Do, 14. Dezember 2017

"Krone"-Interview

10.08.2010 18:27

Tscheliessnigg: "Das Land braucht keine 22 Chirurgien"

Am Mittwoch erfolgt der Spatenstich zur neuen Blutbank des Landeskrankenhauses Graz, der erste Schritt zum Megaprojekt LKH 2020. Bereits am Dienstag informierte Chirurgiechef Karlheinz Tscheliessnigg (Bild) über die Neuerungen.

"Krone": Herr Professor Tscheliessnig, das HELP-Schild ist einem DANKE-Schriftzug gewichen. Wieso?
Karlheinz Tscheliessnigg: Es ist ein Danke an die Verhandler von Bund und Land, die es ermöglicht haben, insgesamt 178,4 Millionen Euro für das Projekt LKH 2020 loszueisen. Mit diesem Geld ist es möglich geworden, etwa die Chirurgie auf einen Stand zu bringen, den andere Kliniken längst haben.

"Krone": Wie schaut's mit dem Zustand des LKH aktuell aus?
Tscheliessnigg: Es herrscht Platznot, wir leben mit einer Dauerbaustelle, und es gibt immer wieder Rohrbrüche. Erst vor wenigen Tagen hatten wir nach einem heftigen Regenguss einen Wassereinbruch im Operationszentrum. Wir müssen Geduld haben.

"Krone": Wie wichtig wird die neue Blutbank sein?
Tscheliessnigg: Sehr wichtig, denn die aktuelle ist viel zu klein. Immerhin ist sie ein Blutproduktebetrieb mit höchsten Ansprüchen, und es gab Zeiten, da drohte die Gesundheitsministerin sogar damit, sie überhaupt zu schließen. Die Lösung ist der Spatenstich. Für mich ist das LKH 2020 ein Riesenschritt für die gesamte Steiermark. Wichtig ist, dass dieses Gesamtpaket jetzt nicht aufgeschnürt wird.

"Krone": Sie waren stets gegen einen Neubau der Chirurgie in Bad Aussee. Wie stehen Sie jetzt dazu?
Tscheliessnigg:  Ich habe meine Meinung nicht geändert, auch wenn sie viele nicht gerne hören. Wir müssen die Funktion der Kleinspitäler ernsthaft diskutieren. Denn wir brauchen in der Steiermark sicher keine 22 allgemeine Chirurgien! Hier am LKH Graz sind wir ohnehin spezialisiert. Was wir brauchen, auch im Hinblick auf die demografische Entwicklung, sind Nachsorgezentren, die wir nicht haben. Ich bin strikt gegen die Schließung von Regionalspitälern, aber sie sollten sich künftig auf die Nachsorge konzentrieren!

von Gerald Schwaiger, "Steirerkrone"

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