Sa, 16. Dezember 2017

Unsichere Zeiten

11.08.2010 08:54

Fidel scheint wieder gesund - aber Kuba schwächelt

Vor gut eineinhalb Jahren hatte Kubas Revolutionsführer Fidel Castro resigniert angekündigt, dass sein Leben wohl nicht mehr lange dauern würde. Jetzt wird er 84 und ist präsent wie seit vier Jahren nicht mehr - so lange hatten die Kubaner ihren kranken Revolutionsführer nur auf Fotos und Videos zu sehen bekommen. Doch seit einem Monat zeigt er sich fast jeden zweiten Tag in olivgrüner Uniform oder im Freizeithemd in der Öffentlichkeit, er empfängt Gäste und gibt Interviews.

Und der "Maximo Lider" hat nur eine Botschaft: Der Welt droht der Untergang durch einen Atomkrieg, an dem die USA die Schuld tragen würden. "Es ist der Augenblick gekommen, an dem weder die Imperien noch die Revolutionäre ihre Ziele mit Waffen erreichen können", sagte er am vergangenen Wochenende venezolanischen Journalisten, wie das offizielle Portal der kubanischen Regierung Cubadebate berichtete. "Die beste Art, Frieden und Verständigung zu erzielen, ist es, den Einsatz von Waffen um jeden Preis zu verhindern", betonte er.

Möglicherweise sagte er das auch mit Blick auf die Auseinandersetzung zwischen dem mit ihm befreundeten Venezuela und dem mit den USA verbündeten Kolumbien. Diese beiden Länder haben nun begonnen, ihren Dauerdisput um die Anwesenheit von US-Truppen in Kolumbien und kolumbianischen FARC-Rebellen in Venezuela mit Verhandlungen beizulegen (siehe dazu Story in der Infobox). Noch vor wenigen Tagen hatte Venezuelas Präsident Hugos Chavez Truppen an die gemeinsame Grenze geschickt. Er hatte behauptet, Nachbar Kolumbien bereite gemeinsam mit den USA einen Krieg gegen Venezuela vor.

Kein Wort zur innenpolitischen Lage …
Castro kritisierte während seiner zahlreichen Auftritte wie gewohnt "das Imperium" USA, aber auch den Kapitalismus, der nicht geeignet sei, die Probleme der Welt zu lösen. Das ist auch der einzige Bezug zur kubanischen Innenpolitik: Kuba bleibt nämlich, so Fidel Castro, ein sozialistischer Staat, auch über seinen und den Tod seines Bruders Raul hinaus, der die Führung des Landes vor vier Jahren übernommen hatte.

Denn aus der Innenpolitik hat sich der greise "Maximo Lider" vollkommen zurückgezogen. Er hat sich nicht zu der Anfang Juli begonnenen Aktion der Freilassung und Ausweisung von 52 politischen Häftlingen geäußert. Unter seiner Herrschaft waren sie im Jahre 2003 festgenommen und zu hohen Haftstrafen verurteilt worden. Fidel Castro und mit ihm die kubanische Regierung sehen in Andersdenkenden und Oppositionellen Spione und "Söldner" der USA.

... oder den wirtschaftlichen Problemen
Auch zu den wirtschaftlichen Problemen Kubas, das er 47 Jahre beherrscht hatte, ehe er im Sommer 2006 erkrankte, hat Fidel nichts mehr gesagt. Bis zu seiner Erkrankung war das undenkbar. In Kuba wurde keine wichtige Entscheidung ohne ihn gefällt. Er mischte überall mit, von der Zuckerrohrernte über die Ölförderung bis zur Einfuhr von Energie-Sparlampen. Das ist jetzt die Aufgabe seines fünf Jahre jüngeren Bruders Raul, der in all den Jahrzehnten Fidels Stellvertreter war. Und doch scheint der große Bruder noch immer im Hintergrund die Fäden zu ziehen oder einfach nur wegen seiner Autorität als Übervater zu verhindern, dass seine Nachfolger dem wachsenden Reformdruck nachgeben könnten.

Als er vor zweieinhalb Jahren von der Nationalversammlung zum Präsidenten bestimmt wurde, sagte Raul, er bitte das Parlament, ihm zu gestatten, in wichtigen Fragen auch weiterhin den "Comandante" zu konsultieren. Die damals versprochenen Veränderungen zum Wohl der Menschen im Alltag wurden unter anderem aus Mangel an Geld auf Eis gelegt. Jetzt soll mehr Privatinitiative Kubas Wirtschaft retten, ohne den Sozialismus zu gefährden. Die Meinung Fidels zu diesen Reformen kennt außerhalb des engsten Machtzirkels niemand.

Auch der Druck, politische Reformen zu wagen, wird größer. Zuletzt forderte die katholische Kirche, die zur Vermittlerin zwischen Opposition und Regierung geworden ist, den Menschen mehr Freiheiten zu gewähren. Und in den Jahren der Krankheit Fidels ist in Kuba eine kleine, aber sehr aktive oppositionelle Bloggergemeinde entstanden, die nicht mehr auf die Informationen der Regierung angewiesen ist.

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