Fr, 15. Dezember 2017

Notrutschen-Abgang

11.08.2010 11:26

Ausgerasteter Steward als "Held der Ausgebeuteten"

Nach seinem aufsehenerregenden Abgang über die Notrutsche eines Flugzeuges muss sich der US-Flugbegleiter Steven Slater nun vor Gericht verantworten. Dem 38-Jährigen, der wegen einer uneinsichtigen Passagierin völlig entnervt aus einem Jet der Billig-Airline "JetBlue" geflüchtet war, drohen nun bis zu sieben Jahre Haft. Im Internet wird er indes als "Held der Ausgebeuteten" gefeiert.

Staatsanwalt Richard Brown sagte zur Begründung, Slater hätte mit dem Herunterlassen der Notrutsche Mitglieder des Bodenpersonals leicht verletzen oder töten können. Die Rutsche knallt samt Tür ohne Vorwarnung binnen Sekunden zu Boden. Im Falle einer Verurteilung wegen fahrlässiger Gefährdung anderer muss Slater mit einer Haftstrafe von bis zu sieben Jahren rechnen.

Der 38-Jährige tauchte am Dienstagabend mit einem Lächeln im Gesicht bei der ersten Gerichtsanhörung (Bild links) auf. Er hinterlegte 2.500 Dollar Kaution und ging - mit einem Dutzend Kameraleuten als Begleitung - wieder nach Hause.

Spektakulärer Ausraster nach der Landung
Der Steward hatte nach der Landung eines Fluges von Pittsburgh nach New York die Nerven verloren, weil sich eine Passagierin trotz aller Aufforderungen vor dem bekannten "Erreichen der endgültigen Parkposition" abschnallte und dann das Gepäckfach über ihrem Sitz zu durchwühlen begann. Slater bekam während der Debatte mit der Dame auch noch einen Koffer auf den Kopf. Bereits nach dem Einstiegen soll die Frau den Flugbegleiter beschimpft haben und mit einer anderen Passagierin um den Platz im Fach gestritten haben.

Wutentbrannt rannte er Slater nach dem Eklat zum Heck der Maschine, stieß über das Bordmikrofon lautstark Beleidigungen gegen die Frau und über die Unbelehrbarkeit von Fluggäste im Allgemeinen aus. Mit dem Satz "Mir reicht's" (engl.: "I've had it!") ergriff er eine Dose Bier und verließ das Flugzeug über die Notrutsche. Er fuhr schnurstracks nach Hause, wo er dann wenige Stunden später von der Polizei festgenommen wurde.

"Er hätte die Alte aus dem Flieger werfen sollen"
Im Internet schlägt Slater indes eine Welle der Sympathie entgegen. Er wird - unter Berufung auf die oftmals miesen Arbeitsbedingungen bei Billigfluglinien - als "Held der Ausgebeuteten" gefeiert, der mit seinem Notrutschen-Abgang eine der "spektakulärsten Kündigungen der Geschichte" hingelegt habe. "In Wahrheit hätte er die Alte mit ihrem Koffer aus dem Flugzeug werfen sollen", lautet etwa ein Kommentar auf einer Facebook-Fanseite für den 38-Jährigen, die mittlerweile mehr als 20.000 Mitglieder hat.

Die Schuld an Slaters Ausraster gibt man den Low-Cost-Carriern, die ihre Flugzeuge angesichts sinkender Passagierzahlen in der Wirtschaftskrise immer möglichst voll besetzt fliegen, während gleichzeitig die Anzahl der Flugbegleiter reduziert wird.

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