischen Mannswörth und Schwechat-Ost (Bezirk Wien-Umgebung) vorübergehend unpassierbar, teilte die Sicherheitsdirektion mit. Kurz nach Mitternacht musste auch der Knoten Vösendorf gesperrt und der Verkehr auf die A23 umgeleitet werden. Um 2.20 Uhr wurde die Richtungsfahrbahn Vösendorf, etwa 20 Minuten später auch die Richtungsfahrbahn Schwechat wieder für den Verkehr freigegeben.

In Bad Erlach (Bezirk Wiener Neustadt) ging eine Mure auf die L142 ab. Die Feuerwehr rückte mit einem Radlader aus, um die Erdmassen zu beseitigen. In Guntramsdorf (Bezirk Mödling) wurde die L2098 überflutet und musste vorübergehend gesperrt werden.

17 Flüge umgeleitet
Auch der Flughafen Wien in Schwechat war etwa eine Stunde wegen des Unwetters gesperrt. Das traf vor allem die Austrian Airlines, die 17 Flüge vorwiegend nach Linz, aber auch nach Graz umleiten mussten, wie ein Sprecher erklärte. Die Kurse landeten in der Folge mit eineinhalb bis zwei Stunden Verspätung - und den Passagieren - in Schwechat. Verzögerungen bis zu zweieinhalb Stunden habe es auch bei drei Abflügen gegeben. Durch das Unwetter im Osten kam es am Linzer Flughafen vorübergehend zu Hochbetrieb: Es landeten wegen der Umleitungen elf Maschinen im Zwei-Minuten-Takt.

Unwetter noch nicht überstanden
Die Gewittergefahr dürfte das gesamte Wochenende über ein Begleiter bleiben. Neben zwischenzeitlichem Sonnenschein kann es immer wieder zu Regenschauern kommen.

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