Mi, 13. Dezember 2017

Sommergespräch

05.08.2010 11:20

Stadtchefin Oppitz-Plörer: "Ich habe anderen Arbeitsstil"

Christine Oppitz-Plörer ist seit 8. März Bürgermeisterin von Innsbruck. Ihr Zuspruch in der Bevölkerung scheint groß zu sein, auch wenn sie nicht "Everybodys Darling" sein kann und auch nicht will.

"Die Termine sind jetzt viel komprimierter", antwortet Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer beim "Krone"-Sommergespräch in ihrem Büro auf die Frage, ob sie es jetzt stressiger habe als früher. Die 42-jährige zweifache Mutter (die Tochter ist 18, der Sohn 16) ist seit 8. März des Jahres Bürgermeisterin der Landeshauptstadt. Sie ist damals Hilde Zach, die ihr Amt bekanntlich aus gesundheitlichen Gründen zurücklegte, nachgefolgt.

Van Staas Anfrage
Doch werfen wir einen Blick zurück. Wie sind Sie eigentlich in die Politik gekommen? "Das war im Jahr 2000. Ich habe damals bei der Tilak, im Büro des Vorstandsvorsitzenden, gearbeitet, als mich Herwig van Staa fragte, ob ich nicht für seine Liste 'Für Innsbruck' kandidieren will", erzählt Oppitz-Plörer. Sie hatte damals gerade einmal eineinhalb Tage Zeit – und sagte zu. "Ich war zuerst auf Platz acht gereiht, schlussendlich wurde es dann aber der 4. Platz. Die Stadtregierung war damals aber kein Thema, nur der Gemeinderat." Van Staa und sein Team holten schließlich 16 Mandate und vier Stadtsenatssitze – und Christine Oppitz-Plörer saß fortan im Gemeinderat.

2002 in die Regierung
Und das wäre vermutlich auch so geblieben, wäre Herwig van Staa 2002 nicht Landeshauptmann geworden. Zach wurde Bürgermeisterin, Oppitz-Plörer bot sie schließlich einen Sitz in der Stadtregierung an. "Eigentlich wollte ich meinen Beruf bei der Tilak nicht aufgeben, doch ich habe mich dann doch anders entschieden", erinnert sie sich an den November 2002 zurück. An das Bürgermeisteramt dachte sie damals freilich noch lange nicht.

Doch dann kam die EM und das Jahr 2008 – und nach der Euro nahm der "Kronprinz" – Christoph Platzgummer – seinen Hut. Und wieder rückte Christine Oppitz-Plörer auf – sie wurde am 8. Juni Vize-Bürgermeisterin – und ab diesem Zeitpunkt war dann klar: Sie wird die nächste Innsbrucker Bürgermeisterin. Am 8. März 2009 wurde sie dann gewählt.

Baustellen-Problem
Seither sind fast fünf Monate vergangen. Wie schaut Ihre Bilanz aus? "Wir haben ein ehrgeiziges Arbeitsprogramm, das wir in der Dreier-Koalition abarbeiten. Es wurde schon vieles erledigt." Ein Problem sind derzeit sicher die vielen Baustellen in der Stadt. "Ich ersuche die Bevölkerung um Verständnis, doch wir sind gerade dabei, Innsbruck als attraktiven Standort für die Wirtschaft, aber auch für die Bevölkerung und die Touristen zu gestalten. Und da gehören Baustellen eben dazu. Doch wenn dann alles fertig ist, dann gefällt's eh wieder allen – das sieht man beim nördlichen Teil der Maria-Theresien-Straße."

Keine Nachfolgerkämpfe
Mit der Arbeit der Koalition ist sie im Großen und Ganzen zufrieden. Aber: "Einige im Stadtsenat müssen noch lernen, dass sie jetzt nicht mehr im Gemeinderat sitzen – das ist nämlich ganz etwas anderes", sagt sie in Richtung ÖVP. Und von der SPÖ erhofft sie sich, dass diese ihre Nachfolgerkämpfe nicht in der Stadtregierung austrägt.

Wie schaut Ihr Tagesablauf aus? "Um halb acht bin ich meistens im Büro. Danach folgt ein Termin auf den anderen, außerdem hab ich ziemlich viele Entscheidungen zu treffen. Doch wenn man so eine Position innehat, muss man Entscheidungen treffen. Eine Entscheidung treffen heißt aber gleichzeitig auch eine Entscheidung gegen etwas bzw. jemanden zu treffen. Das bringt das Amt mit sich. Man kann halt nicht ,Everybodys Darling‘ sein – und das will ich auch gar nicht." Und am Abend schaut sie, dass sie nicht jeden Abend einen Termin hat. "Das geht und ist auch wichtig für meine Familie!"

Vorbild Hilde Zach
Kommt Hilde Zach noch oft vorbei? "Ich kann sie jederzeit anrufen, ich muss aber nicht", sagt die Bürgermeisterin. Das sei aber immer wieder sehr nützlich. Zach ist übrigens ihr Vorbild, das sie sehr geprägt habe. Aber: "Ich habe in vielen Dingen einen völlig anderen Arbeitsstil. Außerdem waren wir nicht immer einer Meinung."

Stichwort Finanzen – wie schaut es in Innsbruck aus? "Wir sind fast schuldenfrei, doch wir werden deswegen das Geld auch weiterhin nicht mit der Gießkanne verteilen. Den Weg des Schuldenmachens wird es mit mir nicht geben!"

Kreuzfahrt & Wandern
Geht sich heuer noch ein Urlaub aus? "Aber sicher! Zuerst mache ich mit meinen Kindern eine Kreuzfahrt im Mittelmeer, danach gehe ich eine Woche wandern – heuer nach Bad Gastein."

Denke über 2012 hinaus
Denkt die Bürgermeisterin nur bis zu den nächsten Wahlen im Jahre 2012 oder weiter? "Natürlich weiter. Bis 2020!" Frau Bürgermeister hat also noch sehr viel vor mit der Stadt!

von Markus Gassler, Tiroler Krone

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