Mo, 11. Dezember 2017

"Enzo" statt "Enzi"

10.08.2010 14:07

Rund 60 "Enzos" im Wiener MQ stehen zum Liegen bereit

Der Generationenwechsel ist vollzogen: Rund 60 fabrikneue "Enzos" stehen seit Dienstag im Museumsquartier zum Hinlegen bereit. Die Stadtmöbel lösen damit die beliebten "Enzis" ab, die zum Großteil im vergangenen Winter einem Feuer zum Opfer gefallen waren. Das neue und dank Hohlräumen viel graziler wirkende Modell sei billiger, robuster, feuerfester – und mit Wasser befüllbar, freute sich MQ-Direktor Wolfgang Waldner.

Damit die "Enzos" trotz ihres geringeren Gewichts dort bleiben, wo sie hingehören, kann Wasser in das Innere der Stücke geleitet werden. Rund 1.500 Euro pro Stück - und damit laut Waldner deutlich weniger als die bisherigen Liegen - kostet ein Exemplar der bunten Designobjekte. Am frühen Vormittag wurde das noch gestapelte Interieur angeliefert und dann schrittweise in den Höfen des Museumsareals verteilt.

"Entwicklung ist äußerst komplex gewesen"
Die zweite, rund 20 "Enzos" umfassende Tranche kommt erst in einigen Wochen - doch mit den noch in der alten Version nachbestellten "Enzis" befänden sich schon jetzt mehr als 100 urbane Kojen im MQ. Die Entwicklung des Produkts sei äußerst komplex gewesen, berichtete das Designerduo Ludwig Slezak und Margarita Navarro, das in Zusammenarbeit mit den "Enzi"-Erfindern, dem Architektenteam PPAG, die aktuelle Version erarbeitete. Die Liege dank Hohlräumen leicht wirken zu lassen und gleichzeitig stabiler zu machen, habe etwa viel Rechenarbeit erfordert.

Die konischen Höhlen haben aber nicht nur ästhetische, sondern auch profan-praktische Gründe: "Eine Vorgabe war, dass die Dinger mit dem Gabelstapler aufgeladen werden können", so Slezak. Momentan sind die "Enzos" in Magenta, Erdbeerrot, Grasgrün und Elfenbein gefärbt. Bei der künftigen Kolorierung stehe eine Palette von rund 100 Farben zur Verfügung. Hergestellt werden die Objekte in Italien, weil "Österreich bei Design vor allem hinsichtlich der umsetzenden Firmen noch ein Entwicklungsland ist". Im südlichen Nachbarland sei die Herstellungskompetenz viel höher.

"Enzis" bisher für MQ-Erfolg mitverantwortlich
Verweilmöbel spielten eine wesentliche Rolle dabei, dass das Museumsquartier funktioniere, zeigte sich Waldner überzeugt. So sei der mit historischen Bauten und moderner Architektur ausgestattete Kulturkomplex die erste Zeit nach der Eröffnung fast leergeblieben - mit Ausnahme jener Menschen, die in die Ausstellungen pilgerten. Das ist seit Einzug der Enzis im Jahr 2002 anders: Scharen vorwiegend junger Leute bevölkern an lauen Sommerabenden den Haupthof. Das bringt laut Direktor pro Jahr rund zwei Millionen zusätzliche Gäste.

Dabei fließt nicht selten selbst mitgebrachter Alkohol, was im Vorjahr zu einer Debatte über ein Verbot von Bier und Hochprozentigem geführt hatte. Er vertrete nach wie vor die Position, dass offiziell der Getränkekonsum nur an den dafür vorgesehenen Orten - also den ansässigen Lokalen - stattfinden dürfe, so der MQ-Chef. Man dulde zwar den Genuss eigener Getränke, müsse bei "Exzessen" jedoch mit Hilfe der Polizei durchgreifen können. Zu diesen komme es meist nach Mitternacht, wenn Lokale und Kunsteinrichtungen bereits geschlossen hätten.

Viertel des Bestands wird jährlich ausgetauscht
Dabei kommt es  auch zu Beschädigungen der Freiluftmöblierung, weshalb weiterhin rund ein Viertel des Bestandes pro Saison ausgetauscht werden muss. Folglich werden die "Enzis" in Etappen schließlich in einigen Jahren gänzlich von den "Enzos" verdrängt worden sein. Ob MQ-Marketingleiterin Daniela Enzi, nach der die erste Generation benannt wurde, traurig darüber ist, dass die "next generation" nicht mehr ihren Namen trägt? "Ich glaube nicht", zeigte sich der Direktor optimistisch.

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