Fr, 15. Dezember 2017

Gebäude evakuiert

11.08.2010 12:25

Hauseinsturz in Ottakring offenbar wegen Baupfuschs

Erneut ist es bei einem Haus in Ottakring zu einem Einsturz gekommen. Bei dem Gebäude in der Hasnerstraße rutschte am Dienstagnachmittag eine vom zweiten Stock in den Keller führende Stiege einfach weg. Das halbe Stiegenhaus des vierstöckigen Gründerzeithauses fehle nun, berichten Augenzeugen. Der außen frisch sanierte Bau wurde aus Sicherheitsgründen evakuiert. Als Ursache gilt Pfusch beim Anbau eines Liftes, der offenbar dieser Tage vollzogen werden sollte.

Nachdem zunächst eine Kellerwand in der Hasnerstraße 93 bis zur Höhe des Erdgeschoßes eingestürzt war, brach dann auch die Wand bis zur Decke des zweiten Obergeschoßes in sich zusammen. Wie durch ein Wunder gab es keine Toten oder Schwerverletzten. Ein Mann erlitt nach Angaben der Polizei leichte Verletzungen. "Mein Opa war zu langsam, ich sah ihn in die Tiefe stürzen", so Murat Orhan (28), Bewohner des Hauses, zur "Krone". Und er setzte nach: "Ich will nicht mehr zurück."

Haus bleibt vorerst unbewohnbar

Die Bewohner des Hauses wurden aus Sicherheitsgründen evakuiert und in einer Notunterkunft untergebracht. Sie müssen sich bis zum Vorliegen der Untersuchungsergebnisse mit der Rückkehr in ihre Wohnungen gedulden. Rund um das Eckgebäude mit neuem Dachausbau sorgte der Einsatz von Feuerwehr und Rettung für Aufsehen. Zahlreiche Schaulustige hatten sich eingefunden.

"Im Moment ist es nicht abzuschätzen, wie lange es nicht benutzbar sein wird", erklärte Gerhard Cech, Leiter der Wiener Baupolizei. Derzeit untersuchen Statiker noch das Gebäude. Es bestehe weiterhin die akute Gefahr, dass das Stiegenhaus bis ins oberste und vierte Obergeschoß abbricht. Geduld sei nun bei den Bewohnern angesagt. 30 Personen sind vorerst hauptsächlich bei Verwandten und Freunden untergekommen. Zwei Mieter wurden in ein Hotel gebracht. Bis zur vollständigen Reparatur stellt die Stadt Wien auch Notfallwohnungen zur Verfügung.

Baupolizei: "Fundament nicht ordnungsgemäß abgesichert"

Als Ursache wurde bereits am Mittwoch eine Kombination aus dem schlecht angebauten Stiegenhaus des über 100 Jahre alten Gründerzeit-Gebäudes und Fehler der Baufirma ausgemacht. "Das Fundament wurde bei den Bauarbeiten nicht ordnungsgemäß abgesichert", heißt es vonseiten der Baupolizei. Die Arbeiter hätten wohl die Situation und den Gebäudezustand nicht richtig eingeschätzt. Denn ohne den Liftzubau wäre es zu keinem Zwischenfall gekommen, war sich der Leiter der Baupolizei sicher. "Entsprechende Strafanträge wegen Überschreitung der Bauordnung werden bereits vorbereitet."

Was die Bewohner erzürnt, ist die Tatsache, dass sich der Einsturz gleichsam abgezeichnet hatte. "Die Ziegel waren seit Jahren porös, aus der Wand schoss oft Wasser, aber die Hausverwaltung hat nichts getan", so eine Mutter zur "Krone". Die Stellungnahme der Eigentümerfirma: "Wir haben das Objekt erst kürzlich übernommen. Sofort nach dem Kauf begannen wir mit der Renovierung."

Schon dritter Einsturz in knapp zwei Wochen

Erst Ende Juli ist in der Kendlerstraße im Wiener Bezirk Penzing ein Teil eines zweistöckigen Wohnhauses aus der Gründerzeit eingestürzt. Am 4. August erforderte dann der teilweise Einsturz einer Hausmauer in der Lorenz-Mandl-Gasse in Ottakring einen Feuerwehreinsatz (Berichte siehe Infobox).

von Gregor Brandl und Andi Schiel (Kronen Zeitung) sowie wien.krone.at

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