Do, 14. Dezember 2017

Fatale Mittagspause

04.08.2010 13:54

Bögerl-Entführung: Polizei verpatzte Lösegeldübergabe

Die Entführungsgeschichte um die deutsche Bankiersfrau Maria Bögerl (siehe Infobox), die am 12. Mai aus ihrem Haus gekidnappt und nach einer gescheiterten Lösegeldübergabe getötet wurde, ist um eine traurige Facette reicher. Jetzt kam nämlich der Grund für die vereitelte Übergabe ans Tageslicht: Laut Informationen des "Stern" vereitelte die Mittagspause einer Bank die pünktliche Aushändigung.

Informationen des "Stern" zufolge war nicht wie sonst üblich die Polizei mit der Organisation des Geldes betraut worden. Sie habe vielmehr der spontanen Idee des Ehemanns des Opfers zugestimmt, dass die kleine Gemeinde Niederstotzingen die Summe beschaffen solle - unter dem Vorwand, dass für ein kommunales Projekt ein Blitzkredit benötigt werde.

Die erste Adresse dafür war die Kreissparkasse Heidenheim, die Hausbank des Ehemanns Thomas Bögerl. Dort sei jedoch die Summe in der geforderten Stückelung nicht vorrätig gewesen. Daher habe man sich an die Bundesbankfiliale im rund 40 Kilometer entfernten Ulm gewandt, die größere Geldmengen lagert. Dem staatlichen Institut sei vorgespielt worden, die Stadtverwaltung stehe in einer wichtigen Verhandlung und brauche dringend Bargeld.

Boten vor verschlossenen Türen
Die Geldboten standen aufgrund der Mittagspause jedoch vor verschlossenen Türen. Erst gegen 13.45 Uhr konnten sie die Scheine in Empfang nehmen. Für den geplanten Übergabetermin um 14 Uhr war das freilich zu spät. Von Ulm bis zum Übergabeort, einer Betriebseinfahrt der Autobahn A 7 nördlich von Heidenheim, sind es rund 40 Kilometer. Bis 14 Uhr war das nicht zu schaffen.

Noch dazu hatte die Polizei Thomas Bögerl nicht zur nächsten Autobahn-Auffahrt gebracht, wodurch sich für ihn die Fahrstrecke zum Übergabeort um fast zehn Kilometer verkürzt hätte. Sie ließ ihn vielmehr im Rathaus von Niederstotzingen warten, wo er von Beamten der Landespolizei betreut wurde.

Pleiten, Pech und Pannen
Diese folgenschwere Panne war allerdings bei Weitem nicht die einzige. Wie aus internen Unterlagen der Polizei hervorgeht, waren der Entführer und sein Opfer an diesem Tage offenbar sehr nah am Übergabeort, da die Polizei Maria Bögerls Handy nur 500 Meter nördlich davon geortet hatte.

Sondereinsatzkräfte überprüften alle fünf Minuten diese Übergabestelle an der Autobahn, mehrere Einheiten überwachten nahe gelegene Gemeinden. Zusätzlich fuhren Polizeibeamte, als Fahrradfahrer getarnt, durch das umliegende Waldgebiet. Gefasst werden konnten die Entführer trotz dieses großen Aufwandes allerdings nicht.

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