Do, 14. Dezember 2017

Russland-Chaos

11.08.2010 09:09

"Brandmeister" Putin ++ Feuer in verseuchtem Gebiet

Russlands Premier Wladimir Putin hat sich im Kampf gegen das flammende Inferno als oberster Brandmeister mit einem Einsatz in einem schweren Löschflugzeug mächtig in Szene gesetzt. Der Ex-Kremlchef löschte am Dienstag als Co-Pilot eines Wasserflugzeugs zwei Waldbrände aus der Luft. Indes bestätigten die Behörden erstmals, dass das Feuer bereits in radioaktiv verseuchten Gebieten wütete.

Putin pflegt in den Medien gerne sein männliches Image - als halbnackter Angler, Reiter, Judoka sowie als Motorradfan in Lederkluft und Tigerbändiger. Beobachter sehen die Auftritte des 57-Jährigen in der größten Brandkatastrophe der russischen Geschichte vor allem als Beginn seines möglichen Kampfes um die Rückkehr in den Kreml. 2012 wird in Russland wieder ein Präsident gewählt - und Putin gilt als der mit Abstand beliebteste Politiker.

Während des halbstündigen Einsatzes im Gebiet Rjasan südöstlich von Moskau half Putin auch, mehrere Tonnen Wasser für die Löscharbeiten aus der Oka abzupumpen.

Brände in verseuchten Gegenden bestätigt
Indes wurde bekannt, dass die radioaktive Gefahr durch die Brände wohl doch schlimmer ist, als bisher von den Behörden eingeräumt. Dass es in den von der Atomkatastrophe in Tschernobyl 1986 verseuchten Gebieten mehr gebrannt hat als bisher offiziell zugegeben, bestätigte am Mittwoch die Waldschutzbehörde. Allein in den Wäldern des stark kontaminierten Gebiets Brjansk habe es 28 Brände gegeben, diese seien aber inzwischen gelöscht.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hatte die Behörden aufgefordert, die Wahrheit über das Ausmaß der Strahlengefahr zu sagen. "Die Situation ist schwierig, aber stabil und kontrollierbar", sagte der Leiter der Forstverwaltung von Brjansk, Wladimir Kotenkow. Im Moment gebe es keine neuen Brandherde. Allein im Gebiet Brjansk hatten Brände auf einer Fläche von 269 Hektar gewütet. In der Region nahe der Grenze zu Weißrussland und der Ukraine sind die Menschen wegen des mangelnden Informationsflusses seit Tagen besorgt um ihre Gesundheit.

"Es gibt Karten, auf denen die radioaktive Verschmutzung zu sehen ist, und es gibt Karten, auf denen die Feuer zu sehen sind. Wenn man diese Karten aufeinanderlegt, wird jedem klar, dass es in radioaktiven Gebieten brennt", teilte die Waldschutzbehörde mit. Sie bestätigte damit Angaben von Greenpeace, nach denen die Lage besorgniserregend sei. Russlands oberster Amtsarzt Gennadi Onischtschenko sowie die lokale Zivilschutzbehörde hatten noch am Dienstag behauptet, es gebe keine Feuer im Raum Brjansk.

Auch in anderen Regionen mit radioaktiver Strahlung habe es gebrannt, etwa in der Gegend von Tscheljabinsk am Ural, räumte die Behörde ein. Dort befinden sich mehrere Atomanlagen. Die Aktivisten warfen den Behörden vor, die Bevölkerung über die radioaktive Gefahr im Unklaren zu lassen. Das russische Zivilschutzministerium kündigte nun an, erneut Sondereinsätze mit Löschflugzeugen zu fliegen - unter anderem auch um die Atomanlagen in Sarow im Gebiet Nischni Nowgorod und Sneschinsk im Gebiet Tscheljabinsk am Ural.

Experten geben Entwarnung für Österreich
Experten warnen davor, dass die Feuer und Winde sowie die Löscharbeiten verstrahlte Partikel aufwirbeln könnten. "Unter besonderen Bedingungen bei starkem Wind können die Partikel bis nach Moskau und Osteuropa fliegen", sagte der Ökologe Alexej Jablokow von der Russischen Akademie der Wissenschaften. Diesbezüglich versicherte Gerhard Wotawa von der ZAMG in Wien: "Die Wolken kommen bei Weitem nicht zu uns." Selbst wenn sie nach Österreich gelangen sollten, sei keine Gesundheitsgefährdung zu befürchten. Die entsprechenden Werte wären dann nur für die Wissenschaft interessant.

Kampf gegen Flammeninferno geht weiter
Die russischen Rettungskräfte bekommen die verheerenden Waldbrände auch nach Wochen nicht in den Griff. Innerhalb eines Tages seien 290 neue Feuer ausgebrochen, teilte das Zivilschutzministerium in Moskau mit. Allerdings seien auch mehr als 300 Brände gelöscht worden. Die Rekordhitze mit Temperaturen weit über 30 Grad dauert schon seit mehr als zwei Monaten an, ohne dass es wesentlich geregnet hätte. In Moskau entspannte sich die Lage, der giftige Qualm von den Torfbränden rund um die Metropole verzog sich vorerst. Allerdings lodern noch immer zahlreiche Feuer in der Nähe der Hauptstadt. Meteorologen sagten voraus, dass sich die Situation in den kommenden Tagen erneut verschlimmern könnte.

Bei den Bränden kamen nach offiziellen Angaben 54 Menschen ums Leben. Die das Flammeninferno begleitende Jahrhundert-Hitze und die schwere Dürre haben Russland in eine schwere ökologische, wirtschaftliche und humanitäre Katastrophe gestürzt. Die Schäden werden auf einen zweistelligen Milliarden-Euro-Wert geschätzt.

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