Mi, 13. Dezember 2017

Nach HNO-Skandal

05.08.2010 09:07

Innsbrucker Klinik: Schiefe Optik bei der Stellenvergabe

Der Klinik-Skandal rund um HNO-Chef Herbert Riechelmann schlägt Wellen. Die Justiz ermittelt in zwei Fällen wegen fahrlässiger Tötung und in 26 Fällen wegen Körperverletzung. Zwei "unbequeme" Mediziner, die sich gegen Riechelmann auflehnten, mussten das Feld räumen, Riechelmann hingegen operiert weiter. Um Karl-Heinz Grasser zu zitieren: "Es ist eine schiefe Optik." Eine schiefe Optik, die auch neue Stellen-Besetzungen an der Klinik Innsbruck betrifft.

Vorab eine kurze Einleitung: Nach dem Bekanntwerden der Missstände an der Innsbrucker HNO-Klinik geriet der Abteilungschef Herbert Riechelmann ins Visier der Justiz. Der Staatsanwalt ermittelt gegen Riechelmann wegen Verdachts der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung! Für Riechelmann gilt natürlich die Unschuldsvermutung. Das Ermittlungsverfahren der Justiz sickert seit Monaten vor sich hin.

Zwei "unbequeme" Ärzte lehnten sich gegen Riechelmann auf und kritisierten dessen Operations-Methode an einem Patienten. Kurz darauf mussten die renommierten Professoren das Feld räumen: Einer von ihnen wurde entlassen, der andere suspendiert...

Ersterer strengte einen Arbeitsprozess an. Nun beginnt die schiefe Optik alles zu verzerren: Zwei Ärzte, die gegen diesen "unbequemen" Professor aussagten (also im Sinne der Klinik sprachen), wurden nach ihrer gerichtlichen Verantwortung auf neue, höhere Posten gehievt.

Eine Anästhesistin, die im Ermittlungsverfahren pro Riechelmann parliert haben soll, wurde darauf als dritte Geschäftsführerin der Anästhesie installiert. Zufall?

Die Tilak wollte "derart konstruierte Vorwürfe nicht kommentieren" und drohte der "Krone" mit Klage.

Die Stellen-Besetzungen im Detail
Einer 56-jährigen Allgemeinärztin wurde eine Ausbildungsstelle zur Chirurgin gegeben. Diese Lehre dauert 6 Jahre, sie darf also im Pensionsalter mit ihrer Arbeit beginnen. Sinnvoll?

Die Uni-Tätigkeiten des gekündigten Professors wurden einem nicht-habilitierten HNO-Arzt zugewiesen, auf dessen Konto bisher nur zwei Publikationen gehen. Ein solches Vorgehen sei laut Experten unüblich.

Dazu kommt der oben erwähnte Zuwachs an der Anästhesie. Wozu man die dritte Geschäftsführerin brauche? "Die Anästhesie ist seit Kurzem in drei Teilbereiche gesplittet, jeder Geschäftsführer kontrolliert ein Segment", sagt die Tilak. Auf die Frage, welche Bereiche geschaffen wurden, wusste die Tilak keine Antwort…

von Matthias Holzmann, Tiroler Krone

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden