Mi, 13. Dezember 2017

Österreich-Studie

12.08.2010 10:37

Unzufriedenheit über Einkommen und "Erbvorteil"

Das Einkommen und die "geerbten" Vor- und Nachteile sind der Bereich, mit dem die Österreicher in ihrem Leben am wenigsten zufrieden sind: Nur jeder Sechste bezeichnet sich als "sehr zufrieden" mit dem, was er oder sie verdient. Wesentlich besser sieht es in den Bereichen Soziales (42 Prozent "sehr zufrieden"), Wohnen (41 Prozent), Gesundheit (37 Prozent) und Freizeit (32 Prozent) aus, wie eine Studie des Zukunftsforschers Reinhold Popp mit 2.000 befragten Österreichern ergab. Zwei Drittel glauben zudem an einen "Erbvorteil" in Sachen Karriere und Lebensqualität.

Obwohl die Österreicher zu den einkommensstärksten Bürgern der EU gehören, ist die Zufriedenheit mit dem Einkommen verhältnismäßig gering - und in den letzten Jahren sogar noch auffallend geschrumpft. Mit ihren Arbeitsbedingungen an sich sind die Bewohner der Alpenrepublik allerdings zufrieden: 90 Prozent zeigen sich durchaus zufrieden - damit zählt Österreich zu den Ländern Europas mit überdurchschnittlich hoher Arbeitszufriedenheit.

Mit ihrer Tätigkeit selbst sind 40 Prozent "sehr zufrieden", weitere 38 Prozent "zufrieden", so die Studie des Zukunftsforschers der Fachhochschule Salzburg, die sich auf 2.000 Direktinterviews unter Österreichern stützt. Lediglich vier Prozent sind in ihrem Job "wenig zufrieden" und nur zwei Prozent "sehr unzufrieden".

50 Prozent arbeiten Vollzeit und mehr
Eine Schlüsseldimension nimmt auch die Arbeitszeit ein: Nur 50 Prozent der Österreicher arbeiten zwischen 37 und 40 Stunden pro Woche, die anderen 50 Prozent großteils weniger, ein paar aber auch mehr. Lange Arbeitszeiten haben eindeutige Nachteile: Arbeitnehmer berichten, dass es ihnen kaum gelingt, das Familien- und Privatleben mit ihrer Arbeit in Einklang zu bringen, so Popp. Auch die negativen gesundheitlichen Folgen seien den Langarbeitern bewusst. Arbeiten außerhalb der Normalarbeitszeit (Abende, Wochenende) wirken sich generell schlecht auf die Lebensqualität aus.

80 Prozent ihrer Lebensenergie verwenden die Österreicher für Familie und Freundeskreis, gleich dahinter folgen die berufliche Arbeit (65 Prozent) - wobei Männer mehr dafür verbrauchen als Frauen, die diese für Familie und Wohnen aufbringen - und Freizeit (60 Prozent). Während die Jungen bis 29 Jahre die meiste Energie der Bildung, Freizeit und den Freunden widmen, stehen bei den über 60-Jährigen Familie/Freunde und Gesundheit im Vordergrund. Und je höher die Sozialschicht desto höher das Aktivitätsniveau - in allen Bereichen.

Zwei Drittel glauben an "Erbvorteil"
Zwei Drittel der Befragten gehen davon aus, dass die Menschen unseres Landes bei der Geburt mit sehr ungleichen Chancen ins Leben starten. Für den wichtigsten Startvorteil sorgt ein guter finanzieller Background der Eltern, wovon 91 Prozent der Befragten überzeugt sind. Nur 13 Prozent meinen, dass Kinder aus einfachen Verhältnissen in den nächsten zwei Jahrzehnten die gleichen Bildungschancen haben werden wie Kids aus Akademikerfamilien.

Da sich nach Meinung der Befragten an den ökonomischen und bildungsbezogenen Rahmenbedingungen des Lebens nicht viel ändern wird, wird große Hoffnung in die eigenen Leistungen sowie in das Netzwerk von Familie und Freunden gesetzt. 68 Prozent stimmen der Aussage zu "Mit Fleiß lässt sich jeder Startnachteil aufholen".

Zukunftsoptimismus nimmt mit dem Alter ab
Was die Zukunftsperspektiven betrifft, sind die Österreicher überwiegend positiv gestimmt: 14 Prozent sind "sehr optimistisch" und 58 Prozent "eher optimistisch". Auffallend ist, dass der Optimismus der Menschen mit zunehmendem Alter eher geringer wird, denn die 45- bis 60-Jährigen sind viel pessimistischer als ihre jüngere Landsleute. Insgesamt halten es mehr als 70 Prozent zudem für wahrscheinlich, dass Sozialleistungen abgebaut werden.

Überraschend ist das Ausmaß, was die Planung der zukünftigen Lebensqualität anbelangt, denn dass sie von Jahr zu Jahr abnimmt, ist zu erwarten. Bereits für die Zeit in fünf Jahren hat mehr als die Hälfte der Österreicher nur mehr unklare bzw. völlig unklare Bilder von der Qualität des eigenen Lebens. Beim Blick auf eine Zeitspanne von zehn Jahren sind dies bereits drei Viertel.

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