Do, 14. Dezember 2017

Kampf gegen Rauchen

05.08.2010 14:11

Vor Einheitspackerl kommt XXL-Hinweis mit Schockbild

Die Pläne der EU-Kommission, eine mit Warnhinweisen zugepflasterte Einheitszigarettenpackung zu schaffen - krone.at berichtete -, befinden sich bekanntlich noch in der Überlegungsphase. Die Gesundheitshüter in Brüssel haben aber auch Pläne in der Schublade, die bereits spruchreif sind. Wie es am Donnerstag aus der Kommission hieß, könnten zunächst die bestehenden Warnhinweise vergrößert werden. Schon 2011 könnten sie mehr als die Hälfte einer Zigarettenpackung oder gleich eine ganze Seite bedecken und auch sogenannte "Schockbilder" enthalten.

Es gebe bisher noch keinerlei Entscheidung in Richtung Einheitspackung mit übergroßen Warnhinweisen und Markennamen lediglich in standardisierter kleiner Schrift, betonte man in der EU-Kommission am Donnerstag, nachdem nun Medien in ganz Europa über die Pläne der Kommission berichteten - auf krone.at war darüber bereits Dienstagabend zu lesen (siehe Infobox).

Die Einheitspackung sei nur eine von mehreren Varianten zum Kampf gegen die Nikotinsucht. Die Generaldirektion Gesundheit in der Kommission ("Gesundheitskommissariat") führt in ihrem aktuellen Zwischenbericht zum Thema insgesamt 24 neue Vorschläge für Warnhinweise an. Der Zug fährt darin meist in Richtung einer Kombination von Text und Bild. Es heißt, dass Warnungen, die "100 Prozent" der Fläche einer Zigarettenpackung ausmachten, effektiver seien als jene, wo sie nur 50 Prozent der Fläche in Anspruch nehmen.

Abschreckende Bilder sollten beispielsweise Menschen mit faulen Zähnen und entsprechendem Text oder Operationen am offenen Herzen mit dem Hinweis "Rauchen verstopft die Arterien und führt zu Herzinfarkt" zeigen. Als besonders abschreckend gilt das Motiv "Kind mit Sauerstoffmaske" und der Zusatz-Hinweis "Schützt Kinder: Lasst sie nicht Euren Rauch einatmen".

Psychologen rechnen allgemein mit Gewöhnungseffekt
In dem EU-Bericht heißt es weiters, es habe sich erwiesen, dass ein Schriftzug mit Warnhinweisen allein von den Rauchern kaum beachtet werde. Bilder seien wesentlich eindrucksvoller und zeigten eine deutlich abschreckendere Wirkung.

Psychologen rechnen aber selbst beim täglichen Anblick von Raucherbein, Teerlunge und Co. sowie den bedrohlichen Warnhinweisen mit der Zeit mit einem Gewöhnungseffekt bei den Rauchern. Andrea Engleder vom Bundesverband der Österreichischen Psychologen spricht in diesem Zusammenhang von Distanzierung und Verleugnung: "Wenn ich nicht bereits ein gewisses Leiden habe, sprechen mich solche Hinweise nicht an."

Bei Jugendlichen, die noch nicht rauchen bzw. erst einsteigen, könnten diese Maßnahmen hingegen etwas bewirken. Darum wäre grundsätzlich auch die Einführung von Einheitspackungen "einen Versuch wert", meint die Psychologin. Zugleich weist Engleder darauf hin, dass der Eindruck von etwas Verpöntem, "dieser halblegale Touch", gerade bei Teenagern einen Reiz ausmacht.

"Der Markt ist kreativ"
Das alles hilft freilich nichts, wenn Raucher die Warnhinweise aus ihrem Sichtfeld verbannen. "Der Markt ist kreativ", betont die Expertin. So gibt es schon heute Packungen zum Umfüllen, wenn sich Raucher von den Warnhinweisen gestört fühlen. Bei Einführung von Einheitspackungen würden Konsumenten vermutlich vermehrt umfüllen - "und dann wieder coole Packungen haben".

Engleder zufolge würde es auch kaum einen Unterschied auf das Suchtverhalten ausmachen, ob die Zigaretten nur mehr offen angeboten werden oder sie der Verkäufer etwa auf Anforderung des Kunden hervorholen muss. "Produkte werden zum Beispiel im Supermarkt so platziert, dass sie ein Bedürfnis wecken", erklärte die Psychologin. "Bei Rauchern ist das nicht notwendig, sie gehen gezielt Zigaretten einkaufen. Das Bedürfnis ist bereits da."

Rauchen kostet jährlich 2,46 Milliarden Euro
Das EU-Parlament hat bereits 2007 die Kommission aufgefordert, die Tabakprodukt-Richtlinie zu überarbeiten. In dem Grünbuch der Europaparlamentarier unter dem Titel "Für ein Europa frei von Tabakrauch: Politische Optionen auf EU-Ebene" werden die Mitgliedsländer aufgefordert, die Raucherrate vor allem bei jungen Menschen um 50 Prozent bis 2025 zu senken.

Der Zwischenbereich verweist darauf, dass Rauchen weiterhin die größte Ursache für Todesfälle und Krankheiten in der EU ist. Mehr als 650.000 Europäer würden deshalb vorzeitig sterben und mehr als 13 Millionen leiden an einer chronischen Krankheit aufgrund ihres Zigarettenkonsums. Außerdem habe Rauchen eine negative Auswirkung auf Menschen jeden Alters - vom ungeborenen Baby über Kinder bis zu Erwachsenen. Darüber hinaus erzeuge Rauchen eine ähnliche Abhängigkeit wie jene von Drogen, etwa Kokain.

Der Kampf gegen das Rauchen wird aber vor allem aus finanziellen bzw. volkswirtschaftlichen Gründen geführt: Die Kosten von durch Tabak-Konsum verursachten Krankheiten wird auf 2,46 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Dabei entfallen 1,3 Milliarden auf die medizinische Versorgung, weitere 1,1 Milliarden Euro auf Produktivitätsverluste und 480 Millionen Euro auf Auswirkungen auf die Nichtraucher durch das Passivrauchen.

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