Fr, 15. Dezember 2017

Bonsai-Welten

06.08.2010 15:47

Lebendige Skulpturen

So gut wie jedem Pflanzenliebhaber schlägt beim Anblick eines alten Bonsais das Herz höher: Die kleinen Bäume mit der großen Kunst dahinter verzaubern mit Form, Perfektion und der faszinierenden Naturwiedergabe „en miniature“. Und so kam es vor einigen Jahren zu einem wahren Bonsai-Boom. Massenimporte machten die kleinen Bäume „in echt“ für wirklich jeden erschwinglich. Auch, und vor allem für den Indoor-Bereich. Nicht immer zum Vorteil der Pflanzen selbst und der Besitzer. Denn dem Boom folgte recht rasch das enttäuschende große Waldsterben im Wohnzimmer. Doch Bonsais sind in Wahrheit viel besser als ihr Ruf. Einige Regeln vorausgesetzt.

Zwei ganz wichtige Grundsätze vorab: Hinter der jahrtausendalten Bonsai-Tradition (Bonsai: aus dem Japanischen „bon“ für Schale und „sai“ für Pflanze) steckt viel mehr als nur eine bestimmte Art, eine Pflanze zu bearbeiten. Sowohl in Japan als auch in China bedeuten Pflege, Gestaltung und Auseinandersetzung mit einem „Baum in der Schale“ eine spirituell-meditative Befassung mit Weisheit, Form und Perfektion der Natur als Schöpfung im Einklang mit dem Menschen. So verstehen etwa die Chinesen - China gilt als Wiege der Bonsai-Kultur - unter dem Bonsai die Kunst und das Bestreben, eine Harmonie zwischen Naturelementen (meist Berg und Wasser, ausgedrückt mit Steinen und feinem Kies), der belebten Natur (meist einem Baum) und dem Menschen (Schale) darzustellen. Der spirituelle Zugang wird auch dadurch verdeutlicht, dass buddhistische Mönche den Bonsai nach Japan brachten.

Einfacher dagegen die westliche Sicht, die unter einem Bonsai einfach einen kleinen Baum in einer Schale versteht, der vorwiegend dekorative Zwecke erfüllt.

Der zweite und für die weitere Pflege ganz wichtige Grundsatz: Mag er auch noch so klein sein – ein Baum bleibt immer ein Baum und benötigt daher im Wesentlichen die gleichen Rahmenbedingungen wie seine großen Brüder für Wachstum und Gesundheit.

„Man keinen Fisch in ein Vogelhaus setzen“
Der Österreicher Karl Thier ist ein weit über die Grenzen des Landes hinaus anerkannter Bonsai-Fachmann, der international auch vor allem dadurch Aufsehen erregt, dass er Bonsais aus heimischen Bäumen gestaltet, die, weil an unsere klimatischen Bedingungen angepasst, sich durch eine wesentlich größere Robustheit (und Lebensfähigkeit) auszeichnen. Vor allem im Außenbereich, denn von den noch vor einigen Jahren so beliebten und heute in so gut wie jedem Baumarkt erhältlichen „Indoor-Bonsais“ hält Thier wenig: „In meinem Seminaren sage ich immer, dass man ja auch keinen Fisch in ein Vogelhaus setzen kann. Und einen Baum eben nicht in ein Wohnzimmer. Denn auch der kleine Baum benötigt die gleichen Rahmenbedingungen wie alle anderen Bäume. Besonders wichtig sind Lichtverhältnisse und Bodentemperatur. Und die sind in Wohnräumen genau umgekehrt: In den dunkleren Jahreszeiten sinkt die Bodentemperatur im Freien ab. In der Wohnung ist es genau umgekehrt: Je dunkler, desto kälter, desto wärmer werden die Räume durch die Heizungen.“ Einer der Hauptursachen, dass so viele Bonsais trotz größtem Bemühen der Besitzer nur selten Herbst und Winter in der Wohnung überleben.

Heimische Bonsais
Ein weiteres Problem besteht darin, dass die traditionellen Bonsais aus den asiatischen Ländern ganz anderen Jahreszeiten-Wechseln unterliegen als in unseren Breiten. Und so bietet Thier in seiner „Little Bonsai world“ vorwiegend heimische Laub- und Nadelbäume für den Außenbereich an. „Ganz wichtig: Wir züchten keine Bonsais, sondern graben sie aus. Es gibt bei uns genügend alte Bäume, z.B. 100 Jahre und älter, die durch Wildverbiss oder durch Höhenlage klein geblieben sind.“ Diese „Findlinge“ („Yamadori“) sehen eher wie kleine Büsche aus und werden erst durch Kulturmaßnahmen aufwendig zu Bonsais gestaltet. Vorsicht vor Nachahmungen: Diese Gestaltung zum Bonsai erfordert sehr viel Fachwissen und Verständnis, zusätzlich kann für das Ausgraben auch die Erlaubnis des Grundeigentümers erforderlich sein.

„In unseren Breiten würde das Züchten viel zu lange dauern“, so Thier. Daher stammen v.a. die Massen-Günstigangebote aus Importen aus asiatischen Ländern. Diese sind meist sehr zart – und bleiben es auch. Denn an der Dicke des Stammes ändert sich bei Bäumen in der Schale nur wenig: Die Pflanzen wachsen in die Höhe, aber aufgrund der geringen Last, die sie zu tragen haben, kaum in die Breite. Stößt man doch einmal auf einen relativ günstigen Bonsai – meist Ficusse –, der einen dicken Stamm aufweist, so wurde im Regelfall kräftig nachgeholfen: Alter Baumbestand wurde entlaubt, zurechtgeschnitten und dann mit jungen, zarten Pflanzen aufgepeppt, was auch die eher kleinen Blätter erklärt. Pflege-Probleme vorprogrammiert.

Experten-Tipps für den Kauf
Der Gang zum echten Fachmann erspart viele Schwierigkeiten. Denn die ausführliche Beratung in Bezug auf Standort, bereits vorhandene Bonsai-Erfahrung des Interessenten, die richtige Bonsai-Erde und nicht zuletzt auch die richtige Schale sowie die Gewissheit, sich „im Fall der Fälle“ jederzeit an den Bonsai-Fachmann wenden zu können, sind Basis-Grundlagen für lange Freude an Bonsais. „Sucht man den echten Fachmann auf, nimmt man die Beratung auch in Anspruch, hält sich an die Pflegeanleitungen und scheut sich bei möglichen Unsicherheiten oder Problemen nicht, eher einmal zuviel als zu wenig den Fachmann zu kontaktieren, sind Bonsais im Außenbereich sehr robust und sorgen für außergewöhnliche Gestaltungseffekte – mit ganz wenig Mitteln. Auch der kleinste Bereich im Garten eignet sich für ein asiatisches Eck“, so Thier.

Tipp: Im Rahmen der „Internationalen Gartenbaumesse 2010“ in Tulln (26. bis 30. August 2010) mit der größten Blumenschau Europas können sich die BesucherInnen persönlich von Karl Thier und seiner „Little Bonsai World“ ausführlich und unverbindlich in die faszinierende Welt der Bonsais einführen lassen und viele Gestaltungs- sowie Experten-Tipps einholen.

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