Di, 12. Dezember 2017

65 Jahre danach

06.08.2010 07:50

Hiroshima gedenkt der Opfer der Atombombe

In Japan haben am Freitag die Gedenkfeierlichkeiten zum Atombombenabwurf auf Hiroshima vor 65 Jahren begonnen. Als erster Vertreter der USA überhaupt nahm der amerikanische Botschafter in Tokio, John Roos, an den Gedenkfeierlichkeiten teil. In einer Erklärung bekräftigte er die Absicht seines Landes, sich für eine Welt ohne Atomwaffen einzusetzen: "Für das Wohl künftiger Generationen müssen wir weiter zusammenarbeiten, um eine Welt ohne Atomwaffen zu schaffen."

Haruko Moritaki von der Hiroshima-Allianz zur Abschaffung von Atomwaffen sagte, dass die Anwesenheit der USA "zu spät" komme. Die Vereinigten Staaten seien das einzige Land auf der Welt, das Atombomben abgeworfen habe. Und sie besäßen immer noch Nuklearwaffen, kritisierte Moritaki. Botschafter Roos sagte in einer Erklärung, "künftigen Generationen zuliebe müssen wir daran weiterarbeiten, eine Welt ohne Nuklearwaffen zu verwirklichen". Es müsse sichergestellt werden, dass sich ein solcher Konflikt nie wiederhole.

Der japanische Regierungschef Naoto Kan sagte bei der Gedenkfeier in der südjapanischen Stadt, die Menschheit dürfe nie wieder "Horror und Elend" verursachen, wie es durch die Atombomben entstanden sei. Im Kampf gegen Atomwaffen trage Japan als einziges Land, auf das jemals Atombomben abgeworfen worden seien, eine "moralische Verantwortung". Er begrüßte das Kommen von UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon und Roos. Er hoffe, sie würden den Wunsch der Japaner akzeptieren, dass Atomwaffen nie wieder Schaden verursachen.

"Wir leben unter nuklearem Schatten"
Ban, der Blumen an der Gedenkstätte für die Opfer niederlegte, sagte, er erhoffe sich ein starkes Signal an die Weltgemeinschaft, dass Atomwaffen zerstört werden müssten. Er werde eine Abrüstungskonferenz für September nach New York einberufen. Dort werde er auf Verhandlungen über weitere nukleare Abrüstung drängen. Der UNO-Generalsekretär sprach sich erneut für eine Abschaffung von Atomwaffen aus. Eine Welt ohne Massenvernichtungswaffen sei "der einzige vernünftige Weg zu einer sichereren Welt". "Solange Atomwaffen existieren, leben wir unter einem nuklearen Schatten", sagte Ban.

Es war die bisher größte Gedenkveranstaltung für die Opfer von Hiroshima, insgesamt 74 Staaten waren vertreten. Auch die beiden westeuropäischen Atommächte Großbritannien und Frankreich nahmen teil. China schickte allerdings keinen Vertreter nach Hiroshima, 2008 war noch ein niederrangiger chinesischer Abgesandter zu der Gedenkfeier gereist.

1.000 Tauben über Hiroshima
Die Stadt Hiroshima war darauf bedacht, der Feier etwas Zukunftsweisendes zu geben. Damit wollten die Veranstalter die Frage umgehen, ob der Einsatz der Atombombe gerechtfertigt war - eine Frage, die in der japanischen Gesellschaft umstritten ist. Die Gedenkveranstaltung begann mit Kranzniederlegungen. Um 8.15 Uhr Ortszeit, der Zeit, in der am 6. August 1945 die Atombombe über Hiroshima abgeworfen worden war, wurde eine Schweigeminute abgehalten. Später flogen 1.000 Tauben als symbolische Geste für den Frieden in den Himmel.

Schulkinder sangen und Glocken wurden feierlich geläutet, um an die etwa 140.000 Menschen zu erinnern, die unmittelbar ums Leben kamen, als die USA die Stadt zerstörten. Der Bürgermeister von Hiroshima, Tadatoshi Akiba, forderte in seinem Friedensappell die japanische Regierung dazu auf, auf den atomaren Schutzschild des Sicherheitspartners USA zu verzichten. Japan solle bei der nuklearen Abrüstung eine Vorreiterrolle übernehmen.

Die USA hatten am 6. sowie am 9. August 1945 am Ende des Zweiten Weltkriegs Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfen. Am 15. August 1945 kapitulierte Japan schließlich, damit war der Krieg vorbei. Hunderttausende Menschen starben sofort und noch heute sterben immer noch verstrahlte Opfer. Seit der letzten Gedenkveranstaltung vor einem Jahr sind mehr als 5.500 Menschen an den Folgen gestorben. Die Gesamtzahl der Todesopfer ist damit auf 269.446 gestiegen, heißt es in japanischen Quellen.

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