Mi, 13. Dezember 2017

Hochsaison beginnt

10.08.2010 16:09

Nach den Gelsen kommen jetzt die Wespen

Der kühle Frühsommer hat sie eine Zeit lang aufgehalten. Langsam, aber sicher nehmen die Wespennester in den Baumhöhlen und auf Dachböden jetzt aber ansehnliche Größe an. Dementsprechend sollte man im Freien in den nächsten Wochen vor den gelb-schwarzen Brummern auf der Hut sein. Zoologen betonen auch heuer wieder den wichtigsten Ratschlag: ruhig bleiben. Nervöses Fuchteln bedeutet die größte Gefahr, gestochen zu werden.

Für das heimische Stech-Insekt Nummer 1, die Gelse, war heuer eine gute Saison. Die sogenannten Überschwemmungsgelsen, die im Juni und Juli so manchen Grillabend verdarben, haben sich aber längst wieder verabschiedet. Der Höhepunkt der Plage ist somit bereits überwunden, wenngleich durch das feucht-warme Wetter noch andere Arten den Sommer über nachdrängen können.

Wie heftig die alljährliche Wespen-Plage ausfällt, hängt in erster Linie vom Wetter im Frühling und Sommer ab. Wie praktisch alle wechselwarmen Tiere entwickeln sich auch Wespen bei höheren Temperaturen deutlich schneller. Durch den kühlen Frühsommer und das aktuelle Wechselbad aus Hitze und durchziehenden Kaltfronten werden die Nester heuer erst relativ spät ihre volle Größe erreichen.

Zu heiß kann es den Tieren hingegen kaum werden. Sollte es nötig sein, kühlen die Insekten ihr Nest mit Wasser. Daher sieht man Wespen an heißen Tagen auch oft an Wasserpfützen trinken. Das ist dann nicht unbedingt der eigene Durst der Tiere, sondern möglicherweise ein Wassertransport ins Nest.

Der Wespenzyklus: von April bis Oktober aktiv
In durchschnittlichen Jahren erwachen die Wespenköniginnen Ende April bis Anfang Mai aus der Winterruhe und suchen einen geeigneten, warmen und geschützten Platz für ein Nest. Etwa Mitte Juni schlüpfen die ersten Arbeiterinnen, unfruchtbare Weibchen, die der Königin beim weiteren Ausbau des Nestes helfen. Die volle Produktion an Nachkommen erreicht der Wespenstaat in Mitteleuropa meist Mitte August. Gegen Ende August schlüpfen neben den Arbeiterinnen auch die ersten Männchen und angehende neue Königinnen. Während im Nest Ende September bereits der Höhepunkt an Wespenproduktion überschritten ist, paaren sich die Geschlechtstiere bis in den Oktober hinein.

Die männlichen Wespen erleiden ein ähnliches Schicksal wie die Drohnen der Bienen: Kurz nach der Hochzeit sind sie nur noch unnötiger Ballast und sterben rasch. Bis Ende November geht dann auch die alte Königin mitsamt ihren letzten Arbeitern ein. Zum Überwintern sind lediglich die jungen, befruchteten Königinnen gerüstet. Sie suchen geschützte Spalten, etwa in Erdhöhlen oder menschlichen Behausungen, um die kalte Jahreszeit zu überstehen.

Im Frühjahr beginnt der Zyklus von neuem, wobei die jungen Königinnen niemals ihr altes Nest vom Vorjahr beziehen. Verlassene Wespennester kann man daher getrost belassen. Oft vergessene Verbündete gegen die Wespenplage sind Hornissen: Sie machen sich nicht selten über ihre kleineren Verwandten her und plündern die Nester. Auch sind Hornissen reine Räuber. Am Frühstückstisch, an Wurstrad oder Marmelade werden sie sich nie vergreifen.

Nester nur dann entfernen, wenn unmittelbar Gefahr besteht
Um Wespenstiche zu vermeiden, hat Christian Mokricky von "die umweltberatung" Tipps parat. So sollten an den Fenstern Insektengitter montiert werden, Verschalungen und Ritzen an Gebäuden regelmäßig begutachtet und mögliche Einfluglöcher verschlossen werden. Entwickelt sich dennoch in der Umgebung ein Wespennest, so sollte man einen Respektabstand von fünf Metern halten. Wer näher kommt oder gar am Nest manipuliert, wird die Selbstverteidigung der Tiere auf den Plan rufen.

Generell spielen Wespen eine wichtige Rolle im Ökosystem und sind auch für den Menschen nützlich. Nester sollten daher nur entfernt werden, wenn unmittelbar Gefahr besteht. Wenn nicht ihr Leben oder ihre Nachkommen unmittelbar bedroht sind, werden auch die aggressivsten Wespen einen Menschen nicht angreifen.

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